Heimatabend im Fabriggli: Witzig und einfühlsam zugleich

Die Kabarettisten Ospelt, Ospelt und Schädler begeistern mit ihrem «Heimatabend 2.0» im Kleintheater Fabriggli in Buchs.

Hanspeter Thurnherr
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Die ehemalige Beerdigungsband (gespielt von Ingo und Mathias Ospelt sowie Marco Schädler, von links) rauft sich im Altersheim nochmals zu einem Auftritt zusammen.

Die ehemalige Beerdigungsband (gespielt von Ingo und Mathias Ospelt sowie Marco Schädler, von links) rauft sich im Altersheim nochmals zu einem Auftritt zusammen.

Bild: Hanspeter Thurnherr

Mit ihrem Programm «Heimatabend 2.0» ist dem Trio Ospelt, Ospelt und Schädler grosses Kabarett gelungen. Sie haben das Programm aus Anlass ihres 25-jährigen Bühnenjubiläums, das sie 2019 feierten, umgesetzt und nun zum Abschluss im Fabriggli vor vollem Haus nochmals aufgeführt. Das Stück spielt in einem Pflegeheim in Liechtenstein. Die altgewordenen Mitglieder einer Beerdigungskapelle leben hier – und sind heillos verkracht. Aus den einstigen Freunden sind bittere Feinde geworden, die sich fast nichts mehr zu sagen haben und nichts mehr miteinander zu tun haben wollen.

Skandälchen und Skandale aller Art

Warum dies so gekommen ist, was Verschwörungstheorien und Fremdgehen dabei für eine Rolle spielen und wie es dem Heimleiter gelingt, mit Hilfe zweier Pfleger die drei Bandmitglieder doch nochmals zu einem gemeinsamen Auftritt zu bewegen, davon handelt das Stück. Damit ist auch gesagt, dass Ingo und Mathias Ospelt sowie Marco Schädler gekonnt in mehrere Rollen schlüpfen: unter anderem als Bandmitglieder, Heimleiter, Pfleger, Besucher. So erhalten die Zuschauer einen heiteren Einblick in das Heimleben, auch wenn zwischendurch das Lachen schon mal im Halse stecken bleibt. Auch weil die drei Schauspieler nicht einfach Klamauk bieten. Denn in den Dialogen nehmen sie Bezug zu Liechtensteiner Themen: witzig und humorvoll, manchmal tiefsinnig und hintergründig, stets aber träff. Skandälchen und Skandale, politische und gesellschaftliche Ereignisse und Diskussionen im kleinen Land geben dafür reichlich Stoff.

Starker Ausdruck in der Mimik

So bekommen alle ihr Fett ab: die Regierung, die Landesparlamentarier und andere Politiker, die Juristen und Treuhänder, die Beamten der Landesverwaltung, das Fürstenhaus sowieso. Aber auch kinder(nicht)erziehende Eltern, Ausländer, Flüchtlinge, Casinos, Nachbarländer, Religionen garantieren zahlreiche Pointen. Etwa wenn ein Liechtensteiner begründet, warum Flüchtlinge nicht Bier trinken, kein Trinkgeld geben und nicht lachen sollen. Wie dies Ospelt, Ospelt und Schädler machen, ist einfach köstlich anzuhören – und dank ausdrucksstarker Mimik auch mit Vergnügen anzusehen.

Doch es gelingt den drei Kabarettisten immer wieder, das Publikum zum Nachdenken und Nachfühlen zu bewegen. Dies einerseits dank der Lieder, in denen die «Beerdigungsband» die sensiblen Themen Alter, Tod und Abschied nehmen anspricht. Dabei gelingt ihnen der Spagat zwischen ironisch und einfühlsam. Aber auch dadurch, dass sie sich und den Zuschauern in vielen Szenen Zeit geben, in ruhiger Art das Gesehene und Gehörte zu «verdauen». Dazu passt bestens auch der nachdenkliche musikalische Schlusspunkt im Werdenberger Kleintheater Fabriggli.