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Werdenberger Schloss-Festspiele: Vor zwei Jahren vor dem Aus, nun vor Erfolg

Vor zwei Jahren fehlten der Genossenschaft Werdenberger Schloss-Festspiele Sponsoren und ein Spielort. Das bittere Ende wurde im letzten Moment abgewendet, und so feiert am 2. August «La Traviata» Premiere.
Heini Schwendener

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die Festspielbühne in Buchs vor der einzigartigen Kulisse mit Werdenbergersee, Städtchen und Schloss. Früher wurde im Schlosshof gespielt. (Bilder: Michel Canonica)

Die Festspielbühne in Buchs vor der einzigartigen Kulisse mit Werdenbergersee, Städtchen und Schloss. Früher wurde im Schlosshof gespielt. (Bilder: Michel Canonica)

Frenetisch bejubelte das Publikum 1985 die komische Oper «Der Wildschütz» – die erste Produktion der Werdenberger Schloss-Festspiele. In den kommenden drei Jahrzehnten bis 2015 folgten im Zwei- oder Dreijahresturnus weitere Produktionen, darunter etwa «Die Zauberflöte», «Carmen», «Tosca» oder «Fidelio».

Nachdem 2015 der Vorhang der Opernbühne am Fuss der mächtigen Schlossmauer zum letzten Mal fiel, hielten die Ovationen des Publikums noch lange an. «Die verkaufte Braut» als zwölfte Produktion war danach Geschichte. Ähnliches drohte auch den Werdenberger Schloss-Festspielen, denn am Horizont brauten sich dunkle Wolken zusammen.

Diese entluden sich im ­Frühjahr 2016 beinahe in einem verheerenden Gewitter. Der Verwaltungsrat der Genossenschaft Werdenberger Schloss-Festspiele sah keinen anderen Ausweg, als den Mitgliedern die Auflösung vorzuschlagen. Was war ­geschehen?

Improvisation und Leidensbereitschaft

Die vordergründig erfolgreiche 30-jährige Geschichte war nur möglich, weil sich die Verantwortlichen und Akteure der Produktionen all die Jahre sehr engagiert und viel Herzblut investiert hatten. So schön die Aufführungen im Schlosshof waren, so schwierig waren die Umstände. Der Schlosshof ist nicht nur schwer erreichbar, sondern auch schwierig zu bespielen: Infrastruktur bezüglich Verpflegung, sanitärer Anlagen und Sicherheit fehlt. Bauliche Abhilfe konnte in all den Jahren nicht geschaffen werden. So verursachten die Produktionen hohe Ausgaben und verlangten den Akteuren sowie dem Publikum viel Improvisation und Leidensbereitschaft ab.

Die Zusammenarbeit zwischen der Genossenschaft und den Verantwortlichen des Schlosses lief auch nicht optimal. Der Kanton hatte zwischenzeitlich aus seinem Objekt ein bespieltes Schloss gemacht. So kamen sich die «Schlossherren» mit ihrer Schlossmediale samt Rahmenprogramm und die Schloss-Festspiele in die Quere.

Gänzlich befeuert haben den Antrag zur Auflösung der Genossenschaft folgende Umstände: Der bisherige Hauptsponsor stieg aus, und es wurde erstmals ein Sicherheitskonzept erstellt. Dessen Erkenntnisse waren für den Verwaltungsratspräsidenten, Kantonsrat Beat Tinner, ernüchternd: «Ich würde nicht nochmals eine Aufführung verantworten, welche nicht die heutigen Sicherheitsanforderungen erfüllt.»

Selbst Alt Regierungsrat Hans Rohrer aus Buchs, der einst die Genossenschaft präsidierte, sagte: «Ich bin Realist und werde dem Antrag des Verwaltungsrates zur Auflösung der Genossenschaft zustimmen.»

All dieser realistischen Einschätzungen zum Trotz formierte sich kurz vor der Generalversammlung (GV) Widerstand, losgetreten durch einen Leserbrief des Filmemachers und Autors Kuno Bont. Schnell nahm die vor allem emotional argumentierende Opposition Fahrt auf. Am 8. März 2016 wurde die Genossenschaft dank 34 zu 12 Stimmen nicht beerdigt, sondern am Leben erhalten und darüber hinaus ein vollständiger Neuanfang beschlossen.

Am kommenden Mittwoch, rund zwei Jahre nach jener denkwürdigen GV, feiert Verdis Oper «La Traviata» bei den Werdenberger Schloss-Festspielen Premiere.

Vom Totenbett umgehend zurück auf die Erfolgsspur

Alles deutet auf ein grossartiges Ereignis hin. Denn Kuno Bont hat die Fäden als Regisseur und Direktor der Schloss-Festspiele gleich selbst in die Hand genommen. Was der Tausendsassa der regionalen Kultur bisher angepackt hat, wurde ein Publikumserfolg. 90 Prozent der «Traviata»-Tickets sind verkauft.

Die markanteste Neuerung ist der Festspielort. Statt vor den dicken Schlossmauern steht die Bühne nun am Werdenbergersee. Er bildet zusammen mit dem Städtchen und dem Schloss eine einzigartig schöne Kulisse hinter der Kulisse der Opernbühne.

Mit dem neuen Spielort sind die vielen Einschränkungen des Schlosshofs Geschichte, was sich positive auf die Finanzen auswirkt. In einem grossartigen Kraftakt wurden die notwendigen Sponsoren akquiriert und die öffentliche Hand in die Pflicht genommen – das Budget beläuft sich immerhin auf 800000 Franken. Ausserdem haben Kuno Bont und die Führungscrew es verstanden, im rund 200-köpfigen «Traviata»-Team das innere Feuer zu entfachen. Der Grundstein für den Erfolg ist gelegt.

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