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Samichläuse setzen auf Lob statt Tadel: «Wir nehmen keine Nuggi weg»

Viele Samichläuse wollen nicht mehr böse sein und verzichten auf die Rute. Für Chlausgruppen, wie die St. Niklausvereinigung Buchs-Grabs, bleibt die Rute für den Schmutzli Pflicht.
Maria Kobler-Wyer
Chläuse sind sehr beliebt: Hunderte Zuschauer besuchten beispielsweise den Chlauseinzug in der Buchser Bahnhofstrasse vom vergangenen Sonntag. (Bild: Heini Schwendener)

Chläuse sind sehr beliebt: Hunderte Zuschauer besuchten beispielsweise den Chlauseinzug in der Buchser Bahnhofstrasse vom vergangenen Sonntag. (Bild: Heini Schwendener)

«Es ist nicht mehr notwendig, den bösen Mann zu spielen»: Das sagte Dominik Hollenstein von der St. Galler Chlausgruppe St Martin. Die Chläuse von St. Martin verzichten aufs Tadeln und das Mittragen von Ruten. Die Erziehung werde heute anders gelebt. Man wolle Werte vermitteln, anstatt sie zu schimpfen. «Wir führen einen Dialog. Wir sind nicht mehr allwissend.»

Im Gegensatz zur Chlausgruppe St. Martin in St. Gallen haben die Chläuse und Schmutzlis der Klausaktion Romanshorn meistens eine Rute dabei. «Sonst wären vor allem die Kinder enttäuscht», sagt Präsident Rainer Nobs. Gerade bei Schulbesuchen würden die Kinder immer nach dem Esel, der Fitze und natürlich dem goldenen Buch fragen. «Aber die Rute wird natürlich nicht zum Schlagen eingesetzt», sagt Nobs.

Bei der Chlausengruppe Appenzell gehört eine Rute ebenfalls zur Ausrüstung des Schmutzlis dazu. «Der Schmutzli braucht die Rute aber, um seine Schuhe zu putzen, oder er klopft sich selber mal an die Beine, wenn es zu laut ist», wie es auf Anfrage heisst. «Unser Samichlaus ist auch lieb.» Man sieht nicht auf den ersten Blick, dass der Bart nicht echt sei, lässt die Chlausengruppe verlauten. So haben auch grössere Kinder Respekt vor ihm. Auch bei der St. Niklausvereinigung Buchs-Grabs haben Samichlaus und Schmutzli eine Rute dabei. «Mich erinnert es eher an einen Besen als an eine Rute», sagt Romy Gaug, die für die Anmeldungen zuständig ist.

«Kinder sollen positives Erlebnis haben»

Knapp 190 Anmeldungen sind bei der St. Niklausvereinigung dieses Jahr eingegangen. Die Eltern füllen jeweils eine Lob- und Tadelliste aus. Schreiben die Eltern Sätze wie «Du bist kein Baby mehr, gib deinen Nuggi ab» oder «Du bist schon fünf Jahre alt und trinkst immer noch aus der Flasche», spricht diese der Samichlaus nicht aus. «Die Kinder sollen ein positives Erlebnis haben», sagt die vierfache Mutter Romy Gaug. So beginnt ein Nikolaus-Besuch vielfach mit einer Geschichte.

Auch in Romanshorn geben die Eltern vor, für was die Kinder vom Samichlaus gelobt oder getadelt werden. «Am häufigsten müssen wir den Kindern sagen, dass sie ihr Zimmer besser aufräumen oder anständiger mit ihren Geschwistern umgehen sollen», sagt Rainer Nobs, der selber seit über 15 Jahren als Samichlaus unterwegs ist. «Wir schauen aber, dass das Lob überwiegt.» Denn der Samichlaus ist wohlwollend – nicht böse. So nimmt er auch keinen Nuggi mit, wenn er sieht, dass das Kind noch zu sehr an diesem hängt und ihn nur die Eltern loswerden wollen. Im Vergleich zu früher sind heute auch elektronische Medien Thema beim Samichlaus. «Er redet mit den Kindern über die Nutzungszeit von Handy oder Tablet», sagt Rainer Nobs.

Auf Themen wie Bettnässen geht der Samichlaus hingegen nicht ein. «Schimpfen würde hier das Gegenteil bewirken», heisst es bei der Chlausengruppe Appenzell. Dafür gibt es Geschenke. Einmal verschenkte er eine Salbe. Diese konnte das Kind zum Beispiel benutzen, wenn es traurig war. Das Geschenk soll als Erinnerung an den Samichlaus-Besuch dienen. Und wenn die Eltern dies möchten, können sie das Kind damit auch daran erinnern, was es mit dem Samichlaus besprochen hat.

Chläuse wieder gefragter als vor zehn Jahren

An der Hauptversammlung üben junge Chläuse der St. Niklausvereinigung Buchs-Grabs in Rollenspielen, wie sie sich in Konflikt- oder Spasssituationen verhalten sollen. «Dieses Jahr sind ein paar Jung-Schmutzlis aus der Jungwacht dazukommen», so Romy Gaug. «Nach einigen Lehrjahren können sie dann Chlaus werden.»

Insgesamt scheint der Samichlaus wieder populärer zu werden. «Bei uns melden sich wieder mehr Familien für einen Chlaus-Besuch als noch vor fünf bis zehn Jahren», sagt Rainer Nobs. «Eltern setzen auf alte Werte und lassen alte Traditionen gerne wieder aufleben.»

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