Werdenberg/Liechtenstein
Vier Naturverbände fordern: Nicht nur die Rheindämme sollen saniert, sondern der Fluss soll auch aufgeweitet werden

Zu einer Online-Veranstaltung mit Diskussion luden vier Organisationen aus dem Raum Werdenberg, Liechtenstein und Sarganserland auf. Sie orientierten über den Rhein, Dammsanierungen und Gewässerraumaufweitungen.

Heini Schwendener
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Vorläufig erst eine Visualisierung davon, wie das Rhesi-Proejkt den Rhein im Raum Kriessern/Mäder verändern könnte.

Vorläufig erst eine Visualisierung davon, wie das Rhesi-Proejkt den Rhein im Raum Kriessern/Mäder verändern könnte.

Visualisierung: PD

Zum Weltfeuchtgebietstag am 2. Februar organisierten vier Naturverbände eine Online-Veranstaltung zum Thema Rheinaufweitungen. Sie fordern, dass nicht nur ein paar Rheindammabschnitte saniert werden, sondern gleichzeitig wo möglich auch der Fluss aufgeweitet und renaturiert wird. Rund 60 Personen folgten der Einladung, darunter Fachleute des Gewässerbaus, Politikerinnen und Behördenmitglieder, Interessenvertreter und sonstige Interessierte.

Den Online-Anlass nutzten die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU), die Werkstatt Faire Zukunft (WFZ), die Botanisch-Zoologische Gesellschaft Liechtenstein-Sarganserland-Werdenberg und der Liechtensteinische Ornithologische Landesverband, um ihre Positionen zum Thema Rhein auszubreiten und anschliessend zur Diskussion zu stellen.

Der Rhein fliesst in einem engen Korsett

Seit mehr als 130 Jahren fliesse der Alpenrhein in einem Korsett zum Bodensee, sagte Elias Kindle, Geschäftsführer der LGU. Wenn nun Rheindämme aus Gründen der Hochwassersicherheit zu sanieren seien, müsse gleichzeitig über Rheinaufweitungen nachgedacht werden. Der Rhein würde somit nicht mehr durch sein Korsett beschleunigt, sondern entschleunigt. Damit, so Kindle, entstehe ein Mehrwert für Natur und erholungsuchende Menschen. Gleichzeitig werde auch dem Aspekt der Hochwassersicherheit Rechnung getragen. Der Fischreichtum würde wieder grösser.

Kindle verwies darauf, dass es früher im Alpenrhein 30 Fischarten gab, heute seien es noch 17, von denen sich nur noch sechs Arten natürlich fortpflanzen könnten. Elias Kindle und Andi Götz aus Sevelen von der WFZ erläuterten anhand erfolgreicher Renaturierungen (Thur, Werdenberger Binnenkanal usw.) und angedachter Grossprojekte im Raum Maienfeld/Bad Ragaz sowie «Rhesi» von der Illmündung bis zum Bodensee, wie der Rhein stellenweise bis zu 380 Meter aufgeweitet werden soll.

Weil im Raum Liechtenstein/Werdenberg verschiedene Dammsanierungen anstehen, forderten Götz und Kindle, dass dabei auch mögliche Rheinaufweitungen umgesetzt werden. Der in Sevelen aufgewachsene

Frühzeitig alle Beteiligten einbeziehen

Christian Göldi gilt als Pionier des ökologischen Flussbaus in der Schweiz. Er zeigte, bildlich untermauert, erfolgreiche Renaturierungsprojekte und betonte, wie wichtig es sei, dass alle Beteiligten frühzeitig in solche Prozesse miteinbezogen werden, um eine Einsprachenflut zu verhindern. Christian Göldi schlägt vor, auf dem Rheinabschnitt Liechtenstein/Werdenberg überall zu bezeichnen, wo saniert und wo aufgeweitet werden könnte.