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1919 am Grenzbahnhof Buchs:
Wien hungerte – die Schweiz half

Vor 100 Jahren trafen mehrere Kinderzüge aus Österreich über den Grenzbahnhof Buchs ein.
Hansruedi Rohrer
Eine Schar Buben und Mädchen versammeln sich im Bahnhof zum Erinnerungsbild. Bilder: (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)Eine Schar Buben und Mädchen versammeln sich im Bahnhof zum Erinnerungsbild. Bilder: (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)
Helferinnen betreuen die reisenden Kinder. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)Helferinnen betreuen die reisenden Kinder. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)
Das Komitee in Erwartung eines Kinderzuges, in der Mitte Max Strauss, Chef des SBB-Fahrdienstes. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)Das Komitee in Erwartung eines Kinderzuges, in der Mitte Max Strauss, Chef des SBB-Fahrdienstes. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)
Eine Gruppe von Wiener Kindern erreicht im Frühjahr 1919 mit nachdenklichen Mienen Buchs. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)Eine Gruppe von Wiener Kindern erreicht im Frühjahr 1919 mit nachdenklichen Mienen Buchs. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)
Den Gesichtern nach treten diese Jugendlichen wohl wieder die Reise nach Wien an. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)Den Gesichtern nach treten diese Jugendlichen wohl wieder die Reise nach Wien an. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)
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Wien hungerte – die Schweiz half

Buchs In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, von 1919 bis 1921, herrschte auch in Österreich eine grosse Lebensmittelknappheit. Die Schweiz organisierte Hilfe für die notleidende Jugend, indem sie Kinder vorübergehend in ihr Land holte. Sie wurden bei Familien an verschiedenen Orten untergebracht, um sich zu erholen.

Es waren verschiedene Hilfswerke und Organisationen, welche den kriegsgeschädigten, hungernden Kindern halfen. Zum Beispiel die «Hülfsgesellschaft in Zürich», das «Evangelische Hilfskomitee für notleidende Kinder der ehemaligen österreichischen Monarchie» (mit Pfarrer B. Gantenbein aus dem appenzellischen Reute als Präsident) oder die «Hilfsaktion der Schweizer Eisenbahnbediensteten».

13319 Kinder kamen mit 19 Zügen in Buchs an

Bereits in den ersten Wochen des Jahres 1919 trafen erste Kinderzüge im Bahnhof Buchs ein. Und am 15. Mai reisten 700 Kinder aus Wien im Alter zwischen 6 und 12 Jahren über Buchs für einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt zu Schweizer Familien. Die meisten dieser Kinder wurden zwischen Sargans und dem Zürcherland untergebracht. Die Kinder kamen übermüdet von der Reise an. Nach einem vier- bis sechsstündigen Aufenthalt fuhren sie mit einem Extrazug dem neuen Bestimmungsort zu. Mit 19 Zügen kamen während der ganzen Aktion insgesamt 71 österreichische Lehrerinnen und 13319 Kinder in die Schweiz. Damit mussten auch 13319 Pflegeeltern ausfindig gemacht werden.

Im Bahnhof Buchs waren einheimische Ärzte als St.Gallische Amts- und Grenzärzte im Einsatz. Es standen aber auch viele Helferinnen und Helfer sowie Krankenpflegerinnen zur Bewältigung der Arbeit mit den einreisenden und später wieder zurückreisenden Kindern zur Verfügung. Viel Rücksicht benötigten die kranken und pflegebedürftigen Buben und Mädchen. Alle Einreisenden mussten untersucht und teilweise geimpft werden. Unter den gerne gesehenen Gästen war Frieda Hilty vom Schloss Werdenberg. Sie war fast bei jedem Zug dabei und hatte manche Spende übrig.

Der Ferienaufenthalt der Kinder dauerte zwischen sechs bis acht Wochen. Sie erfuhren Fürsorge, Liebe und Güte, und beim Umladen in Buchs in die Österreicher Züge während der Heimkehr gab es oft zusätzliches Gepäck. Es waren Bücher, Bilder, Wäsche, Hüte, Zigarren für den Vater, Lebensmittel, ja gar einmal lebende Tauben und eine junge Ziege, welche die kleinen, nun gesunden und munteren Mädchen und Buben, mit in ihre Heimat brachten. Da drückten die Zollbeamten in Buchs manchmal beide Augen zu, denn die Anzahl der zur Ausfuhr freigegebenen Gegenstände wurde wohl manchmal überschritten.

Manch eine Träne wurde beim Abschied vergossen

In Buchs gab es auch noch ein letztes Mal mit Brot, Wurst und Tee Verpflegung. Dann wurden Hunderte von Taschentüchern geschwenkt, und der Zug verschwand in Richtung Rheinbrücke. Gemäss Überlieferung sollen bei diesem Abschied nicht nur die Kleinen eine Träne vergossen haben. Der damalige Wiener Bürgermeister Reumann bedankte sich beim Schweizer Volk aus tiefstem Herzen. Unter anderem mit den Worten: «Der helle Jubel und die Begeisterung, mit der die heimgekehrten, wieder lebensfrischen Wiener Kinder von dem lieben, guten Schweizer Volke erzählen, ist nahezu der einzige Sonnenstrahl, der die dunklen Tage, die über unsere Stadt gekommen sind, erhellt.»

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