Wie Bernadette Böni Apfelkönigin wird

Jo gell», sagt Papa zu seinen zwei Kleinen, «ez gömmer go Chüeli aaluege. Geisse aluege. Fraue aaluege.» Die Wega breitet sich in Weinfelden aus, eine neue Apfelkönigin wird gewählt, und man kann «go Fraue aaluege». Die Nachmittagssonne scheint auf die Menschenmenge herab.

Daniela Huber
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Die neue Apfelkönigin. (Bild: Reto Martin)

Die neue Apfelkönigin. (Bild: Reto Martin)

Jo gell», sagt Papa zu seinen zwei Kleinen, «ez gömmer go Chüeli aaluege. Geisse aluege. Fraue aaluege.» Die Wega breitet sich in Weinfelden aus, eine neue Apfelkönigin wird gewählt, und man kann «go Fraue aaluege». Die Nachmittagssonne scheint auf die Menschenmenge herab. Es riecht abwechselnd nach Gebäck, Bratwurst und Frittieröl.

Auf der TKB-Bühne steht der Thurgauer Moderator Reto Scherrer mit der amtierenden Apfelkönigin Monika Ausderau und sorgt für gute Stimmung. Acht junge Damen präsentieren sich im Halbkreis, alle gut zum Anschauen, alle mit einem Lächeln im Gesicht und alle wollen sie gerne die neue Apfelkönigin werden.

Ganz schön kess

Papa ist Obstbauer. Das tönt schon einmal gut. Bei Anja ist der Papa Most-Bauer, nicht Obst-Bauer, soviel soll gesagt sein. Reto Scherrer soll das bloss richtig verstehen, ob er denn nicht wisse, wie der feine Thurgauer Most gemacht werde? Nicht nur hübsch, sondern auch ganz frech wird hier um das Krönchen gekämpft.

Im Publikum schaukeln Plakate, Ballone und Fähnchen im Wind. «Hopp Jasmin», «Ursi» und «Anja» steht da geschrieben. Jasmin möchte einmal ihren «Schatz heiraten» und Bäuerin sein. Ein Apfel rollt an der Bühne vorbei und ein kleiner Bub rennt ihm hinterher. Nicht nur die Mädchen sind heute verrückt nach den Äpfeln. Corinne hat ein Pferd und kann nicht «nei sege». Reto Scherrer findet das sehr sympathisch, man lebe ja nur einmal.

Die Freundinnen sind nervös

Das Publikum beisst in Brezel oder Chnoblibrot, bestaunt die glänzenden Haare der Mädchen und steht dicht gedrängt um die Bühne neben dem Gasthaus zum Trauben. Farbige Kindersocken stecken in bunten Sandalen, Designertaschen stehen auf dem Boden und ein kleiner Hund legt den Kopf auf den Asphalt. Es wird spannend, die Kinder mit den farbigen Socken setzen sich, und die Freundinnen im Publikum kauen nervös auf den lackierten Fingernägeln.

Die Spannung steigt

Als das Couvert mit dem Namen der Siegerin endlich da ist, sieht es sich der Moderator an, wedelt aber erst noch so lange damit in der Luft herum, bis die armen Freundinnen ganz besorgt blicken. Dann endlich ists draussen: Bernadette Böni aus Rothenhausen hat gewonnen. Die 20-Jährige ist gerührt, sie schreit und hält sich beide Hände an die Wangen. Sie blinzelt ins Scheinwerferlicht und bekommt ganz feuchte Augen.

Auf die Frage, warum sie denn gewinnen sollte, hatte Bernadette Böni vor der grossen Entscheidung eine ganze Weile nachgedacht. Dann aber verkündete sie laut und deutlich ihre Liebe zum Thurgau. Sie sprach von der «Pracht vo de Öpfel» und sagte warmherzig: «I han de Thurgau gern».

Alles wird gut in Weinfelden

Und wie sich herausstellt, hat der Thurgau auch Bernadette Böni gern. Die Menschenmenge löst sich langsam auf, man ist fertig mit «Fraue aaluege», jetzt ist Zeit für Bier und Bratwurst. Die Fähnchen und Plakate werden in den Designertaschen verstaut. Aus den Lautsprechern dröhnt «Tonight's gonna be a good night» von den Black Eyed Peas, und daran zweifelt gerade niemand. Diese Nacht wird eine gute Nacht, vor allem für Bernadette Böni, die neue Apfelkönigin, aber auch für die ganze Stadt Weinfelden.