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Misslungenes 140-Millionen-Projekt in Sevelen: Wirtschaftskriminelle von Bad Rans vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft bringt rund ein Dutzend Beschuldigte vor Gericht, die für die Pleite des hochtrabend angekündigten neuen «Bad Rans» verantwortlich sein sollen. Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat die Verhandlung auf drei Wochen angesetzt.
Reinhold Meier
Im Spätherbst 2007 wurden erste Visualisierungen eines möglichen Parkhotels Bad Rans in der Gemeinde Sevelen publik. (Bild: PD)

Im Spätherbst 2007 wurden erste Visualisierungen eines möglichen Parkhotels Bad Rans in der Gemeinde Sevelen publik. (Bild: PD)

Auf das hiesige Kreisgericht kommt ein Prozess zu, den man so hier je kaum gesehen hat. Drei Wochen soll die Verhandlung dauern, mit rund zwei Dutzend Anwälten, Angeklagten, Richtern und Staatsanwälten, im Werkhof von Mels, gleich bei der Lourdesgrotte. Die Akten fassen 50 Zügelkartons, Ergebnis von 23 Durchsuchungen und acht Jahren Ermittlungsarbeit. Zwei Paletten braucht's, um sie zu transportieren.

Die Anklage wirft den Beschuldigten sinngemäss vor, sie hätten die Pleite der Genossenschaft Bad Rans mutwillig herbeigeführt und Anlagegelder gezielt in den eigenen Säckel verschoben. Dies, indem sie mittels einer ihnen gehörenden Aktiengesellschaft der Genossenschaft Luftrechnungen ohne Gegenleistung stellten. Der Hauptbeschuldigte soll Teile des Geldes sogar in ein Luxusresort in der Karibik verschoben haben, wo er seinen Ruhestand zu verbringen gedenke.

Die Akten bilden die Trümmer einst hochtrabender Pläne zum Aufbau eines Hotelkomplexes in Bad Rans bei Sevelen. Arglose Anleger sollen dabei über sechs Millionen Franken verloren haben, die als «Promotionshonorare» in den Säckeln der Angeklagten landeten. Gegenüber dem Hauptangeklagten steht eine Gefängnisstrafe von mehr als fünf Jahren im Raum. Die weiteren Anträge werden erst in zwei Monaten an Schranken gestellt.

Pompöse Vierstern-Pläne

Einheimischen ist das schwefelhaltige, salzsaure Wasser von Bad Rans ein Begriff. Es wirkt seit alters her heilend bei Gicht und Rheuma. Ab 1886 gab es hier Ganzjahresbetrieb mit Badeclub und «Schwitzkasten», wie die Sauna damals noch hiess. Ein Badwagen zirkulierte von Grabs und Azmoos ins Heilbad.

An diesen Hype der Belle Epoque sollen die jetzt Beschuldigten angeknüpft haben, um Kasse zu machen. Sie gründeten eine Genossenschaft mit Plänen für ein 140-Millionen-Projekt. Tiefenbohrungen sollten die Quelle erschliessen. Ein Vier-Sterne-Hotel mit Seminartrakt, Restaurant, Ballsaal, Medical-Wellness und Seniorenresidenz sollte für Entspannung, Schönheit und Rendite sorgen. Doch die pompösen Anti-Aging-Pläne liessen Initiatoren wie Anleger bald alt aussehen. Auf der Baustelle Bad Rans passierte wenig, dafür war das Geld futsch, die gleichnamige Genossenschaft konkurs.

Trickreich Luftrechnungen gestellt

Im Kern wirft die Staatanwaltschaft den Beschuldigten vor, dass sie erhebliche Mittel der Genossenschaft privat abgezweigt haben sollen. Dies, indem sie ihr Doppelmandat als Verwaltungsräte der Genossenschaft sowie als Verwaltungsräte ihrer eigenen Aktiengesellschaft ausnutzten. Diese stellte der Genossenschaft nach Gutdünken Honorare in Rechnung, für die kaum oder keine Leistung erbracht wurde. So konnten sie die Genossenschaft rigoros ausbeuten.

Damit hätten sie das Treuegebot und das Gewinnbeteiligungsverbot missachtet, kurz, die Genossenschafter schnöde hinters Licht geführt, Misswirtschaft betrieben und Gelder veruntreut. Bereits 2009 verschlechterte sich die «desolate Überschuldung» derart, dass ein Konkurs unumgänglich wurde. Gleichwohl zogen sie weiter Mittel ab, bis im März 2011 endlich der Konkurs eröffnet werden musste. Auch dagegen setzten sie sich zur Wehr und klagten. Erfolglos.

In die Karibik jetten

Noch komplexer wird der Fall dadurch, dass neben der 200-seitigen Anklage, zwei weitere, umfangreiche Anklageschriften gegen die Beschuldigten vorliegen. Sie lassen den Fall Rans als lediglich ein Element in einem noch viel verzweigteren illegalen Firmenkonstrukt erscheinen, das Anleger in der ganzen Schweiz um mehr als 17 Millionen Franken prellte. Auch die Raiffeisenbank Mels gehört zu den Opfern, wegen eines Mehrfamilienhauses in Vilters. Hier war ein Millionenkredit verdampft, während Handwerkerrechnungen von etwa gleicher Höhe offenstanden.

Eine Million Franken seines «Gewinns» überwies der Hautpangeklagte derweil an seinen Sohn, der damit auf der Karibikinsel Hispaniola eine luxuriöse Ferienanlage aufbaut, wie es weiter heisst. Der wegen Betrugs bereits vorbestrafte Schweizer plane, seinen Lebensabend in dem Resort des Sohnes zu verbringen. Trotz einer Passperre darf er zweimal jährlich dorthin fliegen, gegen Kaution. Viele dutzend Handwerker, Bau- und Möbelfirmen, Banken und eine renommierte Pensionskasse, müssen sich derweil wohl Millionen ans Bein streichen.

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