Glosse

Wie das Patriarchat entstand

«ResTZucker»: Konservative Schulpolitiker machen sich Sorgen, weil ihrer Meinung nach die Buben in der Schule benachteiligt würden. Das Patriarchat wird deswegen aber noch lange nicht fallen.

David Angst
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David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung.

David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung.

Bild: Ralph Ribi

«Das Volumen subterraner Agrarprodukte steht in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität des Produzenten.» Diesen Satz muss eine Frau erfunden haben. Ein Mann muss sich schon sehr anstrengen, um ihn überhaupt zu verstehen. Mädchen sind klüger als Buben, und sie sind fleissiger, das weiss man nicht erst seit der Grossratsdebatte vom letzten Mittwoch. Mädchen sind in den Sonderklassen unter- und im Schulniveau E übervertreten. Drei Schulpolitiker von der SVP machen sich nun Sorgen um das Patriarchat, allerdings völlig unbegründet.

Wenn es so wäre, dann wäre das Patriarchat längst zusammengebrochen. Schliesslich waren die Frauen schon in der Steinzeit klüger als die Männer. Jene konnten eigentlich nichts, ausser einander die Köpfe einzuschlagen. Bei der Mammutjagd schickten die Frauen die Männer vor, damit diese Trottel die gefährliche Arbeit verrichten.

Auch die Position des Häuptlings wurde von Männern besetzt. Nicht, weil man dafür besonders klug sein musste, sondern weil es gefährlich war. Es gab immer irgendwelche Neider, die den Häuptling um die Ecke bringen wollten. Am Ursprung des Patriarchats stand also eine Risikoabwägung der Frauen. Mittlerweile sind viele von ihnen damit nicht mehr zufrieden. Aber was man einmal hat, das hat man.

Obwohl heute mehr Frauen als Männer an den Hochschulen studieren, sind die Chefpositionen in Wirtschaft und Politik immer noch von Männern besetzt. Ausserdem verdienen die Männer unverdienterweise mehr als die Frauen, wie diverse Studien belegen. Was eigentlich nichts anderes bedeutet, als dass das eingangs erwähnte Sprichwort stimmt. Hier noch in der Version für die Männer: «Die dümmsten Bauern ernten die grössten Kartoffeln.»

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