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Zerbrechliches Experiment: Weinbauer Otto Rohner hat eine Kwewri vergraben

Weinbauer Otto Rohner ist einer von ganz wenigen in der Schweiz, der eine spezielles Tongefäss für die Herstellung von Wein besitzt. Die Eingrabung war eine heikle Angelegenheit.
Corinne Hanselmann
Sorgfältig wird das Tongefäss mit dem Bagger zum Loch transportiert.

Sorgfältig wird das Tongefäss mit dem Bagger zum Loch transportiert.

Rund 200 Kilogramm schwer ist das Tongefäss, die sogenannte Kwewri, welches Otto Rohner kürzlich in Sax vergraben hat. Nun gären darin Pinot-Noir-Trauben. Auf das Resultat ist der Weinbauer neugierig, denn die Sache mit der Kwewri ist ein Experiment.

«Die Weine sind sensationell»

Erst vor einigen Wochen haben sich Otto Rohner und seine Frau Küngolt Bietenhard dazu entschlossen, es zu versuchen. Angesteckt haben Otto Rohner österreichische Winzer. «Ich war auf einer Exkursion von Demeter-International im Burgenland», erzählt Rohner, der sein Weingut mit Rebbergen in Sax, Werdenberg, Sevelen, Wartau und Maienfeld biologisch-dynamisch nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. «Dort gibt es einige namhafte Winzer, die in Kwewris Wein herstellen. Auf einem Markt haben wir ‹Orange-Wines› und unfiltrierte, ungeschwefelte Weine probiert, die in Kwewris hergestellt wurden. Die waren sensationell.» Beim «Orange-Wine» handelt es sich um einen Weisswein, der wie Rotwein hergestellt wird – die Weissweintrauben werden also mit den Beerenschalen vergoren, wobei der Wein durch Lufteinwirkung eine orange Farbe annimmt.

«Das möchte ich auch probieren», sagte sich Otto Rohner daraufhin und kam mit dem Walliser Amedée Mathier ins Gespräch, der sogenannten Amphorenwein herstellt. Ansonsten weiss Rohner in der Schweiz niemanden, der diese uralte Tradition aus Georgien und die älteste Form der Weinherstellung weiterführt.

«Der Kontakt zum Mutterboden, der Einfluss der Umgebung, die konstante Temperatur, die Feuchtigkeit und das ideale natürliche Material machen den Wein aus den Kwewris zu etwas Besonderem.»

Rund 3500 Franken kostet eine Kwewri mit 1200 Liter Fassungsvermögen. Hergestellt werden die Gefässe nach traditioneller Handwerkskunst in Georgien mit Ton aus dem Südkaukasus. Schicht um Schicht werden sie aufgebaut. Es gebe nur noch wenige, welche dieses Handwerk beherrschen, sagt Weinbauer Otto Rohner. Tausende von Kilometern wurde seine Kwewri bis in die Schweiz, nach Sax, transportiert. Ein grosser Aufwand für ein Experiment. Dementsprechend angespannt sind Otto Rohner und seine Helfer am Tag des Eingrabens. Telefonisch hat ihm der Lieferant erklärt, worauf er achten muss. Auch für den Baggerführer Anton Dürr ist es eine Premiere: Ein zerbrechliches Tongefäss hat er bisher noch nie versenkt.

Vorsichtig wird die Kwewri mit dem Bagger etwa zwei Meter tief im Boden versenkt. (Bild: Bilder: Corinne Hanselmann)
Auch Tochter Flurina Rohner half mit, das Loch rund um die Kwewri mit Kies und Erde aufzufüllen.
Mittlerweile konnten Trauben eingefüllt werden. (Bild: PD)
Otto Rohner besichtigte seine Kwewri auch von innen. (Bild: PD)
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Zerbrechliches Experiment

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Rund zwei Meter tief ist das vorbereitete Loch im Boden. Otto Rohner entfernt ein paar lose Steine daraus. Er sorgt sich beim Gedanken, dass Steine oder metallene Gegenstände an das zerbrechliche Kwewri prallen. Mit Gurten am Bagger aufgehängt wird die Palette nun von der Strasse bis zum Loch gebracht. Die Metallhaken sind vorsichtshalber mit Tüchern gepolstert. Behutsam kippt der Baggerführer die Fracht, sodass die Kwewri zu liegen kommt, denn sie wurde bis hierhin «kopfüber» transportiert.

Nach dem Auspacken ziehen Rohner und seine Helfer ein Transportnetz über das eiförmige Weingefäss. Damit hebt es der Baggerführer nun an und versenkt es mit Fingerspitzengefühl zentimetergenau im Loch. Mit der Wasserwaage wird die Kwewri ausgerichtet und das Loch schliesslich mit Kies und Erde aufgefüllt. Der schwierigste Teil der «Inbetriebnahme» ist geschafft. «Wenn die Kwewri mal drin ist, sollte eigentlich nichts mehr passieren», ist Otto Rohner vorsichtig optimistisch.

Ob das Experiment gelingt, wird sich erst zeigen

Mit Wasser will er anschliessend testen, ob die Kwewri dicht ist. Sie ist innen mit Bienenwachs ausgestrichen. Anschliessend wird Rohner ganze Trauben einfüllen und das Kwewri bis zum Frühling verschliessen. Am grossen Tag der Öffnung wird der Inhalt dann mit Hilfe von Kesseln und einer Pumpe entnommen und der Wein probiert. «Dann entscheiden wir, ob das Produkt nochmals Lagerzeit braucht», so der Fachmann. Erst dann wird sich zeigen, ob das Experiment gelungen ist und der besondere Amphorenwein bei der Kundschaft ankommt.

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