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Wirbel um Steinbruch Campiun: «Trauerspiel» und «Luftschlösser» an der Ortsbürgerversammlung

Das Thema Steinbruch Campiun sorgte an der Bürgerversammlung der Ortsgemeinde für engagierte Diskussionen. Ein Antrag auf Streichung des Postens Anwaltskosten Deponie Campiun im Budget scheiterte.
Thomas Schwizer
Die von der Betreiberin angestrebte Aufnahme der Deponie im Steinbruch Campiun in den kantonalen Richtplan liess an der Ortsbürgerversammlung die Wogen hoch gehen. (Bild: Heini Schwendener)

Die von der Betreiberin angestrebte Aufnahme der Deponie im Steinbruch Campiun in den kantonalen Richtplan liess an der Ortsbürgerversammlung die Wogen hoch gehen. (Bild: Heini Schwendener)

Die durch die Basaltstein AG angestrebte Aufnahme des Steinbruchs Campiun in den kantonalen Richtplan hat in den vergangenen Monaten den über 20-jährigen Streit zwischen dem Einwohnerverein Rans-Oberräfis (Evro) über dieses Thema wieder aufkochen lassen.

Erwartungsgemäss kam es dazu auch an der Bürgerversammlung der Ortsgemeinde zu einem verbalen Schlagabtausch, der alle anderen Themen in den Hintergrund drängte.

«Hören wir auf zu streiten»

Schon in der Beratung des Budgets 2019 brach er aus. Andreas Götz stellte den Antrag, die 15000 Franken im Budgetposten Deponie Campiun zu streichen, der für Anwaltskosten vorgesehen sei. «Hören wir auf zu streiten!», lautete sein Appell. Das Gebiet sei Teil des Bundesinventars für schützenswerte Landschaften und Naturdenkmäler. Seit dem Bundesgerichtsentscheid vor 13 Jahren sei klar:

«Wir werden nie mehr einen Steinbruch bekommen.» (Andreas Götz, Ortsbürger)

Götz sprach betreffend der Versuche der vergangenen Jahre, den Steinbruch zu reaktivieren, von Luftschlössern. Es sei deshalb gegen das öffentliche Interesse, dass die Ortsgemeinde jahrelang Geld für etwas Sinnloses aus dem Fenster werfe, lautete sein Fazit.

Peter Engler, Präsident des Ortsverwaltungsrates, verwies darauf, dass der Streit mit der Evro um das Betretungsverbot für das Abbaugebiet weiter gehe. «Wir ziehen nur einen Anwalt bei, wenn es unbedingt nötig ist», versicherte er. Aber die Sache sei juristisch heikel.

«Wir brauchen Gewissheit, dass wir dabei rechtlich auf der sicheren Seite sind.» (Peter Engler, Präsident des Ortsverwaltungsrates)

Der Antrag zur Streichung dieser Anwaltskosten im Budget scheiterte mit 36 Ja gegen 43 Nein – bei 120 stimmberechtigten Ortsbürgern gab es also rund ein Drittel Enthaltungen.

Es wurde auch an dieser Stelle offensichtlich, dass das Thema Steinbruch/Deponie Campiun sehr emotional ist. Schliesslich geht es um einen Streit zwischen der Ortsgemeinde und dem Evro, in dem viele Mitglieder auch Seveler Ortsbürger sind.

Emotionen auf beiden Seiten

Nach einem Rückkommensantrag, weil das Auszählungsresultat mit einem Gefühlsausbruch in Frage gestellt wurde, liess der Präsident die Abstimmung wiederholen. Peter Engler zeigte dabei selbst Emotionen – indem er hoffte, «dass wir so dieses Trauerspiel beenden können». Die zweite Abstimmung änderte nichts an der Ablehnung des Antrags. Diesmal fiel der Entscheid mit 39 Ja gegen 53 Nein deutlicher aus, weil manche zuvor Unentschlossenen nun auch Farbe bekannten.

Der Ortsverwaltungsratpräsident wies mehrfach auf eine Infoveranstaltung vom 9. Mai für die Ortsbürger hin. Dort könnten sie Vertretern der Lafarge-Holcim/Basaltstein AG direkt Fragen stellen. So versuchte er, die weitere Diskussion zu «vertagen» und die Versammlung speditiv über die Bühne zu bringen – es wartete das traditionelle Nachtessen.

Denkzettel bei Abstimmung über Budget und GPK-Bericht

Nach der Ablehnung des Streichungsantrags zeigte sich die Spaltung der Ortsbürger in dieser Frage auch bei der Abstimmung über das Budget und den GPK-Bericht. Beim Absoluten Mehr von 61 Stimmen erreichte das Budget 2019 lediglich 66 Ja und der GPK-Bericht 69. Damit wurde aber beides genehmigt.

In der Umfrage ergriffen erneut mehrere Ortsbürger das Wort zum Thema. Fred Tischhauser appellierte, auf sachlicher Ebene zu diskutieren. Er selbst habe als damaliger Ortsverwaltungsratspräsident Anfeindungen erlebt, die er dem heutigen Präsidenten ersparen möchte.

Warten auf Entscheid über die Schutzverordnung

Peter Engler begründete, warum die Ortsgemeinde sich weiter gegen die neue Schutzverordnung in der Gemeinde wehrt, die der Ortsgemeinde aus ihrer Sicht Einschränkungen brächte. Sollte das Baudepartement gegen sie entscheiden, werde der Ortsverwaltungsrat die Begründung prüfen und beraten, ob sie den Entscheid weiter ziehen wird.

Ortsgemeinde legt Wert auf die Ökologie

Peter Engler betonte, dass die Ortsgemeinde viel für die Ökologie tut. So sei sie bereit, 100000 Franken an den Schnitzel-Wärmeverbund Büelriet beizusteuern, den die Politische Gemeinde plant. Leider habe der Gemeinderat den Wunsch der Ortsgemeinde für eine Wärmeverbundpflicht bei Neueinzonungen im Gebiet abgelehnt. Der Ortsverwaltungsrat unterstützt das Projekt Renaturierung Binnenkanal. Positiv sei, dass man damit sogar Kulturland gewinne. Mit der Neugestaltung der drei Biotope im Bereich Wissi Mur konnte ein weiteres Ökoprojekt umgesetzt werden, und in der Nähe der Alp Farnenboden wurde eine Altholzinsel unter Schutz gesetzt.

Minus in der Jahresrechnung 2018

Wegen unvorhersehbaren Unterhaltsarbeiten in Ortsgemeinde-Liegenschaften – 2018 wurde der «Ochsen» gekauft, um das Restaurant zu erhalten – schloss die Jahresrechnung mit einem Minus von 62338 Franken schlechter ab als budgetiert. Demnächst soll das überarbeitete Baugesuch für das Umbauprojekt Histengass 70 eingereicht werden, das 2020 realisiert werden soll. Es wird an den Pellets-Wärmeverbund angeschlossen, der 2018 für die drei anderen Histengass-Liegenschaften der Ortsgemeinde realisiert wurde. (ts)

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