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Zwei Firmen von Paul Schlegel sind in Konkurs

Die politische Karriere von Paul Schlegel war 2015 wegen seiner lausigen Zahlungsmoral jäh zu Ende. Nun steht er als Unternehmer vor dem Ruin. Über zwei seiner Unternehmen wurde der Konkurs eröffnet.
Marcel Elsener
Damals schien die Geschäftswelt der Unternehmensgruppe von aussen betrachtet noch in Ordnung: Im Jahr 2015 sind die verschiedenen Unternehmen der Schlegel Group an die Schulhausstrasse in Buchs gezogen. )Bild: Corinne Hanselmann, 1. 12. 2015)

Damals schien die Geschäftswelt der Unternehmensgruppe von aussen betrachtet noch in Ordnung: Im Jahr 2015 sind die verschiedenen Unternehmen der Schlegel Group an die Schulhausstrasse in Buchs gezogen. )Bild: Corinne Hanselmann, 1. 12. 2015)

Wie lange noch? Das war im Fall des Grabser Unternehmers und FDP-Politikers Paul Schlegel seit drei Jahren die zentrale Frage. Wie lange würden die Dutzenden Gläubiger seiner Firmen die ständigen Rechnungsausstände hinnehmen, wie lange würden sich Kunden, Angestellte und vor allem Vorsorgestiftungen vertrösten lassen?

Nach der gelben die rote Karte

Trotz seiner reumütigen Beteuerungen vermochte Schlegel das Steuer nicht herumzureissen und die Liste der Betreibungen, Pfändungen und Konkursandrohungen blieb stets lang. Vor einem Jahr (Ausgabe vom 30.9.2017) platzte deshalb mehreren früheren Angestellten und Partnern der Kragen: «Nach der gelben Karte von 2015 ist nun die rote Karte fällig», meinten sie. «Es darf nicht sein, dass er wieder davon kommt.»

Nun ist, um im Bild zu bleiben, diese rote Karte gezückt worden: Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat über zwei Firmen Paul Schlegels, nämlich die Alvetia Rechts- und Unternehmungsberatungs Gmbh und die ABA Brokers Gmbh, am 27. August respektive am 12. September den Konkurs eröffnet. Dies bestätigt Roger Bernegger vom Konkursamt Buchs. Abgewickelt werden die beiden Konkursverfahren allerdings am Hauptsitz in St. Gallen. In der Region kursierende Informationen, wonach auch das Immobilienhandelsgeschäft Schlegels, sprich die Firma Swissimmopool, von einem Konkursverfahren betroffen ist, sind bislang nicht bestätigt worden.

Wer sind die grossen Schuldner?

Welcher Gläubiger den Konkurs gefordert hat, geben die Konkursbeamten nicht preis. Jedoch spricht einiges dafür, dass es die AXA Stiftung Berufliche Vorsorge war, die allein bei der Versicherungsvermittlungsfirma ABA Brokers per Ende Juni dieses Jahres Rechnungen von über 100000 Franken ausstehend hatte. Die AXA gibt sich in Sachen Schlegel und ABA Brokers bedeckt: Man gebe «aus Datenschutzgründen generell keine Auskunft zu Kundenbeziehungen», heisst es auf Anfrage in Winterthur. «Darüber hinaus können wir auch aufgrund des laufenden Verfahrens keine Angaben machen.»

Das gleiche gilt für die Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. Gallen, die zwar generelle Auskünfte über das Inkassoverfahren bei geschuldeten Sozialversicherungsbeiträgen gibt (Mahnung, Betreibung, Pfändung), aber sich «zu konkreten Kunden nicht äussern kann».

Ex-Geschäftsführer warnt vor «neuer Betrugsmasche»

Paul Schlegel, der gestern Fragen unserer Zeitung unbeantwortet liess, versucht offensichtlich Teile seines Geschäfts zu retten. Anders ist nicht zu erklären, dass er seine Mutterfirma, die Schlegel Group AG, am 31. August in Conetta AG umbenannt hat. In einem Schreiben an alle Kunden, datiert vom 6. September, teilt er mit, dass nun die Conetta die Policen betreue. Gleichzeitig fordert er zur Unterzeichnung einer Mandatsänderung auf, die «aus rechtlichen Gründen notwendig» sei.

«Achtung, neue Betrugsmasche von Paul Schlegel», warnt René Wildhaber in einem Leserbrief an den W&O. Der Versicherungstreuhänder, als ehemaliger stellvertretender Geschäftsführer der ABA Brokers bis zu seiner Kündigung 2016 mit den Geschäftspraktiken Schlegels vertraut, spricht von «krimineller Energie» und erwägt eine Strafanzeige gegen den ehemaligen Kantonsrat und Nationalratskandidaten.

Nicht nur würden die Gläubiger der beiden konkursiten Firmen «wohl ihre offenen Forderungen ans Bein streichen» müssen, meint Wildhaber. Vielmehr sei der «Gipfel», dass Schlegel einfach seine Gruppe umbenenne und neu starte. Und «sogar so weit geht, dass er ehemaligen Kunden, die ihr Mandat gekündigt haben und nun über seriöse Broker betreut werden, anschreibt».

Ein Vollverlust würde auch den Staat Geld kosten

Wildhaber warnt vor diesen «Machenschaften» und folgert: «Es ist erstaunlich, mit wie viel Arglist Schlegel erneut versucht, Leute über den Tisch zu ziehen. Ein solcher Mensch gehört hinter Schloss und Riegel.»

Das Konkursamt St. Gallen hat von den Mandatsänderungen noch keine Kenntnis. Doch wenn es Hinweise gebe, dass ein Schuldner vor dem Konkurs Aktiven verschieben wolle, werde man entsprechende Schritte unternehmen, sagt der Konkursbeamte Arthur Kollegger. Gefragt wäre dann eine Pauliana, was keine Anspielung auf Schlegels Vorname ist, sondern gemäss römischen Recht eine – paulianische – Anfechtungsklage: Mit diesem Mittel werden Rechtshandlungen, mit welchen der Schuldner vor seinem Konkurs auf Kosten eines oder mehrerer Gläubiger Vermögenswerte an Dritte übertragen hat, angefochten.

Ob das Konkursverfahren durchgeführt werden kann oder mangels Aktiven eingestellt werden muss, kann das Konkursamt zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Letzteres, ein Vollverlust, würde nicht nur Einzelpersonen und Firmen, sondern im Fall der Sozialversicherungsanstalt auch den Staat Geld kosten.

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