Werdenberg

Verein Schloss Werdenberg zieht Bilanz: Veranstaltungen wurden abgesagt, aber Schloss und Schlangenhaus waren teilweise besser besucht denn je

Auch dem Verein Schloss Werdenberg hat das Coronajahr 2020 wie allen Kulturunternehmen weltweit ordentlich zugesetzt. Die Museen blieben bis Mitte Mai geschlossen, alle Veranstaltungen, die für das Frühjahr geplant waren, mussten samt und sonders abgesagt werden.

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Die Schlossmediale konnte dieses Jahr nicht stattfinden. (Auf dem Bild zu sehen ist die Schlossmediale 2019 «Gold».)

Die Schlossmediale konnte dieses Jahr nicht stattfinden. (Auf dem Bild zu sehen ist die Schlossmediale 2019 «Gold».)

Archivbild: Anja Koehler

(pd) Zu den abgesagten Veranstaltungen gehörte nicht nur die Schlossmediale, die zu Pfingsten hätte stattfinden sollen, sondern etwa auch der beliebte und stets gut besuchte Mittelaltertag, der für Juni geplant war. Die künstlerische Leiterin Mirella Weingarten sagt:

«Die Absage unseres Festivals war ein wirklich schmerzlicher Verlust.»

Stattdessen streamten zahlreiche Schlossmediale-Künstlerinnen und -Künstler Ausschnitte ihrer Konzerte live aus ihren Wohnzimmern: «Das war zu Beginn der Krise noch ungewöhnlich und somit wenigstens ein kleiner Trost». Das Festival wurde mitsamt seinen Mitwirkenden und Konzerten ins kommende Jahr verschoben: Neuer Termin ist vom 21. – 30. Mai 2021.

Museen gut besucht

Es gab aber auch einen Lichtblick im düsteren Jahr: Denn die Museen Werdenberg konnten im Sommer eine durchaus erfreuliche Bilanz ziehen, wie der Verein Schloss Werdenberg in seiner Mitteilung schreibt. Da viele Menschen ihren Urlaub in der Schweiz verbrachten, waren Schloss und Schlangenhaus zum Teil besser besucht denn je: «Obwohl zwei Drittel der normalerweise gebuchten privaten Führungen wegfielen, kamen letztlich mehr Menschen in die Museen. Vor allem Schweizer Touristen entdeckten das Schloss für sich: Nicht wenige davon kamen überhaupt zum ersten Mal in die Region. So sind wir in dieser Hinsicht mit etwas Glück glimpflich davongekommen», bilanziert Schlossleiter Thomas Gnägi.

Weil viele Schweizer im Sommer nicht wegfahren konnten, besuchten Sie das Schloss Werdenberg und das Schlangenhaus.

Weil viele Schweizer im Sommer nicht wegfahren konnten, besuchten Sie das Schloss Werdenberg und das Schlangenhaus.

PD

Aber natürlich gab es auch Einbussen zu verzeichnen: Die Einnahmen der vielen abgesagten Veranstaltungen und privaten Anlässe wie Hochzeiten, Caterings, Gruppenführungen und Apéros sind geradezu eingebrochen.

«Kultur – allen Widrigkeiten zum Trotz»

Wie aus einer anderen Welt erscheinen heute im Rückblick der ausverkaufte Abend «Literatur am Kachelofen» mit dem bekannten Schweizer Autor Lukas Bärfuss im Januar sowie im März die Lesung mit Doris Röckle und der beliebte »Irish Evening im Bistro», die alle noch zu ganz normalen Bedingungen über die Bühne gingen.

Die Veranstaltungen, die von Ende Juli bis zum Saisonabschluss im Oktober stattfinden konnten, darunter die Sommerakademie, Reiseziel, Museum, das Flussfilmfestival Werdenberg/Liechtenstein, das Ensemblekonzert der Musikschule Werdenberg und die Neuauflage der Reenactment-Führung «Friedrichs Verhängnis», mussten zwar coronakonform gestaltet werden, waren aber dennoch äusserst gut gebucht oder sogar ausverkauft.

Prophetisches Jahresthema «Gross und Klein»

«Schutzkonzepte und Auflagen erforderten im Schloss eine Menge organisatorischer Knobelei: Es war eine Herausforderung, allem mit Gelassenheit zu begegnen und den Gästen allen Widrigkeiten zum Trotz einen feierlichen Rahmen für Kultur zu bieten», bilanziert Thomas Gnägi.

Das Jahresthema «Gross und Klein», das nun im 2021 noch einmal aufgenommen wird, hat sich in diesem Jahr als geradezu prophetisch erwiesen: «Nie hätten wir gedacht, dass etwas so Winziges wie ein Virus unsere ganze, grosse Welt lahmlegen könnte», sinniert Mirella Weingarten, «und so werden wir uns nun dieses Thema 2021 nochmal mit ganz anderen Augen ansehen!»