Werdenberger Autorin ärgert sich über neues Postformular

Seit dem 1. Januar ist es reichlich kompliziert, eine Tafel Schokolade nach Deutschland zu senden. Aufgrund einer internationalen Neuerung sehen sich Postkunden mit einem neuen Online-Formular konfrontiert.

Katharina Rutz
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Für Auslandpakete muss neu online ein umfangreiches Formular ausgefüllt werden.

Für Auslandpakete muss neu online ein umfangreiches Formular ausgefüllt werden.

Corinne Hanselmann

Wer ein Paket ins Ausland versenden will, kann nicht mehr einfach die grüne Klebeetikette am Postschalter ausfüllen, wenn er beispielsweise Schweizer Pralinen an die deutsche Grosstante senden möchte. Aufgrund einer internationalen Änderung beim Postversand von Paketen und Briefen mit Wareninhalt müssen die Daten neu elektronisch erfasst und dem Bestimmungsland vorab übermittelt werden. Dazu muss online ein umfangreiches Formular ausgefüllt werden. Wer das nicht selber tun möchte, kann es sich für drei Franken auch am Postschalter ausfüllen lassen.

Diese Neuerung sorgt offenbar bei den Postkunden für einen Haufen Ärger. Die Autorin Alice Gabathuler aus Werdenberg war mit dem neuen Formular konfrontiert, weil sie eines ihrer Bücher als Geschenk nach Deutschland senden wollte. Auf den sozialen Medien macht sie ihrem Ärger Luft. Das Echo von Postkunden, die sich ebenfalls über das neue Vorgehen ärgern, ist erstaunlich gross. Ein Twitter-Post von Alice Gabathuler gelangt so gar bis zur Schweizerischen Post. Woraufhin sie von einem Post-Mitarbeiter kontaktiert wurde. Der W&O hat nachgefragt.

«Ich war heute mit zwei Paketen und einem Brief auf der Post – und bin mit zwei Paketen und einem Brief wieder nach Hause gegangen, weil es mir sämtliche Sicherungen durchgeknallt hat», beschreibt sie später auf Facebook.

«Ich war wirklich genervt»,

bestätigt sie auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung. Die Postangestellte könne nichts dafür, die ihren Wutausbruch dann habe ertragen müssen, so Gabathuler schuldbewusst. Die Autorin hatte bereits eine Odyssee mit dem Ausfüllen des neuen Online-Formulars für Warensendungen ins Ausland hinter sich.

Das Online-Formular besteht aus mehreren Seiten und ohne alle Pflichtfelder ausgefüllt zu haben, kommt man nicht weiter. Allerdings geriet sie bereits ins Stocken, als sie vom Empfänger entweder E-Mail-Adresse oder Telefonnummer angeben musste. Zwar kann man da auch seine eigene eingeben, allerdings ist dies nirgends beschrieben. Weitere Hürden gab es auf der nächsten Seite, wo plötzlich Zolltarifnummern und Exportlizenzen gefragt sind.

«Einen Bachelor im Formularausfüllen und eine Logistikausbildung braucht man, um heute ein Paket ins Ausland zu senden»,

sagt Alice Gabathuler. Diese Nummern sind zwar nicht mit einem Stern versehen und somit keine Pflichtfelder, aber das war die E-Mail-Adresse des Empfängers ja auch nicht und trotzdem kam man ohne diese nicht weiter. Alice Gabathuler versuchte es also bei der Hotline und dass man da ausgerechnet am längsten wartet, wenn man eh schon genervt ist, kennt wohl jeder. Schliesslich fand Alice Gabathuler im Internet ein einfacheres Formular, füllte dieses aus und ging damit zur Post. Leider war es das falsche Formular, wie ihr die eingangs erwähnte Postangestellte höflich erklärte. Ebenfalls bot sie Alice Gabathuler an, ihr das Formular auszufüllen, für drei Franken.

Gang in die Filiale wird überflüssig

Dies brachte das Fass für die Autorin zum Überlaufen. Sie findet die Preise der Schweizerischen Post ohnehin schon zu hoch. «Dennoch war ich immer eine treue Kundin der Post und ging auch immer in die Filiale», sagt sie. Damit sei nun Schluss. Nachdem sie bei der Hotline doch noch Hilfe bekam und nun weiss, wie gleichzeitig auch die Frankierung erledigt werden kann, werde sie das nur noch online machen.

In den sozialen Medien erzählte sie diese Postgeschichte und erhielt erstaunlich viel Zuspruch. Die Kommentare zeigten, dass es mittlerweile fast schon üblich ist, für die Aufgabe von Briefen ins nahe Ausland zu fahren oder sich gar an der Grenze ein Postfach zu unterhalten. Alice Gabathuler erhielt auf jeden Fall viele Angebote aus ihrem Bekanntenkreis, ihr Paket das nächste Mal mitzunehmen, wenn man nach Deutschland fahren würde, um seine Postgeschäfte zu erledigen.

Post trifft keine Schuld am neuen Formular

Was das neue Formular betrifft, so kann die Schweizerische Post nichts dafür. «Ab 2020 müssen die Sendungs- und Inhaltsangaben sowie die Absender- und Empfängerangaben von allen Postsendungen (also auch von Briefen) mit Wareninhalt von der Schweiz ins Ausland zwingend elektronisch erfasst und dem Bestimmungsland vorab übermittelt werden.» Dies schreibt Erich Goetschi, Mediensprecher der Post, auf Anfrage. Die neuen Vorgaben würden unter anderem von der EU und von Luftfahrtgesellschaften gefordert. Sie seien international verbindlich. Sie werden durch den Weltpostverein (UPU) in Zusammenarbeit mit der International Post Corporation (IPC) koordiniert. Laut Erich Goetschi hat das neue Formular auch Vorteile:

«Dank der elektronischen Voranmeldung wird das Päckli bereits im Ausland erwartet und kann so schneller verzollt und verarbeitet werden. Gerade für Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke eine gute Sache.»

Die Hotlines laufen offenbar ob dem neuen Formular nicht gerade heiss. Erich Goetschi sagt: «Ein Grossteil unserer Kunden scheint keine Schwierigkeiten damit zu haben, die sogenannten Begleitpapiere CN 22 oder CN 23 online auszufüllen.»

Mit der Anzahl an Filialen habe das Ganze keinen Zusammenhang, betont der Mediensprecher. «Immer mehr Kunden erledigen ihre Postgeschäfte vermehrt rund um die Uhr und unterwegs. Die Post passt die Zugangspunkte zu postalischen Dienstleistungen aufgrund der sich verändernden Kundenbedürfnisse laufend an», so Goetschi. Er betont jedoch auch: «Die Post bekennt sich klar zu ihren eigenbetriebenen Filialen. Sie bilden das Rückgrat des Postnetzes. Die Post wird künftig voraussichtlich 800 bis 900 Filialen führen.»