Generalversammlung
Josef Dürr arbeitet seit 51 Jahren bei den Bergbahnen Wildhaus

Josef Dürr arbeitet seit 1970 bei den Bergbahnen Wildhaus als Pistenpräparierer . Erst mit der Schaufel, dann mit dem Pistenbully. Er ist nicht der einzige langjährige Mitarbeiter im Betrieb. Sie alle wurden an der 84. GV der Bergbahnen Wildhaus AG geehrt. Zudem kam es zu zwei Verabschiedungen und einer Begrüssung im Verwaltungsrat.

Alexandra Gächter, Armando Bianco Jetzt kommentieren
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Für einmal ohne Schnee: Josef Dürr auf einem «seiner» Pistenfahrzeuge.

Für einmal ohne Schnee: Josef Dürr auf einem «seiner» Pistenfahrzeuge.

Bild: Alexandra Gächter

Zum zweiten Mal in der 84-jährigen Geschichte führte die Bergbahnen Wildhaus AG am letzten Samstag ihre Generalversammlung schriftlich durch. VR-Präsident Dr. Jakob Rhyner aus Buchs äusserte dabei die Hoffnung auf eine gute Saison ohne negativen Einflüsse durch die aktuelle Pandemie.

Die fünf Traktanden der GV wurden allesamt speditiv abgewickelt und jeweils mit zwischen 97,6 und 99,6 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Vertreten waren auf schriftlichem Weg 68,7 Prozent des Aktienkapitals, welches sich insgesamt auf 1140 Aktionärinnen und Aktionäre verteilt. Die Beteiligung lag damit in ähnlicher Höhe wie bereits im vergangenen Jahr.

Verwaltungsräte und langjährige Mitarbeiter wurden geehrt

Aus dem Verwaltungsrat verabschiedet wurden der Wildhauser Birger Stump sowie die beiden Grabser Walter Eggenberger und Hans Sturzenegger. Letzter wurde durch Ulrich Sturzenegger aus Grabs ersetzt, weil jeweils der Präsident der OG Grabs Einsitz im VR der Wildhauser Bergbahnen hat. Jakob Rhyner würdigte die Arbeit der drei Abgetretenen mit Dankesworten und Präsenten. Walter Eggenberger habe vor allem mit seinem grossen Wissen im Baubereich überzeugt, Hans Sturzenegger habe seine beiden Hüte als OG-Präsident und VR nie durcheinander gebracht.

Als Verwaltungsräte von VR-Präsident Jakob Rhyner (Mitte) verabschiedet: Die Grabser Walter Eggenberger (links) und Hans Sturzenegger. Auf dem Bild fehlt Birger Stump, Wildhaus.

Als Verwaltungsräte von VR-Präsident Jakob Rhyner (Mitte) verabschiedet: Die Grabser Walter Eggenberger (links) und Hans Sturzenegger. Auf dem Bild fehlt Birger Stump, Wildhaus.

Bild: Armando Bianco

Zu Ehren gekommen sind auch fünf langjährige Mitarbeiter des Betriebs, die es zusammen auf 187 Dienstjahre bringen. Sie alle vereinen einige wichtige Eigenschaften für Bergbahnmitarbeiter: Treue, Fleiss, Kompetenz, Loyalität und Kundenorientierung.

Die gute Seele des Betriebs

Johann Scherrer aus Nesslau ist bereits seit 42 Jahren bei den Wildhauser Bergbahnen angestellt. Der Ganzjahresmitarbeiter ist im Winter Chef der Pistenfahrzeugfahrer und natürlich selber auch Fahrer. In der Zwischensaison und im Sommer/Herbst erledigt Johann Scherrer vielerlei Aufgaben. «Man kann ihn mit Fug und Recht als gute Seele im Betrieb bezeichnen», so Jakob Rhyner. Er schätze den direkten Kontakt mit den Gästen sehr und sei der geborene Dienstleister

Den Techniksprung mit Bravour gemeistert

Jakob Wenk aus Wildhaus ist vor mittlerweile 40 Jahren als ehemaliger Mitarbeiter der TOG Übungslifte AG (Skilifte Thur, Oberdorf und Gültenweid) zum Betrieb gestossen. Der Landwirt und Saisonmitarbeiter hat im letzten Winter den grossen Techniksprung vom alten Skilift zur neuen Hightechbahn bzw. neuen Familienbahn «mit Bravour gemeistert», betonte der Buchser VR-Präsident Jakob Ryhner.

Die Geehrten und Geschäftsführer Urs Gantenbein (Mitte): Johann Scherrer aus Nesslau, Josef Dürr aus Wildhaus, Jakob Wenk aus Wildhaus und Ernst Vetsch aus Wildhaus. Auf dem Bild fehlt Duschan Grob, Wildhaus.

Die Geehrten und Geschäftsführer Urs Gantenbein (Mitte): Johann Scherrer aus Nesslau, Josef Dürr aus Wildhaus, Jakob Wenk aus Wildhaus und Ernst Vetsch aus Wildhaus. Auf dem Bild fehlt Duschan Grob, Wildhaus.

Bild: Armando Bianco

Tatkräftig und unaufgeregt im Einsatz

Ernst Vetsch aus Wildhaus zählt unterdessen 32 Dienstjahre und steht als Bahnmitarbeiter an der Gamsalpbahn seit vielen Jahren tatkräftig und unaufgeregt im Einsatz. «Sein Pensum hat er aufgrund seiner eigenen Herausforderungen im landwirtschaftlichen Betrieb laufend reduzieren müssen. Nichtsdestotrotz waren wir froh, immer wieder auf ihn als Joker setzen zu können», so Jakob Rhyner

«Der höchste Liftler bei uns»

Duschan Grob, Wildhaus, ist seit 22 Jahren angestellt «und sozusagen der höchste Liftler bei uns», scherzte Jakob Ryhner. Er betreut den Skilift Gamserrugg bei Wind und Wetter auf 2076 Metern über Meer. Er ist Wintersaisonnier und arbeitet in der schneefreien Zeit in diversen Sommerjobs.

Seit 51 Jahren dabei und kein Ende in Sicht

Normalerweise halten sie zu dieser Jahreszeit Sommerschlaf, aber für die Lokalzeitung weckte Dienstältester Josef Dürr den riesigen, roten Pistenbully. Mit lautem Geratter rollt das Gefährt vor die tiefgrüne Wildhauser Bergkulisse. Ein ungewohntes Bild.

Josef Dürr fühlt sich am Steuer des Pistenfahrzeuges sichtlich wohl.

Josef Dürr fühlt sich am Steuer des Pistenfahrzeuges sichtlich wohl.

Bild: Alexandra Gächter

Gewohnt hingegen ist das Bild das sich im Inneren des Fahrzeuges zeigt: Josef Dürr sitzt am Steuer, unbeeindruckt von den vielen Knöpfen und Funktionen. Wohl könnte er die Maschine im Schlaf bedienen, denn er fährt sie schon seit mehr als 50 Jahren. Egal ob Geschäftsleiter Urs Gantenbein oder Josef Dürrs Vorgesetzter Johann Scherrer – wer auch immer sich an seine Anfänge bei den Bergbahnen Wildhaus erinnert, sagt: Josef Dürr war schon da.

«Ich hatte nasse Füsse und fror»

Auch Josef Dürr erinnert sich an seine Anfänge bei den Bergbahnen Wildhaus. Es war im Winter 1970, als ein paar Kollegen ihn auf die Idee brachten, bei den Bergbahnen Wildhaus zu arbeiten. «Wir Bauern haben immer solche Nebenjobs gesucht», sagt Josef Dürr. Er war damals erst 18 Jahre alt und arbeitete auf seinem Hof in Gams, wo er auch aufwuchs. Die ersten drei Jahre war sein Arbeitsgerät eine Schaufel. Er sagt:

«Den ganzen Tag waren wir am Schaufeln.»

Die Bekleidung war damals um einiges schlechter als heute und so sagt er: «Ich hatte nasse Füsse und fror.» Im Jahr 1973 durfte Josef Dürr seine Schaufel endlich gegen einen Pistenbully umtauschen. Das freute und ehrte den jungen Bauern sehr: «Ich hatte Spass am Fahren. Nicht jeder konnte so ein Gefährt bedienen. Das war schon speziell.» Der Komfort der Fahrzeuge war früher um einiges geringer. «Der Schalthebel war einen Meter lang und es gab keine Scheibenheizung. Wenn die Scheibe früher zufror, blieb sie gefroren.»

Mit den Jahren und Jahrzehnten wurde die Technik immer besser. Während die ersten Pistenfahrzeuge den Schnee nur plattdrücken konnten, besitzen die modernen eine Fräse. «Heute können wir die Pisten piekfein machen. Das müssen wir aber auch. Denn die Anforderungen sind gestiegen.»

In kleinem Pensum arbeitet er noch weiter

Josef Dürr, der heute in Wildhaus wohnt, war früher ein Nachtmensch. Lang waren die Arbeitstage in schneereichen Wintern: «Schneite es in der Nacht, begannen wir morgens um 4 oder 5 Uhr und präparierten bis 9 Uhr.» Schneite es am nächsten Tag nicht mehr, dann begann man abends um 16.30 Uhr und arbeitete bis 23 oder 2 Uhr. Mit dem Schichtwechsel konnte Josef Dürr in jungen Jahren gut umgehen.

Ein Foto aus den 70er-Jahren: Josef Dürr beim Präparieren.

Ein Foto aus den 70er-Jahren: Josef Dürr beim Präparieren.

Bild: PD

Auf dem Bauernhof, den er früher in Gams führte, arbeitete seine Frau und seine Kinder tatkräftig mit. «Sonst hätte ich das nicht geschafft mit dem Nebenjob», lobt er seine Familie. Den Bauernhof in Gams hat der 68-Jährige mittlerweile seinem Sohn übergeben. Im Sommer hütet er aber immer noch Vieh auf Gamser Alpen.

Nach 51 Jahren im Dienste der Bergbahnen Wildhaus könnte Josef Dürr sich eigentlich zur Ruhe setzen. Aber er bleibt den Bergbahnen in einem kleinem Pensum noch länger als Pistenbully-Fahrer erhalten. Wie lange, das weiss Josef Dürr noch nicht. Und was macht er, wenn er vollends pensioniert ist? «Na, Skifahren, was sonst», sagt Josef Dürr verschmitzt. Denn für dieses Hobby hatte er früher kaum Zeit.

Mit einem blauen Auge davongekommen

Das Geschäftsjahr 2020/21 war für die Bergbahnen Wildhaus AG auf vielen Ebenen herausfordernd, letztlich aber zufriedenstellen. Trotz Anpassungen im Bergbahngeschäft und der eigenen Gastronomie, verursacht durch die Pandemie, bezeichnen die Verantwortlichen das Jahresergebnis als ansprechend.

Das Unternehmen ist bekanntlich mit einem blauen Auge davongekommen und erzielte bei einem Betriebsertrag von 6 Mio. Franken ein positives Ergebnis in der Höhe von 1,4 Mio. Franken. Nach Abschreibungen und Sonderaufwendungen bleibt ein Verlust von 450000 Franken, der mit dem Gewinnvortrag aus dem Vorjahr von 680000 Franken verrechnet wird.

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