«Zuständige haben beim Thema Berufkraut jahrelang geschlafen», sagt ein Landwirt aus Frümsen

Daniel Tinner, Hirt der Frümsner Tratt, ärgert sich darüber, dass der invasive Neophyt Berufkraut nicht konsequent bekämpft wird.

Corinne Hanselmann
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In tagelanger Arbeit bekämpfen Daniel Tinner und seine Helfer das Berufkraut auf der Frümsner Tratt. (Bilder: Corinne Hanselmann)

In tagelanger Arbeit bekämpfen Daniel Tinner und seine Helfer das Berufkraut auf der Frümsner Tratt. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Die Augen auf den Boden gerichtet geht Daniel Tinner über eine der Frümsner Trattweiden. Immer wieder bückt sich der Landwirt, steckt den Unkrautstecher in den Boden und zieht blühendes Berufkraut samt Wurzel sorgfältig raus.

Der invasive Neophyt ist auf der Frümsner Tratt ein echtes Problem. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden und öffentlichen Organisationen bekämpfe die Ortsgemeinde Frümsen die Problempflanze aber schon seit mehreren Jahren intensiv, betont Daniel Tinner, der als Hirt angestellt ist.

Auf der Frümsner Tratt weidet im Frühling jeweils Jungvieh, bevor dieses auf die Hochalpen fährt. In diesen Tagen werden nun Galtkühe und einige Mutterkühe auf die Weiden getrieben.

Die Pflanzen werden für die Entsorgung gesammelt.

Die Pflanzen werden für die Entsorgung gesammelt.

Alle zwei Wochen dieselben Flächen bearbeiten

Tinner erkennt die Pflanze mit den langen Stängeln und den weissen Blüten, aber auch die grünen Blattrosetten der Jungpflanzen, schon von weitem. Doch das war nicht immer so. «Vor etwa vier Jahren war hier alles weiss. Ich habe die Pflanze noch nicht gekannt und habe sie mit der Motorsense abgemäht», erzählt er. Im Jahr darauf hat er mit Hilfe seiner Familie angefangen, das Einjährige Berufkraut durch Ausreissen zu bekämpfen. Mittlerweile verwendet er ein Stechwerkzeug, weil sonst manchmal die Wurzel abreisst. Diese Handarbeit ist anstrengend und zeitintensiv. «Derzeit sind wir jede Woche ein bis zwei Tage damit beschäftigt», so der Frümsner.

Er versucht, die Flächen alle zwei Wochen vom invasiven Neophyt zu befreien, um das Versamen zu verhindern. Ein Mitarbeiter und ein bis zwei Asylbewerber unterstützen ihn zusätzlich. «Zwei Kipper voll habe ich dieses Jahr schon entsorgt», sagt er. Bezahlt wird der Kampf gegen das Berufkraut von der Ortsgemeinde Frümsen. «Das diesjährige Budget für 200 Stunden Neophytenbekämpfung haben wir jedoch schon bald aufgebraucht.» Tinner ist aber zuversichtlich, dass dieser Zeitrahmen erweitert wird. Man könne jetzt nicht einfach aufhören. Auf Flächen, die Tinners seit mehreren Jahren konsequent vom Berufkraut befreien, sieht der Landwirt eine Besserung.

«Gemeinde soll Stelle zum kostenlosen Entsorgen einrichten»

Doch für nachhaltigen Erfolg wäre eine konsequentere und flächendeckendere Bekämpfung notwendig. Bei einer Fahrt durch Frümsen und Sax zeigt Daniel Tinner in mehrere private Gärten und Wiesen, in denen deutlich sichtbar Berufkraut wächst. «Die Ausbreitung des Berufkrauts könnte schon etwas eingedämmt werden, wenn jeder um sein Haus herum und im Garten die Pflanzen ausreissen würde», so Tinner.

Er ist der Meinung, dass sämtliche Haushalte dringend mit einem Flugblatt auf die häufigsten Problempflanzen aufmerksam gemacht und Private in die Pflicht genommen werden sollten. «Zudem sollte die Gemeinde eine Entsorgungsstelle einrichten, wo man das Berufkraut gratis hinbringen kann. Sonst landen viele Pflanzen im Grüncontainer statt im Kehricht», ist er überzeugt.

Zuständige informieren nur dürftig

Das Berufkraut hat sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet.

«Wenn man es von Anfang an konsequent bekämpft hätte, wäre das gar nicht so schlimm geworden, wie es jetzt ist. Es ist jetzt fünf vor zwölf. Doch die Zuständigen haben jahrelang geschlafen, und erwachen erst langsam aus ihrem Dornröschenschlaf.»

Er meint damit zum Beispiel die politische Gemeinde Sennwald, aber auch das Strassenkreisinspektorat. Vielen Strassen entlang und an öffentlichen Plätzen wuchert das Berufkraut regelrecht vor sich hin. «In vielen Köpfen hat es noch nicht Klick gemacht.» Eine schlechte Note gibt Tinner auch den Zuständigen im Landwirtschaftlichen Zentrum sowie beim Kanton, welche die Problempflanze besser kennen sollten und bislang nur sehr dürftig darüber informierten.

Aus abgefressenen Pflanzen treiben mehrere neue Stängel aus

Besonders gut wächst das Berufkraut auf der Tratt, weil in den Hängen durch die Beweidung Trittschäden und damit offene Stellen entstehen. Zudem wachse das Kraut auch dann, wenn sonst wegen Trockenheit kaum mehr was wächst, schildert Tinner seine Beobachtungen. Vom Vieh werden jedoch nur ganz junge Pflanzen gefressen, obwohl das Berufkraut nicht giftig ist. Aus den abgefressenen Pflanzen treiben anschliessend mehrere neue Stängel aus. Es verdrängt dadurch viele andere Futterpflanzen und nimmt überhand, wenn nichts unternommen wird.

So sehen die Jungpflanzen des Berufkrauts aus.

So sehen die Jungpflanzen des Berufkrauts aus.

Versuch mit Gülle auf befallener Parzelle

Mit chemischen Spritzmitteln darf das Berufkraut bisher nicht bekämpft werden. Daniel Tinner möchte herausfinden, ob der invasive Neophyt durch das Güllen der Flächen zurückgedrängt werden kann. Weil dies auf Extensivwiesen nicht erlaubt ist, testet er es derzeit auf einer Fläche, die er nicht als Extensivwiese angemeldet hat.