Wespen sind unbeliebt, aber nützlich: Den Feuerwehren bescheren sie Zusatzarbeit

Mancher Restaurantgast ärgert sich über die schwarz-gelb gestreiften Plagegeister, die über dem erfrischenden Süssgetränk kreisen. Diesen Sommer fliegen überdurchschnittlich viele Wespen in der Region umher. Auch die Feuerwehren haben mehr zu tun und melden deutlich mehr Einsätze als noch im letzten Jahr.

Remo Künzler
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Kaum steht das Essen draussen bereit, nähern sich die Wespen.

Kaum steht das Essen draussen bereit, nähern sich die Wespen.

Klaus Schulmann / / 500px

Die Bratwürste sind braun gegrillt, der Tisch ist gedeckt. Doch kaum sitzt man vor seinem eigenen Teller brummt und summt es rund um den eigenen Kopf. Eine Gruppe von Wespen hat die Beute ins Visier genommen und konkurriert mit den Menschen um die Häppchen. Eine Szenerie, die in diesem Sommer so manch einem bekannt vorkommt.

Milde Winter könnte Schuld sein

Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums St.Gallen, bestätigt, dass derzeit viele Wespen unterwegs sind: «Das Wetter ist günstig. Zudem sucht ein Schwarm oftmals die Nähe zu den Menschen, da es in den Nestern viele Larven zu füttern gibt.» Ein Faktor für die grosse Anzahl von Wespen könne der milde Winter sein. Normalerweise überlebe bei den Wespen nur die Königin die kalte Jahreszeit – nicht wie bei den Bienen, die Arbeiterinnen sterben alle. Bürgin sagt:

«Es ist durchaus möglich, dass der milde Winter mehr Königinnen überleben liess. Diese Selektion wäre somit weniger einschneidend gewesen als sonst.»

Feuerwehren schon etliche Male ausgerückt

Dies beschert auch den Ostschweizer Feuerwehren Zusatzarbeit. «Im Jahr 2020 mussten wir überdurchschnittlich viele Wespeneinsätze bewältigen», sagt Matthias Rutzer, Kommunikationsverantwortlicher der Feuerwehr der Stadt St.Gallen. So seien die Einsatzkräfte in diesem Jahr bereits 83 Mal wegen eines Wespenschwarms ausgerückt. «Das ist noch kein Allzeithoch, aber bereits mehr als noch im Jahr 2019.»

Auch im Rheintal sind die Wespen äusserst aktiv. Die Feuerwehr Berneck-Au-Heerbrugg meldet Mitte August bereits 55 Wespeneinsätze, wie Feuerwehrkommandant Markus Köppel berichtet. Köppel sagt: «Zum gleichen Zeitpunkt in den letzten zwei Jahren hatten wir mit 20, beziehungsweise 24 Fällen deutlich weniger zu tun als in dieser Sommerperiode.» Köppel rechnet damit, dass man bis gegen Ende Oktober mit Wespen zu tun haben werde.

Dass Wespen aggressiv sind, ist ein Mythos

Die lästigen Insekten haben keinen guten Ruf in der Gesellschaft. Hinzu kommen Gerüchte und Mythen, die schlicht nicht stimmen. Der St.Galler Biologe Jonas Barandun engagiert sich seit 1980 für den Artenschutz in der Region St.Gallen-Appenzell. Er kann ein paar dieser Mythen widerlegen. Ein Beispiel? Ein weit verbreiteter Mythos ist der, dass die Wespen von Natur aus aggressive Kreaturen seien. Der Museumsdirektor sagt:

«Das stimmt nicht. Wenn Wespen Futter wahrnehmen, dann fliegen sie relativ hektisch darüber umher. Dies hat mit ihrer Orientierung zu tun. Sie sind nicht von Natur aus aggressiv.»

Ein weiteres Märchen aus dem Volksmund: Wespen haben gar keinen Zweck. Für Toni Bürgin muss dieser Mythos ähnlich entstanden sein, wie bei den Stechmücken.

«Dies ist klar widerlegt. Wespen spielen eine wichtige Rolle in der Natur», sagt der Museumsdirektor. Während der Brutzeit benötigen sie eiweissreiche Nahrung und würden so viele Insekten, darunter auch viele Schadinsekten, vertilgen. Und: «Ich würde sagen, sie gehören zur Kategorie der ‹Nützlinge›». Es sei wissenschaftlich unbestritten, «dass es Wespen in unseren Ökosystemen braucht».

Im Internet sind unzählige Tipps und Tricks zu finden

Obwohl ein paar der Mythen rund um die Abwehr der schwarz-gelben Insekten widerlegbar sind, heisst das nicht, dass man ihnen hilflos ausgeliefert ist. Im Internet gibt es unzählige Tipps und Tricks, wie man die Wespen vom eigenen Teller fernhalten kann.

Nicht alle aber stimmen: Ein Ratschlag besagt, dass man die Tiere mit der Hilfe von Kupfermünzen loswird. Diese soll man zwischen den Fingern reiben und auf dem Tisch verteilen.Dazu sagt Barandun: «Es gibt keinen rationalen Hinweis, dass dieser Trick irgendeine Wirkung haben soll.» Woher das Gerücht stammt, kann er sich auch nicht erklären.

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