Der W&O ist 150 Jahre alt. Am 11. Dezember 1869 erhielt das Werdenberg eine eigene Zeitung

Aus dem vor 150 Jahren gegründeten «Werdenberger» wurde 1882 der «Werdenberger & Obertoggenburger».

Heini Schwendener
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Um 1906: Blick auf die grosse Schnellpresse und die Tiefdruckpresse im Maschinensaal.
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Das alte Geschäftshaus an der Bahnhofstrasse in Buchs, später war es das Gebäude von Radio Eggenberger.
Der alte Setzersaal um 1906.
Zeitungsleser nutzen den Aushangkasten des W&O (Aufnahme von 1973).

Um 1906: Blick auf die grosse Schnellpresse und die Tiefdruckpresse im Maschinensaal.  

Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer

In den 1860er-Jahren wurden im Werdenberg und Obertoggenburg schon Zeitungen gelesen, sie stammten allerdings aus anderen Landesteilen. Der Gemeinnützige Verein des Bezirks Werdenberg griff darum 1867 die Wünschbarkeit einer werdenbergischen Zeitung auf. «Informationsvermittlung wurde als gesellschaftspolitische Notwendigkeit erkannt, und sie sollte in einer eigenen, auf die spezifischen Bedürfnisse der Region zugeschnittenen Zeitung erfolgen», schrieb Hans Jakob Reich, damaliger W&O-Chefredaktor, in der Beilage zum 125-Jahr-Jubiläum.

Jakob Kuhn, ein gelernter Buchdrucker, hat am 11. Dezember 1869 diese Lücke gefüllt, indem er die erste Nummer des «Werdenbergers» herausgab.

Männer des Freisinns kaufen die Zeitung und die Druckerei

Kuhn druckte in seiner Offizin, wie damals eine Druckerei auch bezeichnet wurde, nicht nur eine Zeitung, sondern auch Broschüren, Reglemente, Visitenkarten, Verlobungskarten, Rechnungsformulare, Plakate usw. Im Jahr 1882 wurde aus dem «Werdenberger» dann der «Werdenberger & Obertoggenburger». Im Januar 1885 erwuchs dem W&O kurzzeitig Konkurrenz durch den «Werdenberger Volksfreund», doch der wurde bereits im Juli des gleichen Jahres wieder eingestellt.

Der «Werdenberger & Obertoggenburger» war 1869 aus politischen Motiven ins Leben gerufen worden, und er hatte, wie alle anderen Zeiten damals auch, eine klare politische Grundhaltung. 1905 trat diese vor allem zu Tage, als einige führende Vertreter des Werdenberger Freisinns mit dem späteren Nationalrat Gallus Schwendener an der Spitze die Buchdruckerei Buchs AG gründeten und die Kuhn’sche Buchdruckerei und den Verlag des «Werdenberger & Obertoggenburger» übernahmen. Der «W&O»-Gründer Jakob Kuhn war nämlich in finanzielle Schwierigkeiten geraten, so dass seine Druckerei und die Zeitung vorübergehend ins Eigentum der Werdenbergischen Spar- und Leihanstalt übergegangen war. Gallus Schwendener war von 1906 bis 1929 der erste Präsident des Verwaltungsrates der Buchdruckerei Buchs AG (heute heisst dieses Unternehmen Buchs Medien AG).

Ausdruck der politischen Aufspaltung

Schon im ersten Jahr des Bestehens stellte die neue Aktiengesellschaft ihre Existenzfähigkeit unter Beweis, auch wenn die Rendite vorerst nur eine bescheidene war. Jakob Kuhn (1837–1916) wollte es zusammen mit seinen Söhnen noch einmal wissen. 1906 – ein Jahr nachdem er seinen W&O verloren hatte – gründete er eine neue Druckerei und gab fortan die Zeitung «Werdenberger Nachrichten» heraus. Diese Gründung war auch ein Ausdruck der politischen Aufspaltung in jener Zeit.

Während der W&O dem Freisinn verbunden war, wurden die «Werdenberger Nachrichten» zum Organ der Partei der Demokraten, deren Mitglieder sich aus Kreisen der Arbeiterschaft und Angestellten zusammensetzten. 1966 verschwand der damals 60-jährige W&O-Konkurrent wieder vom Markt, derweil es den W&O heute immer noch gibt.

Hinweis:
Dem W&O vom Donnerstag,  11. Dezember, liegt eine 18-seitige Jubiläumsbeilage bei. Hier steht sie zum Download bereit:

Beilage 150 Jahre W&O.pdf