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Wiga: breitere Führung angekündigt - kritische Haltung bleibt

Die Wigab AG will die Situation um die aktuelle Wiga-Alleinführung durch ein breiteres Aktionariat und neue Verwaltungsräte verbessern. Dies wird von den Gewerbevereinen mit Argusaugen beobachtet.

Thomas Schwizer
Die Wiga-Führung und ihr Verhältnis zu den Gewerbevereinen der Region ist derzeit eine Grossbaustelle. (Bild: Heini Schwendener)

Die Wiga-Führung und ihr Verhältnis zu den Gewerbevereinen der Region ist derzeit eine Grossbaustelle. (Bild: Heini Schwendener)

Das Vertrauen in Messeleiter Paul Schlegel als Alleinaktionär und -verwaltungsrat der Wigab AG fehlt den Gewerbevereinen der Region Werdenberg. Es brauche weitere vertrauenswürdige Verwaltungsräte, Schlegel müsse die Verantwortung für Finanzen und Buchhaltung abgeben.

Das geschehe, kündigt der designierte Verwaltungsrats­präsident Josef Müller an (siehe Kasten). Die definitive Zusammensetzung werde später kommuniziert.

Der Entscheid der Gewerbevereine, in der jetzigen Situation auf die Organisation von Gemeinschaftsständen zu verzichten, ist von ihren Mitgliedern offenbar positiv aufgenommen worden. Das bestätigen Päuli Kohler (Präsident IG Grabs), Rolf Pfeiffer (Wirtschaft Buchs) und Hans Eggenberger (Gewerbeverein Wartau). Kohler berichtet von emotionalen Reaktionen im Sinne von: «Gut habt ihr das endlich durchgezogen.»

Mehrere Rücktritte im Patronatskomitee

Mehrere Mitglieder des Patronatskomitees sind zurückgetreten. Das bestätigt Patronatsprä­sidentin Katrin Frick. Es hat primär die Aufgabe, die Eröffnung der Wiga zu organisieren. Die Gewerbevereine sehen es auch als Verbindung zu den Ausstellern.

«Wir machen vorläufig keine Sitzung, bis wir wissen, wie es weiter geht», sagt Frick. Sie sieht sich als Vertreterin von Buchs Marketing und zusammen mit Hansruedi Bucher als Vertreterin des Stadtrates, «weil die Wiga für Buchs wichtig ist».

Kritik an "der Art zu geschäften"

Auch der W&O hat mehrere Rückmeldungen von Gewerblern erhalten, die «Paul Schlegels Art zu geschäften» kritisieren und die Gewerbevorstände stützen.

Urs Schär, Inhaber der Gartengestaltung Engler, hat mit anderen Gewerblern aus Sevelen an der Wiga 2017 einen Gemeinschaftsstand realisiert. «Ich hatte schon damals den Eindruck, dass es in der Führung der Wiga eine Änderung braucht», sagt er. Er steht bei der aktuellen Führungsorganisation zu 100 Prozent hinter dem Entscheid, keine Gemeinschaftsstände zu organisieren. Konkret fehlt Schär derzeit das Vertrauen, «dass unsere Gelder ausschliesslich für die Gemeinschaftsstände verwendet werden». Als Messeleiter sei Schlegel der richtige Mann, sein Umgang mit den Finanzen stosse aber sauer auf. Offenbar gebe es Zahlungsausstände von 2017.

Die Planung des GIS Sevelen für die Wiga 2019 sei auf Eis gelegt. «Wir machen nur dann mit, wenn andere, vertrauenswürdige Leute die finanzielle und buchhalterische Führung haben.»

Vertrauensverlust und die Frage der Tragbarkeit

«Die Wiga ist für die Region und die Ausstrahlung nach aussen sowie als Plattform für die Unternehmen der Region sehr wichtig und nicht wegzudenken», sagt Daniel Triet, Geschäftsleiter Triet Storen AG in Buchs. Umso zentraler sei es, «dass der oder die Besitzer der Wiga Vertrauensleute sind». In der Funktion als Messeleiter habe Paul Schlegel die letzten Jahre wesentlich zum Gelingen der Wiga beigetragen und einen guten Job gemacht.

Dennoch wird Triet Storen aufgrund des fehlenden Vertrauens mit der Alleinverantwortung von Paul Schlegel weder im Rahmen eines Gemeinschaftsstandes noch eines Einzelstandes an der Wiga 2019 teilnehmen. «Entscheidend für mich ist, dass Paul Schlegel die Verantwortung für den kaufmännisch-buchhalterischen Bereich der Wiga vollständig abgibt, und zwar an seriöse, unabhängige Vertrauensleute», sagt Triet.

Dabei stelle sich «aufgrund der Geschehnisse und des Vertrauensverlusts von sämtlichen Gewerbevereinen des Werdenbergs grundsätzlich die Frage, ob Paul Schlegel als Person im Sinne der Sache für die Wiga noch tragbar ist». Er bedauert es sehr, dass sich die Situation mit der Wiga aktuell so präsentiert. «Und dass die bisherigen Verwaltungsräte, die im Mai zurückgetreten sind, keine zukunftsfähigere Nachfolgeregelung für sich getroffen haben.»

Zurückgetretene hatten klare Wünsche geäussert

Zwei ehemalige Verwaltungsräte der Wigab AG erklären, sie hätten ihren Rücktritt im Voraus angekündigt. Ihr Wunsch sei es gewesen, dass Paul Schlegel ihnen Vorschläge für ihre Nachfolge mache – Gewerbetreibende aus der Region mit enger Beziehung zur Wiga, mit denen er zusammenarbeiten könne. Und dass er einen guten Kaufmann für die Buchhaltung anstelle.

Offensichtlich ist dies nicht gelungen, bis die langjährigen Verwaltungsräte im Mai 2018 zurückgetreten sind. Sie sind als seriöse Geschäftsleute bekannt. Als Zahlungsprobleme von Firmen der Schlegel Group bekannt wurden (der W&O berichtete), waren sie wohl wenig erfreut, dass sein Geschäftsstil nicht dem von ihnen entsprach. Das dürfte ihnen den Rücktritt aus dem VR erleichtert haben.

Ein Ex-Verwaltungsrat legt «die Hand ins Feuer, dass nie Geld von der Wiga in die Firmen der Schlegel Group transferiert wurde». Leistungen, die diese für die Wiga erledigten, seien gemäss Budget und Rechnungstellung bezahlt worden – immer mit Unterschrift zu zweien.

Verwaltungsrat ist "offen für Gewerbevertreter»

Betriebsökonom Josef Müller aus Staad ist designierter Verwaltungsratspräsident der Wigab AG. Mit ihm und weiteren externen Verwaltungsräten soll die Führung breiter aufgestellt werden. Sie liegt seit Mai strategisch, finanziell und operativ alleine bei Messeleiter Paul Schlegel. Gewerbevereinspräsidenten sind nicht erfreut über die Lösung von ausserhalb der Region Werdenberg. Josef Müller sei nicht die gewünschte Vertrauensperson, weil er geschäftlich mit Paul Schlegel verbunden sei – als Verwaltungsrat der Schäfli Immobilien GmbH in Grabs (Präsident ist Paul Schlegel) und als Partner bei der Firma Swissimmopool von Schlegel. Päuli Kohler, Präsident der Werdenberger Wirtschaftsorganisation und der IG Grabs, erklärt, das regionale Gewerbe wünsche sich vertrauenswürdige Personen aus der Region im Verwaltungsrat und als Aktionäre, die «aufpassen». Ihm ist bewusst, dass Paul Schlegel Verwaltungsräte seiner Wahl berufen kann. Aber er müsse auch die Folgen tragen. Aktuell heisst das: Die örtlichen Gewerbevereine verzichten auf die von ihnen organisierten Gemeinschaftsstände.
Der designierte Verwaltungsratspräsident Josef Müller erklärt, er habe mit Swissimmopool «nichts zu tun». Wenn diese Firma eine gastgewerbliche Liegenschaft im Portfolio habe, dann habe er lediglich als Gastrofachmann beraten. Als solcher habe er auch bei der Übernahme des «Schäfli» in Grabs beraten und sei dort Mitbesitzer. Er bezeichnet sich als Gewerbler, Hotelier, war 20 Jahre Präsident von Gastro St. Gallen und im Vorstand des kantonalen Gewerbeverbandes. Er sei von der Wigab AG als Verwaltungsrat angefragt worden, weil er viel Erfahrung im Bereich Messen habe, erläutert Müller: Genussinsel an der Offa, Musikfest in St. Gallen sowie OK und Präsident der Gewerbeschau Thal. Paul Schlegel werde mit dem designierten neuen Verwaltungsrat nicht mehr die Aktienmehrheit bei der Wigab AG haben. Für die gesamte Buchhaltung, die Finanzen und die Kontoführung werde eine neue Verwaltungsrätin verantwortlich sein.
Der neue Verwaltungsrat, in dem auch eine Werdenberger Persönlichkeit vertreten sein werde, wolle Vertrauen schaffen und so zum Mitmachen zu motivieren. Müller betont: «Wir sind offen, wenn jemand aus dem lokalen Gewerbe im Verwaltungsrat (VR) mitwirken will. «Je breiter abgestützt er ist, umso besser.» Zu den Externen im VR sagt der designierte Präsident: «Vielleicht ist es ganz gut für die Wiga, wenn Leute mit etwas anderer Sicht Impulse einbringen.» (ts)

Hat die Wigab AG noch unbezahlte Rechnungen?

In Gewerbekreisen der Region Werdenberg kursiert das Gerücht, dass die Wigab AG noch bedeutende Zahlungen ausstehend hat. Ein Betroffener sei Rohner Zeltverleih in Altstätten. Dessen Geschäftsleiter Thomas Rohner winkt auf Anfrage des W&O ab: «Wir arbeiten schon viele Jahre mit Paul Schlegel als Messeleiter der Wiga zusammen. Die Zahlungsmodalitäten waren jeweils im Voraus abgemacht und es passt so, wie es ist. Wären Zahlungen überfällig, dann würde ich das wissen. Von unserer Seite aus ist alles in Ordnung.» Ein ehemaliger Verwaltungsrat der Wiga bestätigt gegenüber dem W&O, was auch Wiga-Alleinaktionär Paul Schlegel sagte. Mit dem Zeltbauer ist eine Zahlung in mehreren Raten im Voraus abgemacht gewesen.
Einen Zahlungsausstand der Wigab AG bestätigt auf Anfrage Ueli Bernold. Der als Grill-Ueli schweizweit bekannte Koch und Grill-Weltmeister hat an der Wiga 2017 für Festwirt Jörg Rissi gekocht und grilliert. Bernold erklärt, er warte auf Zahlungen von über 20000 Franken. Diese sollte er vom Festwirt erhalten, der ihn aber vertröste, da er selbst auf Geld von der Wiga warte, so Bernold. Festwirt Jörg Rissi wollte auf Anfrage nichts sagen.
Dem W&O ist ein weiterer Zahlungsausstand von rund 20000 Franken bestätigt worden. Nach einer Besprechung und Korrektur der Rechnung sei die Zahlungsfrist verstrichen, ohne dass die Wigab AG das Geld überwiesen habe. Ein unserer Zeitung vorliegender aktueller Auszug aus dem Betreibungsregister zeigt drei Betreibungen gegen die Wigab AG. Gegen zwei davon hat diese Rechtsvorschlag erhoben. (ts)

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