Steinbock etabliert sich am Alvier

Während sich der Steinbock in neuen Gebieten behauptet, kämpfen Gemsen und Füchse im Werdenberg und oberen Toggenburg mit Krankheiten.

Katharina Rutz
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Die Steinbock-Kolonie von der Churfirstenkette hat sich mittlerweile bis in das Gebiet um den Alvier ausgebreitet.

Die Steinbock-Kolonie von der Churfirstenkette hat sich mittlerweile bis in das Gebiet um den Alvier ausgebreitet.

Katharina Rutz

Eigentlich leben sie schon viele Jahre im Gebiet um den Alvier – die Steinböcke. Doch lange handelte es sich nur um wenige Tiere. Unterdessen ist ihre Anzahl aber auf rund 40 Tiere angestiegen, wie der Werdenberger Wildhüter Silvan Eugster bestätigt. «Es handelt sich um eine Teilpopulation der Churfirsten-Kolonie», sagt er. Gejagt werden sie am Alvier allerdings noch nicht. «Wir wollen den Bestand noch ansteigen lassen, bevor er jagdlich genutzt werden kann.»

Die Steinböcke sind in der Region auf dem Vormarsch. «Wir zählen im Alpstein 180 und in der Churfirstenkette 255 Tiere. Ihr Bestand ist ansteigend», sagt Urs Büchler, Wildhüter im oberen Toggenburg. Ziel sei es nun, den Bestand zu stabilisieren. Allerdings konnte in der letzten Jagdsaison der Abschuss in der Churfirstenkette nicht erreicht werden.

Rothirsch nimmt weiter zu

Der Rothirsch ist weiterhin auf dem Vormarsch und dies auch im Werdenberg und Obertoggenburg. Letzte Woche vermeldete die Staatskanzlei in einer Mitteilung, dass die Anzahl an Rothirschen im Kanton weiter zunimmt und dies obwohl im letzten Jagdjahr das zweithöchste Ergebnis beim Abschuss erzielt wurde (der W&O berichtete). Obwohl die offizielle Zählung der Rothirsche, die das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft jedes Frühjahr durchführt, aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste, sind die hiesigen Wildhüter überzeugt: Der Bestand an Hirschen ist bei uns nicht gesunken. «Er konnte höchstens stabilisiert werden», sagt Silvan Eugster, zuständig für die Werdenberger Reviere.

Im Werdenberg konnte die vorgegebene Anzahl an weiblichen Tieren von den Jägern knapp erreicht werden. «Vor allem die Nachjagd brachte gute Resultate», so Eugster. Um den Abschuss zu erreichen, hat das ANJF die Jagd auf Rothirsche, die eigentlich am 15. Dezember endet, bis Ende Jahr verlängert.

Im Toggenburg wurden die Abschusszahlen nicht ganz erreicht. «Wie in der ganzen Schweiz ist der Hirschbestand auch bei uns ansteigend», sagt Urs Büchler. Und da die Tiere so intelligent sind, sei deren Regulation eine «grosse Herausforderung», ist der Toggenburger Wildhüter überzeugt.

Während sich die Hirsche konstant nach oben entwickeln, erfahren andere Tierarten in unseren Wäldern und Bergen grössere Schwankungen.

Erholungsphase für die Rehe

Die Rehe werden beispielsweise vom Luchs und von der Witterung stark beeinflusst. Während in den letzten Jahren die Luchs­präsenz im Aufsichtsgebiet von Urs Büchler stetig hoch war, schienen sie sich im Winter 2018/2019 für eine Weile aus dem oberen Toggenburg verabschiedet zu haben. «Ob dies nun aufgrund von Todesfällen oder Abwanderung der Fall war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen», so Urs Büchler. «Auf jeden Fall gab es im vorletzten Winter viel weniger Nachweise von Luchsen als sonst.» Vermutlich ist dies mit ein Grund, warum sich die Rehbestände letztes Jahr etwas erholen konnten, was sich auch auf guten Abschusszahlen im Toggenburg niederschlug. Der Abschuss 2019 ist im Toggenburg mit 487 Tieren sogar höher als die letzten vier Jahre. «Das Reh reagiert sofort auf sich ändernde Umwelteinflüsse, da sie einen hohen Zuwachs aufweisen», erklärt Urs Büchler. Das heisst, dass sie jedes Jahr relativ viele Jungtiere aufziehen können, wenn die Bedingungen gut sind.

Die Anzahl der Rehe hat sich letztes Jahr im oberen Toggenburg etwas erholt, was sich auch im hohen Abschuss zeigt.

Die Anzahl der Rehe hat sich letztes Jahr im oberen Toggenburg etwas erholt, was sich auch im hohen Abschuss zeigt.

PD

In den Werdenberger Revieren hat sich der Rehbestand laut Silvan Eugster auf tiefem Niveau eingependelt.

Gemsen wurden weniger bejagt

Bei den regionalen Abschusszahlen ebenfalls auffällig ist der tiefe Gemsabschuss. Damit reagiert man auf den Einbruch bei den Beständen. Im Gebiet der Churfirsten und am Rande des Alviers wütete letztes Jahr eine aggressive Gemsblindheit. «Während sonst meist junge oder schwache Tiere daran eingehen, betraf es dieses Mal auch viele mittelalte Gemsgeissen», sagt Urs Büchler. Diese sind aber ausgerechnet für den Bestand sehr wichtig. Silvan Eugster ergänzt:

«Wir haben die Gemsen sehr sorgfältig und vorsichtig bejagt.»

Ziel ist, dass die Bestände wieder ansteigen.

Fuchs und Dachs von Krankheiten geplagt

Die Staupe hat die Füchse und Dachse dezimiert. «Die Staupewelle hält immer noch an. Wir hatten viele verendete Tiere», sagt Urs Büchler. Im Werdenberg kommt bei den Füchsen noch die Räude hinzu. «Der Fuchsbestand ist zurzeit tief», sagt Silvan Eugster. Allerdings begünstige dies, dass die Krankheit wieder verschwindet, da die Ansteckungsgefahr sinke.

Eine Tierart mit stark schwankendem Bestand ist das Wildschwein. «Der strenge Winter 2018/2019 dürfte einerseits zu einer hohen Sterblichkeit bei den Jungtieren und andernfalls zu Fehlgeburten bei den Sauen geführt haben», schätzt Silvan Eugster. In der Tendenz sei der Wildschwein-Bestand im Werdenberg aber steigend.

Auch im Toggenburg gibt es Wildschweine. Dort hat aber der Winter ebenfalls einen grossen Einfluss auf den Bestand. Dies zeigt sich auch im Abschuss. Während im Jahr 2018 im Toggenburg sieben Wildschweine geschossen wurden, waren es ein Jahr darauf nur noch drei. Auf jeden Fall haben beide Wildhüter letztes Jahr eine Entspannung in Sachen Wildschweinschäden feststellen können. Für dieses Jahr dürfte dies anders aussehen. «Der Winter 2019/2020 war mild, davon haben die Wildschweine wie auch die anderen Huftiere profitiert», so Urs Büchler.