Figurenspielerin Yvonne Schneider im Fabriggli: «Am Bildschirm ist alles so flach»

Im «Bliib Dahai»-Talk im Fabriggli erzählte Yvonne Schneider aka FunkelDunkel, warum sie Geschichten für Kinder entwickelt.

Christian Imhof
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Die Rheintaler Künstlerin Yvonne Schneider, besser bekannt unter dem Pseudonym FunkelDunkel, sorgte Anfang Mai am «Bliib dahai»-Festival im Fabriggli Buchs für das Kinderprogramm. Nach der Vorstellung, bei der Schneider alle ihre Figuren aus einem Koffer zauberte, nahm sie sich Zeit für ein Gespräch mit Qultur-Verleger Christian Imhof. Dort erzählte sie nicht nur, wie sehr sie die Kleinen vermisst, sondern auch welche kreativen Ideen sie als Kindergärtnerin während der Pandemie umgesetzt hat.

Auf ihren Künstlernamen sei sie gekommen, da es beim Figurentheater immer ein Funkeln im Dunkeln gebe, sagt Yvonne Schneider im «Bliib Dahai»-Talk, welcher nach der Aufführung ihres Stückes «Rothörnli» im Fabriggli gefilmt wurde. Ihre Geschichte habe immer ein wenig etwas von einem Märchen, welches aber in der heutigen Zeit spiele. «Ich mache gerne Geschichten, die für Kinder griffig sind», erklärt Schneider, die rund zwei Jahre in ihrer Freizeit am aktuellen Stück geschrieben hat.

Kinder helfen beim Entwickeln

Auf die Idee gekommen, ein Kinderprogramm zu entwickeln, sei sie durch ihren Beruf als Kindergärtnerin. Sie erzähle gerne Geschichten, sagt Yvonne Schneider. «Ich habe ausserdem bemerkt, dass Kinder, die der Sprache vielleicht noch nicht so mächtig sind, ein Stück besser verstehen, wenn sie wie im Figurentheater noch zusätzlich ein Handeln beobachten können.» Ihr Ziel sei es gewesen, dass jedes Kind ihre Geschichte verstehe. Gleichzeitig seien Kinder für sie auch eine enorme Inspirationsquelle.

«Ich kriege beim Spiel Abläufe oder auch Äusserungen mit, die ich dann sehr gut brauchen kann zum Entwickeln der Geschichte.»

So fliessen Ausdrücke oder Schwierigkeiten, mit welchen sich die Kinder beschäftigen, in ihr Programm ein. Dadurch könne sie ihnen eventuell auch eine Lösung präsentieren, wie beispielsweise beim «Rothörnli», welches sich mutig seinen Ängsten gestellt und diese überwunden habe.

Yvonne Schneider erzählte im Fabriggli die Geschichte vom «Rothörnli».

Yvonne Schneider erzählte im Fabriggli die Geschichte vom «Rothörnli».

Bild: Christian Imhof

Der Austausch fehlt sehr

Für die Coronazeit und die fehlende Interaktion mit den Kindern findet die Kindergärtnerin Yvonne Schneider im Gespräch mit Qultur klare Worte.

«Es ist alles so platt. Alles am Bildschirm ist so flach und zweidimensional.»

Das Zwischenmenschliche fehle ihr doch sehr. Sie finde es zwar toll, wenn die Kinder trotzdem was sehen können. In einem Video Figurentheater oder lebendige Kunst anschauen zu können, sei wichtig in dieser Zeit und sie glaube es komme auch an. Aber im Vergleich zu «live» sei es einfach nicht das Gleiche.

Gemeinsam kreativ aus der Krise

Während der Phase des Homeschoolings habe sie versucht, die Kleinen mit ein wenig Figurentheater zu erheitern. Aus diesem Grund habe sie sich nicht sofort in ihre eigenen Projekte gestürzt. Diese verschiebe sie mal auf die Sommerferien.

Während der Quarantäne habe sie und ihre Kollegen versucht, es möglichst simpel zu halten. Sie hätten Lernvideos mit Figurentheater verbunden. Dabei konnten die Kinder beobachten, wie zwei Figuren etwas gemeinsam auf die Beine stellen und es ihnen gleichtun.

Beispielsweise gab es ein Video, in dem erklärt wurde, wie Pommes frites gemacht werden. Die Kinder fanden dann in ihrem Briefkasten eine Kartoffel vor und konnten so doch noch etwas «gemeinsam» unternehmen.

Wie es der Zufall wollte, habe sie während der Verteiltour auch noch Kinder getroffen, die sie liebevoll und lautstark gegrüsst haben, was schon eine ziemlich wohltuende Angelegenheit gewesen sei.

Etwas für die Kleinen am «Bliib dahai»-Festival

Das produzierte Livevideo von Yvonne Schneider aka FunkelDunkel bringt die Stimmung des Fabrigglis direkt zu den Zuschauern nach Hause. Aus diesem Grund sind am Festival professionelle Ton- und Lichttechniker vor Ort gewesen, die den Kameraleuten die Arbeit erleichtert haben. Bis im Juni gibt es jeweils am Montag und Donnerstag eine Vorführung und einen Talk, welche die Leute noch ein wenig zum Durchhalten motivieren sollen.

Es besteht die Möglichkeit, während der Ausstrahlung des Festivals freiwillig einen Beitrag zu spenden. Dieses Geld wird dann zu gleichen Teilen an die Künstler und Techniker aufgeteilt. Dies soll laut den Organisatoren nicht nur den Ausfall an Gagen dämmen, sondern auch als eine Wertschätzung an alle Kulturschaffenden gesehen werden.