Pfarrerwahlen in Wartau an der Urne: Die beiden Kandidaten sind in der Kirchgemeinde schon bekannt; seit über einem Jahr haben sie Teilzeitpensen

Die Kirchenvorsteherschaft der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde empfiehlt Marcel Cavallo und Christian Hörler zur Wahl. Abgestimmt wird auch über die Jahresrechnung 2019 und das Budget 2020.

Thomas Schwizer
Drucken
Teilen
Die Mitglieder der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau können am 14. Juni zwei Pfarrpersonen wählen.

Die Mitglieder der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau können am 14. Juni zwei Pfarrpersonen wählen.

Bild: Heini Schwendener

Neben Jahresrechnung und Budget ist an der Urnenabstimmung der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau am 14. Juni auch über die Wahl von zwei Pfarrpersonen zu entscheiden.

Die Kirchenvorsteherschaft empfiehlt, auch aufgrund einer Empfehlung der Pfarrwahlkommission, Marcel Cavallo und Christian Hörler zur Wahl.

Marcel Cavallo arbeitet mit Kindern und Jugendlichen

Marcel Cavallo.

Marcel Cavallo.

Bild: PD

Marcel Cavallo arbeitet seit Januar 2019 mit zunehmendem Pensum in der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau, wie den Ausführungen der Kirchenvorsteherschaft zu entnehmen ist. Zunächst war er für das Alterssegment Erwachsene und Senioren zuständig. Heute kümmert er sich gemeinsam mit der Jugendarbeiterin Lisa Lohner um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dazu gehört neben Religionsunterricht auf der Mittelstufe auch die Betreuung der Konfirmanden inklusive Konfirmation. Marcel Cavallo leitet ausserdem die Musikkommission.

Cavallo ist als Sohn eines italienischen Baptisten und einer Schweizer Reformierten zweisprachig in Turin aufgewachsen. Er studierte Theologie in Zürich und Rom. Nach einer fünfjährigen Ausbildung zum Thema «Kirche in der Stadt» leitete er als Pfarrer in der Matthäuskirche in der Altstadt Luzern, in der Lutherisch-reformierten Kirche in Mailand und im Offenen St.Jakob in Zürich grössere Projekte. 2014 wurde er von der Landeskirche des Kantons Zürich berufen.

Er baute im Provisorium des Zentrums Juch für beschleunigte Asylverfahren eine Seelsorgestelle auf und betreute Flüchtlinge. Den Schwerpunkt bildete dabei die Seelsorge, wie Cavallo in seiner Vorstellung schreibt. Vor einem Jahr sei er im Wartau angekommen und fühle sich hier schon zu Hause. Zusammen mit den Freiwilligen und den Mitarbeitenden sei schon einiges erreicht worden, stellt er fest.

Christian Hörler arbeitet mit Erwachsenen und Senioren

Christian Hörler.

Christian Hörler.

Bild: Marina Hasler Fotodesinstudio

Christian Hörler ist im März 2019 mit einem Pensum von 20 Prozent in der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau gestartet. Wenn er am 14. Juni als Pfarrperson gewählt wird, möchte er wieder hauptberuflich als Gemeindepfarrer tätig sein. Er betreut aktuell schwerpunktmässig das Alterssegment Erwachsene und Senioren. Dies umfasst unter anderem die Andachten im Betagtenheim, den Seniorenausflug und die Koordination des Besuchsdienstes, wie die Kirchenvorsteherschaft ausführt.

Christian Hörler ist Jahrgang 1962 und in Speicher (Appenzell Ausserrhoden) aufgewachsen. Er studierte nach einer Lehre als Radio- und Fernsehtechniker Theologie in Basel und wurde 1992 in Berneck ordiniert. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Früher Spitalseelsorger

1996 trat Hörler seine erste Pfarrstelle im Sarganserland an. 2006 übernahm er am Regionalspital Walenstadt die neu geschaffene Stelle als Spitalseelsorger und reduzierte die Arbeit in der Kirchgemeinde. Ein Jahr später wandte er sich ganz der Seelsorge zu. Neben dem Spital betreut er seither die Rehabilitationskliniken Walenstadtberg und Valens. Er leistete zudem zahlreiche Einsätze als Notfallseelsorger im St. Galler Care Team PEH und leitete die letzten sieben Jahre das Team Rheintal. Daneben ist er im Vorstand des Hospizvereins Sarganserland.

Kirchenvorsteherschaft: «Als Pfarrteam gefunden»

Die Kirchenvorsteherschaft schreibt in ihrer Wahlempfehlung:

«Marcel Cavallo und Christian Hörler sind zwei Persönlichkeiten, die zusammen das breite Spektrum an seelsorgerischen Bedürfnissen abdecken können und sich als Pfarrteam gefunden haben.»

Die Aufteilung der Aufgabenschwerpunkte nach Alterssegmenten erlaube beiden maximale Gestaltungsfreiheit im gewählten Arbeitsbereich.

Pfarrwahlkommission: «Suche war schwierig»

Die Pfarrwahlkommission habe an sieben Sitzungen insgesamt 17 eingegangene Dossier geprüft, wie sie selbst feststellt. Die Suche nach valablen Pfarrpersonen, so wird Kommissionspräsident Thomas Zürcher zitiert, habe sich als äussert schwierig gestaltet – «insbesondere aufgrund des ausgetrockneten Stellenmarktes und vermutlich auch aufgrund der schlagzeilenträchtigen Ereignisse der letzten Jahre in dieser Kirchgemeinde».

Damit spricht er sicher auch die Kirchbürgerversammlung 2019 an, welche vor allem auch der «Chropfleerete» diente – speziell in Zusammenhang mit der Nichtwahl des damaligen Pfarrehepaars.

«In der Arbeit erlebt und Wirkung wahrgenommen»

Auch die beiden Pfarrstellvertreter Marcel Cavallo und Christian Hörler hätten sich auf die offenen Pfarrstellen beworben, führt die Kommission aus. Bei ihnen habe die Pfarrwahlkommission die Möglichkeit gehabt, «sie in ihrer täglichen Arbeit zu erleben und ihre Wirkung auf die Kirchbürger und die Jugendlichen wahrzunehmen». Anfang Juni habe mit beiden Bewerbern ein separates Bewerbungsgespräch stattgefunden. Danach empfahl die Kommission der Kirchenvorsteherschaft, der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau die Pfarrer Marcel Cavallo und Christian Hörler zur Wahl vorzuschlagen.

Neben diesem Wahlgeschäft stimmen die Kirchbürger auch über die Jahresrechnung 2019 und das Budget 2020 ab. Der Steuerfuss für die Ausgleichsgemeinde wurde von der Kantonalkirche St.Gallen wieder auf 28 Prozent festgelegt.

Hinweis
Urnenabstimmung Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Wartau: Sonntag, 14. Juni 2020

Interview

«Anstrengungen zur Versöhnung blieben bisher erfolglos»

Erstmals nimmt Martin Graf, Präsident der Kirchenvorsteherschaft (Kivo) der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau, gegenüber dem Werdenberger & Obertoggenburger ausführlich Stellung zu brennenden Fragen rund um die Nicht-Wahl des Pfarrehepaars Petra und Dirk Lehner.
Interview: Adi Lippuner