Wenn die Polizei zur Kasse bittet 

Bei manchen Fahrern kochen die Gemüter auf, wenn der Radar ein Foto von ihnen knipst. Dabei sind die Überwachungsanlagen vielmehr eine Bestätigung, dass sich eine angemessene Fahrgeschwindigkeit lohnt.

Gary Kaufmann
Drucken
Teilen
Von den Verkehrsbussen profitieren weder die Landespolizei noch der Liegenschaftseigentümer. (Bild: Daniel Schwendener)

Von den Verkehrsbussen profitieren weder die Landespolizei noch der Liegenschaftseigentümer. (Bild: Daniel Schwendener)

Der graue Kasten grüsst per rotem Blitzlicht den Strassenverkehr von einem neuen Standort und schon fängt das Fluchen wieder von vorne an. «Die ‹Blitzer› werden bloss aufgestellt, damit sich die Beamten daran bereichern können», dürften viele Ertappte anschliessend als Selbstverteidigung äussern. Um die mobilen Radaranlagen ranken sich zahlreiche solcher Mythen, die sich über die Stammtische sowie andere Kanäle längst als Halbwissen verbreitet haben.

In diesem Fall sieht die Wahrheit so aus: Die Verkehrsbussen wandern nicht in die Kaffeekasse der Landespolizei, sondern ins Staatsbudget. «Die Regierung verfügt darüber», erklärt Sibylle Marxer, Mediensprecherin der Landespolizei. Im Durchschnitt bewegen sich die Einnahmen zwischen 1,1 und 1,3 Millionen Franken pro Jahr.

Erinnerung für sämtliche Verkehrsteilnehmer

Insofern würden die Radare auch nicht dort aufgestellt, wo sie am meisten «Profit» abwerfen. «Dann würden die Anlagen wohl nicht so lange an einem Ort stehen bleiben. Zudem kommunizieren wir offen, wo sie sich gerade befinden», ergänzt die Mediensprecherin. Zu den entscheidenden Faktoren gehören eine feststellbare Zunahme an Tempoüberschreitungen oder Standorte, an denen ein erhöhtes Gefahrenpotenzial bestehe. Indizien hierfür seien Fussgängerfrequenzen, Schulwege und Meldungen aus der Bevölkerung.

Die Landespolizei nehme die eingehenden Hinweise sehr ernst. «Häufig kommen diese von Anwohnern. Dann fragen wir, ob wir die Anlage auf ihrem Anwesen aufstellen dürfen.» Auch für jene Bürger, die ihr Grundstück zur Verfügung stellen, sei der Radar kein Gewinngeschäft. «Es werden bloss die Kosten für jenen Strom zurückerstattet, den der Radar gemäss Berechnungen benötigt.»

Offene und verdeckte Kontrollen notwendig

Eine böse Absicht stecke nicht hinter den Kontrollen. «Es soll sich im Unterbewusstsein der Verkehrsteilnehmer verankern, dass sie für ein korrektes Fahrverhalten bestätigt werden», beschreibt die Mediensprecherin ihren Zweck. Genau aus diesem Grund seien sowohl offene als auch verdeckte Kontrollen notwendig, wofür ein grauer VW Caddy zum Einsatz kommt. «Wenn die Landespolizei nur getarnt kontrolliert, würde das ja bloss ein kleiner Teil der Verkehrsteilnehmer mitbekommen. Nämlich die, welche gebüsst werden. Für das korrekte Verhalten fehlt dann die Bestätigung.»

Durch die mobilen Überwachungsanlagen seien hingegen sämtliche Verkehrsteilnehmer daran erinnert, jederzeit angemessen zu fahren. «Deshalb werden die Anlagen auch oft gut erkennbar aufgestellt.» Marxer hält fest, dass auf den Strassen ganz andere Gefahren als Verkehrsbussen lauern. Wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halte, nehme das Umfeld besser wahr und habe mehr Zeit, um zu reagieren.