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Wie das einzige Unterseeboot vom Bodensee nach Hergiswil gekommen ist

Das Unterwasserboot des Harder Werftbesitzers Karl Hartmann war das einzige seiner Art im Bodensee. Nach einem Kurzauftritt im Verkehrshaus Luzern hat es nun ein Innerschweizer Tauchunternehmer gekauft.
Marcel Elsener
Von Hard nach Hergiswil: das renovierte U-Boot auf Tauchfahrt im Vierwaldstättersee. (Bild: Hattan)

Von Hard nach Hergiswil: das renovierte U-Boot auf Tauchfahrt im Vierwaldstättersee. (Bild: Hattan)

Spontane U-Boot-Suche in Hard. Klingt unwirklich? Ist aber wahr: In Hard liegt das einzige bemannte Unterseeboot am Bodensee. Wohl nicht typisch Vorarlberg, aber der Typ, der das Boot baute, ist ortstypisch: Karl Hartmann, Werftbesitzer, Seebär, Tüftler mit der Energie und Neugier von zwei. Ein unermüdlicher Schaffer in der Provinz, der mit Weltspezialisten auf Augenhöhe verkehrt: Sein U-Boot, das er in den 1980ern baute, navigierte mit dem gleichen, teuren System einer kalifornischen Firma, das die russischen Forschungs-U-Boote für ihre Tauchfahrten am Wrack der «Titanic» verwendeten – in 3800 Metern Tiefe. Die Erinnerung blubbert noch frisch: 2010 durfte der Reporter vor der Rheinmündung mit Hartmanns U-Boot mit in die Tiefe, zusammen mit Fernsehteams von ORF und ZDF. Sogar zweimal, weil der erste Tauchgang wegen eines Defekts abgebrochen werden musste. Umso schöner. Ob das U-Boot acht Jahre später noch in Betrieb und bei Hartmann gelagert ist?

Hochbetrieb in der Werft, doch der Chef hat kurz Zeit

Die Werft ist schnell gefunden, Hard hat alles, was ein echter Hafen hat, eben eine Werft, Hallen, Brachen bis hin zu Fabriken in der Nähe, wie der ehemaligen Kammgarnspinnerei. Nebst Segel-, Fischer-, Motorbooten aller Art liegt im langen Becken das älteste noch betriebene Bodensee-Dampfschiff, die «Hohentwiel», ganz aussen auf dem Damm steht das Landesfischereizentrum. Auf zur Werft, eine der grössten am Bodensee, zum Wiedersehen mit ihrer einzigartigen Spezialität: das Eigenbau-U-Boot. Was für ein Bubentraum. Der einer Geschäftsidee von Karl Hartmann und seinem Ingenieurkollegen Peter Matt entsprang: Die beiden entwickelten das 5,5 Meter lange und 2,5 Meter breite Boot vor allem als praktisches Arbeitsgerät für die Schadenkontrolle in Stauseen. In der Öffentlichkeit tauchte das 6,5 Tonnen schwere Bodensee-U-Boot aber grösstenteils unter dem Radar. Ist es da? Die Werftleute zucken mit der Schulter: «Das ist das Ding des Chefs, hat nur am Rand mit unserm Betrieb zu tun.» Hartmann hat Hochsaison («Bis Mitte Juni wassern wir wie blöd»), doch der Chef findet tatsächlich Zeit. Freudig überrascht über die Nachfrage, winkt er aber ab: Das U-Boot sei in der Schweiz, längere Geschichte, «nicht alles zum Schreiben, gell». Dann erzählt der weissbärtige Seebär, der in Hard als «Allroundgenie Karle» geschätzt wird, vom Verbleib des Gefährts. Wehmut schwingt mit, Erinnerungen an Hunderte Tauchfahrten, mehrfach auch an die tiefste Stelle des Bodensees, 254 Meter unter Wasser. Doch der Ausfall der Crew, die berufs- oder krankheitshalber aufgeben musste, und sein Alter (nun 77) verlangten den Verkauf. Es gab Interessenten, nicht nur seriöse: Berufstaucher, die in Bolivien angeblich einen Maya-Schatz gefunden hatten und verschwanden, oder solche mit viel Mumm, aber «halt auch vier Kinder von drei Frauen und keinen Rappen im Sack». Prächtiges Seemannsgarn. Etliche Wirrungen, Probetauchfahrten, Sitzungen, Teilzerlegungen und kostspielige Renovationen später geht das Boot in die Schweiz, an den Berufstaucher Noldi Britschgi, ein Fotoposter im Büro bezeugt den Transport: Hartmann strahlt unterm Hafenkran, das Boot neu beschriftet als «Noldini Submarine Service».

Im Frühling 2015 ein kurioses Wiedersehen: Hartmann, als Feuerwehrauto-Oldtimer-Fan (Hard verdankt ihm seine Sammlung) an der Oldtimer-Messe in Luzern, staunt im Verkehrshaus über sein U-Boot neben der legendären «Auguste Piccard» in der Ausstellung «Wasser bewegt». Er besucht inkognito eine Führung, doch sein Boot kommt nicht vor, niemand weiss etwas. Das Rätseln hat ein Ende, als das Boot noch im selben Jahr an den Tauchunternehmer Franz Hattan und seine Firma Professional Diving Service geht. Nun liegt Hartmanns U-Boot also in Hergiswil: Britschgi habe es verkauft, weil er «wohl den Aufwand überschätzt habe», sagt Hattan. Das Boot sei von einem Spezialisten revidiert worden und bereit zum Einsatz: als Passagierschiff und für kommerzielle technische Fahrten, einige sollen bald stattfinden. Nebst dem Navigator finden drei Personen Platz. Auf Hattans Website belegen hübsche Bilder, dass das Licht verbessert wurde, ein Vorteil im trüben Gewässer. Und er bietet «Hochzeitsfahrten» an – für 200 Franken pro Person und Stunde. Warum nicht – Karl Hartmann schmunzelt. Ihn interessiert vielmehr, ob die neuen Laptops seine angeblich «steinzeitliche EDV» ernsthaft ersetzen konnten. Am besten lässt er sich eine Geburtstagsfahrt schenken.

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