Werdenberg

Zivilschutz-Ranger sorgen in Ostschweizer Skigebieten für Recht und Ordnung: Corona verlangte der Organisation 1000 Diensttage und ungewohnte Einsätze ab

Die Zivilschutzorganisation Werdenberg gibt es erst seit Anfang 2019. Im speziellen Jahr 2020 konnte sie ihre Leistungsfähigkeit während rund 1000 Corona-bedingten Diensttagen unter Beweis stellen. Nicht nur auf der Skipiste.

Heini Schwendener
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Männer der Zivilschutzorganisation Werdenberg sind den Skigebieten Wildhaus, Pizol und Flumserberg als Ranger unterwegs.

Männer der Zivilschutzorganisation Werdenberg sind den Skigebieten Wildhaus, Pizol und Flumserberg als Ranger unterwegs.

Bild: ZSO Werdenberg

Corona macht so Vieles neu – auch auf den Skipisten. Seit der Wiedereröffnung der Skigebiete am 31. Dezember fallen in der W&O-Region etwa zwei Skifahrer auf. Sie schwingen sich in ungewohnter Skibekleidung die Hänge hinunter und beobachten an den Drehkreuzen zu den Beförderungsanlagen sowie in den Bahnen die Menschenansammlungen aufmerksam.

Die beiden Männer in Zivilschutzuniform und Leuchtwesten sind im Auftrag des kantonalen Amtes für Militär und Zivilschutz unterwegs. Ihre Aufgabe: Sie beobachten, ob die Abstände, Personenbegrenzungen und alle übrigen geltenden Schutzmassnahmen eingehalten werden. Während die Kantonspolizei die Parkplätze und die Talstationen bis zum Drehkreuz überwachen, sind die Ranger im Skigebiet, wie die Zivilschützer heissen, für das ganze übrige Skigebiet zuständig.

Die beiden Werdenberger Zivilschützer, sogenannte Ranger im Skigebiet, besprechen sich mit einem Angestellten der Pizolbahnen AG.

Die beiden Werdenberger Zivilschützer, sogenannte Ranger im Skigebiet, besprechen sich mit einem Angestellten der Pizolbahnen AG.

Bild: ZSO Werdenberg

Kontrollen in Wildhaus, Pizol und Flumserberg

Im Kanton St.Gallen gibt es zwei Kontrollregionen. Koordinator für die Einsätze der Zivilschützer in der Region 1 (Flumserberg, Pizol, Wildhaus) ist Roland Huber, Kommandant der Zivilschutzorganisation (ZSO) Werdenberg. Er betont:

«Unsere Leute haben die Aufgabe, die Situation zu beobachten. Aber sie intervenieren nicht.»

Wenn sie feststellen, dass die Schutzmassnahmen nicht eingehalten werden oder dass diese Probleme verursachen, wenden sie sich an die Bahnbetreiber und besprechen sich mit ihnen. Roland Huber weiss, dass die Bahnbetriebe gut und eng mit diesen «Kontrolleuren» zusammenarbeiten, «sie schätzen unsere Sicht von aussen, denn sie hilft ihnen, ihre Schutzmassnahmen weiter zu optimieren».

Zusammen mit Bahnangestellten werden wenn nötig Verbesserungsvorschläge besprochen.

Zusammen mit Bahnangestellten werden wenn nötig Verbesserungsvorschläge besprochen.

Bild: ZSO Werdenberg

Würden die Ranger im Skigebiet grobe Fehler oder Lücken in den Schutzmassnahmen gegen Covid-19 feststellen, müssten sie diese rapportieren. Gemäss Huber kam dies aber bisher noch nie vor. Er attestiert den Bahnbetreibern, ihre Hausaufgaben vor der Eröffnung der Skigebiete gut erledigt zu haben.

Im Dezember haben die Zivilschutz-Ranger einen Testlauf gemacht. Seit dem Silvester sind nun täglich zwei Leute in ihrer auffälligen Uniform im Einsatz. Sie melden sich jeweils bei den Bahnbetrieben an und wechseln täglich zwischen den drei Skigebieten. Der Einsatz der Ranger auf den Pisten, bei den Drehkreuzen, an Liften und in den Kabinen dauert vorläufig bis Ende Januar. Schwierig sei es nicht gewesen, Zivilschützer für diese Ranger-Einsätze zu gewinnen, sagt Roland Huber. Allerdings sei der Job bei schlechtem Wetter nicht ganz einfach, zumal im Skigebiet die Restaurantbetriebe ja nicht geöffnet sein dürfen.

Coronaausbruch: ZSO unterstützte die Logistik

Als die Coronapandemie im Frühjahr 2020 auch unser Land erfasste, waren die Dienste der noch jungen Zivilschutzorganisation (ZSO) Werdenberg gefragt, vor allem im logistischen Bereich (der W&O hat mehrmals berichtet). Die Zivilschützer konnten wieder etwas durchatmen, als die erste Welle vorbei war. Die Arbeit ist der ZSO trotzdem nicht ausgegangen. Kommandant Roland Huber erzählt:

«Im Auftrag der Gemeinden führen wir ein Lager mit Schutzmaterial wie Masken und Desinfektionsmittel, ausserdem waren einzelne unserer Leute bei der Infohotline des Kantons im Einsatz.»
Roland Huber, Kommandant der Zivilschutzorganisation Werdenberg-

Roland Huber, Kommandant der Zivilschutzorganisation Werdenberg-

Bild: Heini Schwendener

Einen Vorgeschmack auf die zweite Coronawelle bekam die ZSO Werdenberg indirekt, als nämlich einer ihrer Zivilschützer den bereits stark belasteten Kollegen in Sargans Unterstützung leistete. Dort halfen die Uniformierten in Heimen aus, in denen die ersten Covid-19- Fälle auftraten. Huber sagt:

«Wir waren erstaunt, wie lange es dauerte, bis auch von Werdenberger Betagtenheimen die ersten Hilfegesuche eintrafen.»

Teilweise zweischichtiger Betrieb an sieben Tagen

In der Folge leisten jeweils maximal 16 Zivilschützer vom 4. Dezember bis Weihnachten in Betagtenheimen von Sevelen, Grabs und Buchs Einsätze, «teilweise sogar im Zweischichtbetrieb und während sieben Tagen pro Woche». Der letzte Einsatz in einem Werdenberger Betagtenheim wird wohl demnächst auch beendet.

Die ZSO Werdenberg war 2020 stark gefordert.

Die ZSO Werdenberg war 2020 stark gefordert.

Bild: Heini Schwendener

Die Zivilschützer haben die Belegschaft der Heime überall dort unterstützt, wo sie auch eingesetzt werden konnten. So beispielsweise im Mahlzeitenservice, der wegen der Isolation in den Zimmern stattfand. Oder in der Beschäftigung der Bewohnerinnen und Bewohner. «Für uns waren das teilweise völlig neue Aufgaben, die wir in Absprache mit den Heimleitungen übernommen haben», erzählt Roland Huber. Bei den aufgebotenen Zivilschützern habe es viel Verständnis für einen Einsatz in dieser speziellen Situation gegeben. Schwieriger war es manchmal mit den Arbeitgebern, wofür Huber auch Verständnis hat. Letztlich sei aber immer eine Lösung gefunden worden.

Manchmal brauchte es etwas Überzeugungsarbeit

Einzelne der aufgebotenen Zivilschützer hatten gesundheitliche Bedenken wegen des Dienstes im Umfeld von Covid-19-Patienten. Es habe darum etwas Überzeugungsarbeit gebraucht, sagt Huber. Wenn man den Zivilschützern aber die Schutzkonzepte gut erläutert habe, hätten sie letztlich beruhigt, gut vorbereitet und auch gut geschützt ihren Dienst angetreten. Hilfreich, wertvoll und bereichernd Huber ist froh, dass sich kein Zivilschützer beim Dienst in einem Betagtenheim angesteckt hat, «auf jeden Fall wurde mir nichts solches gemeldet».

Das Echo der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Heimleitungen und deren Belegschaft sei sehr positiv ausgefallen. Auch die Dienstleistenden selber, die unterschiedlich lange im Einsatz waren, zogen eine positive Bilanz. Der Kommandant der ZSO Werdenberg erzählt:

«Unsere Leute haben bei ihren Einsätzen extrem viel zurückbekommen. Das war eine grosse Motivation für sie.»

In der zweiten Coronawelle sind bei der ZSO Werdenberg in der Zeit vom 4. Dezember bis 5. Januar 299 Diensttage angefallen. Zusammen mit dem Grosseinsatz während des nationalen Lockdowns im Frühling haben die Zivilschützer der ZSO Werdenberg bisher rund 1000 Diensttage geleistet.

Im Auftrag der Werdenberger Gemeinden betreibt die Zivilschutzorganisation ein Lager von Schutzmaterial, etwa Masken und Desinfektionsmittel.

Im Auftrag der Werdenberger Gemeinden betreibt die Zivilschutzorganisation ein Lager von Schutzmaterial, etwa Masken und Desinfektionsmittel.

Bild: Heini Schwendener

Corona war für die ZSO bisher eine echte Herausforderung. Der Kommandant ist stolz auf die Arbeit, die seine Leute dabei geleistet haben. Er kommentiert:

«Wir haben gezeigt, welch vielfältige Einsätze wir leisten können und dass wir eine Stütze für die Gesellschaft in besonderen Situationen sind.»