«Wichtig für den Wirtschaftsstandort»

Die Erweiterung der Universität St. Gallen ist für deren Rektor Thomas Bieger auch eine Investition in den Bildungs- und Wirtschaftsstandort St. Gallen. Die HSG biete den Studierenden schliesslich eine Ausbildung auf Weltklasseniveau an.

Richard Clavadetscher
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Herr Bieger, warum braucht die Universität St. Gallen Ihrer Meinung nach eine bauliche Erweiterung?

Thomas Bieger: Die Zahl der Studierenden hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Gründe dafür sind vor allem demographischer Art: Die Kinder der Babyboomer-Generation sind jetzt im studierfähigen Alter. Zudem gibt es in vielen Kantonen einen höheren Maturandenanteil. Und schliesslich hat auch die Bologna-Reform dazu geführt, dass es mehr Studierende gibt. Dies weil das Studium leicht länger dauert und es mehr Austausch gibt. All dies führte zur Raumknappheit, wie wir sie heute haben.

Fast alle Universitäten haben Platznot und haben deshalb Provisorien und zugemietete Räume. Warum genügt dies in St. Gallen nicht auch?

Bieger: Die Provisorien, die wir heute vor allem für die Lehre brauchen, eignen sich einigermassen für ihren Zweck – aber es sind eben Provisorien: mit provisorischen Baubewilligungen, technisch nicht für einen Dauerzustand ausgelegt.

Wo ist die Raumnot denn besonders gross?

Bieger: Die Universität St. Gallen hat das akute Problem, dass sie zu wenig Raum hat für Studentenarbeitsplätze im Bereich Bibliothek. Für eine Universität, die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Recht und internationale Beziehungen lehrt, haben Studentenarbeitsplätze etwa dieselbe Bedeutung wie die Laboratorien an einer technischen Universität.

Sie sprechen von künftig bis zu 9000 Studierenden. Könnte man nicht einen anderen Weg gehen – und zum Beispiel bei einer tieferen Zahl der Studierenden einfach abregeln? Damit behielte oder bekäme die HSG doch den Status der exklusiven Universität?

Bieger: Wir können nicht abregeln. Wir müssen alle Interessenten mit Schweizer Maturität aufnehmen. Im Vergleich zu anderen Universitäten selektieren wir im ersten Studienjahr heute schon streng. Und bei den ausländischen Studierenden haben wir seit den Sechzigerjahren eine Regulierung: Deren Quote darf 25 Prozent aller Studierenden nicht übersteigen.

Nun ist die Rede von zwei Standorten, einem zweiten unten in der Stadt. Ist es für den Rektor nicht mühsam, eine Universität mit zwei Standorten zu führen?

Bieger: Zwei Standorte bedeuten in der Tat den einen oder anderen kleinen Mehraufwand. Aber es ist eine einmalige Chance für die Universität: Sie hat so genügend Raum – und vor allem auch hat sie auf dem Rosenberg Raumreserven für die nächste Generation bewahrt. Dies für allfällige Expansionen, die dannzumal notwendig sein werden. Ich sehe zudem noch einen weiteren Pluspunkt: Mit dem Standort in der Stadt ist die Universität als öffentlicher Raum noch leichter zugänglich für die Bevölkerung.

Bauen kostet Geld. Was hat die Stadt, was hat der Kanton St. Gallen von dieser Investition?

Bieger: Eine Universität ist eine Forschungs- und vor allem Bildungsinstitution. Der Nutzen für Stadt und Kanton, aber auch für die ganze Schweiz ist, dass die Universität St. Gallen den Studierenden eine Ausbildung auf Weltklasseniveau bietet. Das ist für die Region als Wirtschaftsstandort, aber auch für die gesellschaftliche Entwicklung von Bedeutung. Zudem ist die HSG inzwischen auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Region. Schon 2010, also bei einer wesentlich geringeren Studierendenzahl, hat die HSG 200 Millionen Franken pro Jahr zum Volkseinkommen beigetragen.

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