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WETTBEWERB: Schön, schöner, Schwellbrunn

Die Ausserrhoder Gemeinde Schwellbrunn ist kein typischer Touristenmagnet. Und doch wird das Dorf jetzt zu den zwölf schönsten der Schweiz gezählt. Die Ausserrhoder hoffen, die Abstimmung zu gewinnen.
Julia Nehmiz
Im Jahr 1268 gegründet und seitdem eine fantastische Aussicht: Mit 966 Meter über Meer ist Schwellbrunn die höchstgelegene Gemeinde in Appenzell Ausserrhoden. (Bild: Roger Fuchs)

Im Jahr 1268 gegründet und seitdem eine fantastische Aussicht: Mit 966 Meter über Meer ist Schwellbrunn die höchstgelegene Gemeinde in Appenzell Ausserrhoden. (Bild: Roger Fuchs)

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@ostschweiz-am-sonntag.ch

Stefan Lüchinger hat sich eine Kartonschachtel unter den Arm geklemmt. «Hoi, Rita, hast du schon abgestimmt?», begrüsst er eine Frau, zückt eine Postkarte aus der Schachtel und streckt sie ihr entgegen. Doch Rita kann die Postkarte nicht annehmen – sie dürfe ja nicht ein zweites Mal wählen.

Am Dorffest dreht sich vieles um den Wettbewerb. Schwellbrunn hofft, zum schönsten Dorf der Schweiz gewählt zu werden. Gemeinderat Lüchinger weiss auch, warum das klappen könnte. «Die Lage, die Aussicht, die Ruhe» – das mache Schwellbrunn einzigartig. Ja, Lage und Aussicht sind wirklich schön. Langgestreckt auf einer Krete überblickt der historische Kern des Dorfes die grünen Appenzeller Hügel. Von manchen Orten im Dorf hat man einen Rundumblick, vom Bodensee bis zum Säntis, «bei klarer Sicht sogar bis zu den Mythen», sagt Lüchinger. Er flaniert die Dorfstrasse entlang, von Festzelt zu Festzelt, und bringt die Abstimmungspostkarten unters Volk.

Die Gemeinde ist stolz, es in dem von der «Schweizer Illustrierten» und SRF ausgerufenen Wettbewerb so weit gebracht zu haben. «Ein Sieg wäre für unser Dorf toll», sagt Gemeindepräsident Hansueli Reutegger, gebürtiger und überzeugter Schwellbrunner. Ein kleiner Aufschwung im Tourismus wäre nicht schlecht. Reutegger zählt die touristischen Highlights auf, den Kulturweg, den Rätselweg, und überhaupt die vielen Wanderwege.

In Herisau gibt es Alkohol und Drogen

Schwellbrunn hat es schon einmal zu einer gewissen nationalen Prominenz gebracht. Nach der vierteiligen Sendung «SRF bi de Lüt» stiegen die Besucherzahlen markant an. Plötzlich wollten auch auswärtige Standbetreiber ihre Ware auf dem eintägigen Schwellbrunner Weihnachtsmarkt verkaufen. Die Gemeinde muss bis heute vielen absagen. «Mehr als 50 Stände haben nicht Platz», sagt Stefan Lüchinger.

In der Ausschreibung zum schönsten Dorf wird Schwellbrunn angepriesen als eine Gemeinde, in der Brauchtum und Tradition wie Viehschau oder Silvesterchlausen noch gelebt werden. Im Dorf mit seinen gut 1500 Einwohnern spielt die Landwirtschaft eine grosse Rolle. «Wir sind ein gesundes Dorf», sagt Reutegger. Er ist stolz, dass sie noch einen eigenen Metzger, Käser, Bäcker und Dorfladen haben. Die Poststelle wurde schon vor vielen Jahren geschlossen, anstatt einer Bankfiliale gibt es einen Bancomaten. Noch kaufen die Dorfbewohner auch im Dorf ein. Es gelang, eine Nachfolge für den Dorfladen zu finden. Nun kämpft man darum, die Oberstufe im Dorf zu behalten. Der Kanton hegt Pläne, die kleinen Oberstufen zu grossen Regional-Oberstufen zusammenzulegen. Das kommt bei den Schwellbrunnern nicht gut an. «Ich will nicht, dass meine Kinder nach Herisau in die Oberstufe müssen», sagt eine junge Mutter. Dort kämen sie vielleicht mit Alkohol und Drogen in Kontakt. «Mir wäre lieber, die Kinder könnten ihre Schulzeit behütet im Dorf verbringen.»

Noch etwas gibt im Dorf ­ zu reden: die geplante Überbauung, als «Millionärshügel» beschimpft. Einsprachen lassen die Pläne im Moment stocken. Schwellbrunn will wachsen, «moderat, um ein bis zwei Prozent pro Jahr», wie Reutegger sagt. Wie in vielen Dörfern fehlt es an Wohnraum. «Und an Kinderbetreuung», wie eine Mutter am Dorffest anmerkt. Den Mittagstisch für Schulkinder gibt es nur dienstags.

Doch alle Befragten sind sich einig: Schwellbrunn sei wirklich schön und man habe es gut miteinander. Die Schwellbrunner finden ihr Dorf eh das schönste. Der Titel würde das auch der Restschweiz beweisen.

Hinweis

Die Abstimmung zum schönsten Dorf der Schweiz läuft bis 24.8. www.dasschoenstedorf.ch

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