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Wie ein Querdenker aus Vorarlberg seine Erfindungen zum Jupiter fliegen lässt

Die Textilindustrie in Vorarlberg lebt wieder auf: Davon ist Textilunternehmer Günter Grabher überzeugt. Der Lustenauer nutzt altes Know-how aus verschiedenen Bereichen, um neue smarte Textilien zu entwickeln. Zum Beispiel für den Flug zum Jupiter.
Christph Zweili
Die erste digitale Erste-Hilfe-Matte liefert akustische und optische Hilfestellungen bei der Herzmassage. (Bilder: Ralph Ribi)

Die erste digitale Erste-Hilfe-Matte liefert akustische und optische Hilfestellungen bei der Herzmassage. (Bilder: Ralph Ribi)

Zu Besuch in Vorarlberg

Die Redaktorinnen und Redaktoren des Ressorts Ostschweiz haben ihren Arbeitsplatz für eine Woche nach Vorarlberg verlegt. Von dort aus berichten sie über Menschen, Wirtschaft und Kultur unserer so unbekannten wie faszinierenden Nachbarn – auf dass sie uns ein Stück näher rücken.

Renovierte historische Gebäude, modernste Industriebauten: Der Wirtschaftspark in Hohenems vereint architektonisch liebevoll Altes und Neues unter einem Dach. Hier, im Labor der ursprünglich eigenen Forschungsabteilung, tüftelt der 48-jährige Günter Grabher an intelligenten Textilien herum, sogenannten «Smart Textiles». Hier hat der Aufstieg eines Querdenkers begonnen, der das klassische Stickereihandwerk gelernt und sich 1995 selbstständig gemacht hatte. Doch statt sich wie andere der Post-Untergangsstimmung nach dem textilen Aderlass in den 1980er- und 1990er-Jahren hinzugeben, suchte Grabher mit neuen Ideen an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Der Lustenauer tat, was andere tunlichst vermeiden: Er forschte nicht für sich, sondern holte seine Konkurrenten mit ins Boot, um sie für seine Ideen zu begeistern; überzeugt davon, dass er bei der Entwicklung von Produkten auf andere angewiesen ist. Dieser Denkansatz macht inzwischen Schule.

Günter Grabher; CEO Grabher Group, in Lustenau, Dornbirn und Hohenems.

Günter Grabher; CEO Grabher Group, in Lustenau, Dornbirn und Hohenems.

Der 48-Jährige, anfangs noch als «verrückter Einzelgänger» bezeichnet, führt heute die Grabher Group. In der Firmengruppe mit 130 Mitarbeitenden wird zusammen mit Partnern ein 18-Millionen-Umsatz erwirtschaftet. Das Unternehmen gilt inzwischen als «weltweiter Hub für Smart Textiles». Der 48-Jährige nutzt das Know-how und die über viele Jahre gereifte textile Wertschöpfungskette in Vorarlberg, indem er Kooperationen mit anderen Unternehmen eingeht, 20 sind es mittlerweile. Grabher ist überzeugt vom Vorsprung der heimischen Textilwirtschaft gegenüber andern Regionen – hier sind sämtliche Kompetenzen im Umkreis von 30 Kilometern verfügbar.

Erstes "waschbares“ Sensortextil-Shirt für die Echtzeit-Vitaldaten-Erkennung: Es misst Atmung, Puls, Temperatur, Position, Geschwindigkeit und Bewegung.

"Gestickte“ Carbon-Strukturen für die Flugzeug-und Automobilindustrie.

Ein Baby-Phone, das fühlen kann. Integriert in die Babymatratze soll es den plötzlichen Kindstod verhindern helfen: Es misst Atmung, Puls, Temperatur, Feuchtigkeit und Bewegung.

3-D Carbon-Glasfaserstrukturen für Textilbeton. Sie werden bei der Sanierung von Brücken und Strassen eingesetzt.

Textiler-Feuchtigkeitssensor für den Pflegebereich und die Pflege zu Hause.

Der digitale Bürostuhl mit 4 integrierten textilen Drucksensoren erkennt die exakte Sitzposition und gibt ein Feedback zur ergonomischen Haltung, hilft also Rückenbeschwerden vorzubeugen.

Niederdruck-Plasmareaktor zur Herstellung von Nano-Sensoren und Modifikation von textilen Oberflächen für medizinische Anwendungen und den Einsatz in militärischen Schutztextilien.

Dreidimensionale textile Elektroden für neuartige Batteriesysteme. Durch die Erhöhung der Elektrodenoberfläche kann die Leistungsfähigkeit einer Batterie um das 4- fache gesteigert werden (zB. Elektromobilität).

Kontaktwinkelmessung zur Bestimmung der Oberflächenenergie eines Textils.

Injektion von Nanosensoren in ein Gewebe.

10 Bilder

Der Wandel in der Textilbranche

Vorarlberg ist noch immer das textile Herz Österreichs

«Der Anfang war harzig», sagt Grabher heute. «Erst als sichtbar wurde, dass sich damit Geld verdienen lässt, kam der Respekt der anderen Textilunternehmen.» Auch wenn der Textilanteil an der Industrieproduktion 2016 gerade noch 7,5 Prozent betrug, ist Vorarlberg bis heute das textile Herz Österreichs geblieben. Und: Inzwischen werden bereits 50 Prozent des Umsatzes mit technischen Textilien gemacht – einem Bereich, der weltweit am stärksten wächst; die «Smart Textiles» sind ein Teil davon.

Mit dem Niederdruck-Plasmareaktor werden textile Oberflächen für medizinische Anwendungen gemessen.

Mit dem Niederdruck-Plasmareaktor werden textile Oberflächen für medizinische Anwendungen gemessen.

Vor zehn Jahren wurde mit der Entwicklung im Bereich Nanotechnologie begonnen. Fünf Jahre später schlossen sich erste Gruppen von Textilern und Stickern zusammen, um Möglichkeiten vom Flugzeugbau bis hin zur Medizintechnik auszuloten. Heute sind chemische Textilien wie wasserabweisende oder flammenhemmende Stoffe oder saugfähiges Filtergewebe für die Blutwäsche bereits entwickelt. Und den E-Textilien wird eine grosse Zukunft vorausgesagt: Ein Sensor-T-Shirt misst die Körperfunktionen wie Puls, Blutdruck und Atemfrequenz bei Sportlern. Vom Pflegepersonal im Altersheim Dornbirn werden waschbare Sensoren zur Erkennung von Nässe in Pflegebetten getestet. Für Grabher könnte es noch viel weiter gehen: Er spricht von gestrickten Stromspeichern. Und einem textilen Implantat, das die Herzchirurgie revolutionieren soll. Und von gestickten Warnsystemen, die warnen, bevor ein Dach unter der Schneelast zusammenbricht. Was Grabher jetzt schon weiss: Er ist 2022 beim Start einer Ariane-5-Rakete dabei, die 2030 den Jupiter erreichen soll. Am Bug der Rakete eine gestickte Temperaturabschirmung – made in Vorarlberg.

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