Wildunfälle im Werdenberg häufen sich

Der Kanton St. Gallen ruft wegen der Wildunfälle zur Vorsicht und einem angepassten Fahrverhalten auf. Vor allem im Sarganserland und Werdenberg gab es in der letzten Woche mehr Kollisionen.

Katharina Rutz
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Wildtiere auf der Fahrbahn sind im Winter im Werdenberg keine Seltenheit. (Bild: Archiv Peter Eggenberger)

Wildtiere auf der Fahrbahn sind im Winter im Werdenberg keine Seltenheit. (Bild: Archiv Peter Eggenberger)

In den vergangenen Tagen kam es insbesondere auf der Kantonsstrasse zwischen Sargans und Bad Ragaz, im Obertoggenburg sowie entlang des Hangfusses im Werdenberg zu zahlreichen Verkehrsunfällen mit Rothirschen und Rehen. Dies schreibt die Staatskanzlei des Kantons St. Gallen in ihrer Mitteilung.

Wenn tiefer Schnee liegt und Kälte herrscht, kommen Wildtiere nur mühsam voran und suchen sich ihre Nahrung vermehrt in Tallagen. Dabei machen sie auch vor vielbefahrenen Strassen nicht Halt. Oder sie bewegen sich entlang der Strassen, um Salz zu lecken. Verkehrsunfälle mit Wildtieren müssen zwingend der Polizei gemeldet werden.

Ein Fall von Fahrerflucht

«Schlimm» ist die Situation laut Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei vor allem im Sarganserland, wo seit Samstag mindestens 14 Hirsche angefahren oder tödlich verletzt wurden.

«Im Werdenberg scheinen die Autofahrer zwar auf die Strassenquerung der Hirsche sensibilisiert zu sein. Sie halten an, stellen den Warnblinker ein», beschreibt Thiel. Dennoch seien dem Werdenberger Wildhüter Silvan Eugster 15 Unfälle mit Rehen und Hirschen bekannt. Ausserdem gibt es auch im Werdenberg mindestens einen Fall von Fahrerflucht. «Ein am Strassenrand verendeter Hirsch wurde uns gemeldet», bestätigt Dominik Thiel.

Im Toggenburg waren in diesem Winter Rehe und Füchse vor allem entlang der Kantonsstrasse betroffen. «Die Strassenabschnitte in Wildhaus zwischen Schönau und Wäldli sowie zwischen Nesslau und Stein werden häufig von Wildtieren überquert», sagt der Toggenburger Wildhüter Urs Büchler.

Trotz der Unfälle bezeichnet Büchler die Situation im Toggenburg als weniger dramatisch. «Bei uns überqueren die Wildtiere vor allem zu Beginn des Winters mit einsetzenden Schneefällen die Strasse von der Schatten- auf die Sonnenseite», erklärt er. Zurzeit würden sie in ihren Winterlebensräumen verbleiben und die Kantonsstrasse nicht mehr überqueren. Trotzdem würden gerade Rehe gerne in die Nähe von Siedlungen kommen, um beispielsweise in den Gärten nach Nahrung zu suchen. «Im Moment müssen die Tiere viel Zeit aufwenden, um genügend Nahrung zu finden», erklärt Urs Büchler.

Erhöhte Aufmerksamkeit und Tempoanpassung

Die Staatskanzlei ruft in ihrer Medienmitteilung zur Vorsicht auf. Mit erhöhter Aufmerksamkeit und angepasster Geschwindigkeit lassen sich einige Unfälle vermeiden. Doch wenn die Tiere an unerwarteten Orten oder zu ungewohnter Zeit die Fahrbahn überqueren, lassen sich Zusammenstösse zwischen Fahrzeugen und Tieren leider nicht immer verhindern. Bei gewissen Strecken wurde eine Temporeduktion erlassen und orange Warnblinker montiert.

Fahrzeugführende sollten die Strassenränder ausserdem gut beobachten und das Tempo weiter reduzieren, wenn Tiere im Strassenbereich gesehen werden. Wenn Tiere bereits auf der Strasse stehen, ist der Warnblinker einzuschalten und wenn möglich ganz anzuhalten, bis die Gefahr eines Unfalls nicht mehr besteht. Besonders Rothirsche sind meist in Gruppen unterwegs, und wenn ein Tier über die Strasse springt, folgen meist noch weitere.

Nach Unfall immer Polizei 117 anrufen

Wenn es zu einer Kollision mit einem Tier kommt, egal ob Wild- oder Haustier, muss zwingend die Polizei unter der Telefonnummer 117 angerufen werden. Wer sich ohne Meldung vom Unfallort entfernt, begeht Fahrerflucht und verstösst gegen das Strassenverkehrs- und Tierschutzgesetz. Ausserdem erhält nur wer den Unfall meldet eine Bestätigung des Schadens für die Versicherung.

Die Polizei bietet je nach Situation eine Patrouille, den zuständigen Jäger oder Wildhüter auf, der das Tier suchen und von seinem Leiden erlösen respektive den Kadaver entsorgen wird. «Wichtig ist, dass der Fahrer sich die Richtung merkt, aus der das Tier gekommen und in die es allenfalls verletzt geflüchtet ist», sagt Wildhüter Urs Büchler.