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Buchs: Wenn das Uhrmacher-Herz höher schlägt

In seiner Freizeit baut Mario Scarpatetti komplizierte Uhren – alles in Handarbeit. Sein ganzer Stolz ist eine Uhr mit ewigem Kalender, der Schaltjahre über die Jahrhundertschwelle erkennt – dank seiner Erfindung: einem Rad, das sich in 400 Jahren einmal dreht.
Ursula Wegstein
Der Uhrmacher Mario Scarpatetti an seinem Arbeitsplatz beim Uhrenfachgeschäft Letta in Buchs. (Bilder: Heini Schwendener/PD)

Der Uhrmacher Mario Scarpatetti an seinem Arbeitsplatz beim Uhrenfachgeschäft Letta in Buchs. (Bilder: Heini Schwendener/PD)

Seinem Namen nach müsste Mario Scarpatetti eigentlich Schuhmacher sein. Doch er ist Uhrmacher. Ein Uhrmacher aus Leidenschaft. Einer, dessen Gedanken in jeder freien Minute um Uhren und die Frage kreisen, wie sich das ein oder andere Detail noch verbessern lässt. Einer, der samstags um sechs Uhr morgens aufsteht. Und dann einmal rund um die Uhr, bis zum Abend um 18 Uhr an seiner Entwicklung baut. Gegessen wird nur mal schnell etwas zwischendurch. Und er ist einer, der sonntags auf dem Sofa seine Uhr-Projekte weiter plant. Auch Mittagspause bei seinem Arbeitgeber, der Letta Buchs AG, wo er hauptberuflich Uhren repariert und restauriert, hält er bewusst kurz. So gewinnt er Zeit, um an seinen Uhren-Projekten weiter zu tüfteln.

Die «Calender Perpeten» verfügt über neun Anzeigen.

Die «Calender Perpeten» verfügt über neun Anzeigen.

Sein grosses Ziel ist es, einmal mit seinen Uhren Erfolg zu haben. «Es wäre mein Traum, wenn ich hauptberuflich meine eigenen Uhren herstellen könnte», erzählt er. «Wenn ich einen Namen hätte, den man mit Uhren verbindet. Vielleicht sogar eine eigene Marke», so Scarpatetti weiter. Auf jeden Fall möchte er das Uhrmacherhandwerk weiterbringen.

Wissen und Fähigkeiten gehen verloren

«Früher gab es viel mehr Uhrmacher», erzählt er. Leider gehen das Wissen und die Fähigkeiten immer mehr verloren. Die grossen Uhrenmarken liessen für ihre neuen Ideen von einem Entwicklungsteam einen Prototyp erarbeiten. Die Uhren selbst würden dann überwiegend von computer-gesteuerten Maschinen hergestellt.

Die Idee für sein jüngstes Projekt, eine Uhr mit ewigem Kalender, die auch über die Jahrhundertschwelle hinweg die Schaltjahre richtig erkennt, kam dem 27-jährigen Uhrmacher-Rhabilleur auf dem Heimweg im Zug von Buchs ins bündnerische Parsonz. «Unterwegs im Zug habe ich mich gefragt, warum die ewigen Kalender nicht erkennen, ob ein Jahrhundert ein Schaltjahr ist oder nicht. Ohne Korrektur laufen sie nur einhundert Jahre genau».

Uhr erkennt Schaltjahre und ungleich lange Monate

Irgendwann kam ihm dann die Idee. Und er erfand ein Rad, das für eine Umdrehung ganze 400 Jahre braucht. Dieses Rad steuert den ewigen Kalender. Die Uhr erkennt selbstständig alle ungleichlangen Monate und alle Schaltjahre. Diese Erfindung hat Scarpatetti zum Patent angemeldet.

An einer Drehbank für Metall dreht Scarpatetti einen Pfeiler aus Messing.

An einer Drehbank für Metall dreht Scarpatetti einen Pfeiler aus Messing.

Seine Idee hat der junge Uhrmacher zu Hause aufskizziert. Dann begann die grosse Planung, Berechnung und schliesslich das Design der Uhr. Scarpatetti überlegte sich, über welche Anzeigen seine Uhr verfügen sollte. Und was an welchen Platz kommt. Das Wissen dazu hat sich der Uhrenbegeisterte Schritt für Schritt selbst angeeignet. Nachgelesen. Ausprobiert. Und alles von Hand gearbeitet. Ausgesägt. Gefräst. Gefeilt. Und immer wieder angepasst. In seiner Werkstatt in Parsonz, wo er Zuhause ist, verfügt der Uhrmacher über verschiedene spezielle und seltene Maschinen, die diese Art von Handarbeit noch ermöglichen.

53 Zahnräder, 570 Bestandteile

In der Schweiz gebe es heute nur noch sehr wenige Uhrmacher, die so arbeiten wie er selbst. Wenn er nicht sogar der Einzige ist, so die Einschätzung von Mario Scarpatetti.

Insgesamt besteht sein Uhrwerk «Calender Perpeten» aus 53 ineinandergreifenden Zahnrädern. Das schnellste dreht sich einmal pro Minute, das langsamste braucht für eine Umdrehung 400 Jahre. Das Uhrwerk besteht aus 570 Bestandteilen und lässt sich in 478 Einzelteile zerlegen.

Entstanden ist die Idee zu dieser Uhr Anfang Jahr 2016. Mit dem Fräsen der ersten Zahnräder begonnen hat Scarpatetti nach der Planung und Konstruktion im Frühling 2016.

Geduld, Frustrationstoleranz und räumliches Denken

Woher kann er das überhaupt? «Schon während meiner Ausbildung zum Uhrmacher-Rhabilleur habe ich immer ein bisschen mehr gelernt», sagt Scarpatetti. Als es konkret wurde, habe er recherchiert, sich über das Material informiert. Und ja, ehrgeizig sei er schon auch. «Für mich ist Uhrmacher nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Hobby», sagt er.

Dass er wirklich Freude hat, an dem was er tut, sieht man ihm an. Inmitten all der Stand- und Wanduhren, die ihn an seinem Arbeitsplatz umgeben, die er repariert und restauriert, schlägt sein Uhrmacher-Herz höher. Die Mechanik ist es, was ihn besonders fasziniert. Darum entwirft und baut Scarpatetti gerne grosse Uhren, bei denen man die Mechanik sehen kann.

Mit einem Gasbrenner härtet Scarpatetti ein Stahlteil, damit es weniger schnell verschleisst.

Mit einem Gasbrenner härtet Scarpatetti ein Stahlteil, damit es weniger schnell verschleisst.

Seine Arbeitsstunden, die er zum allergrössten Teil in seiner Freizeit erbracht hat, hat der Uhrmacher nicht gezählt. «Grob geschätzt habe ich während zweieinhalb Jahren jeweils zwölf Stunden pro Woche daran gearbeitet», so der Uhrenfreak.

Natürlich lief der ganze Planungs- und Bauprozess seiner Uhr nicht immer glatt. «Es braucht viel Geduld. Und eine hohe Frustrationstoleranz», erzählt Scarpatetti. Ebenso räumliches Vorstellungsvermögen sei für seine Arbeit wichtig. Manchmal habe er tatsächlich nicht weiter gewusst. «Dann hilft nur ausprobieren und nochmal ausprobieren. Oder mit jemandem reden».

Übereinstimmung von Mechanik und Zifferblatt

Eine Schwierigkeit war, zu erreichen, dass das Zifferblatt mit der Mechanik übereinstimmt. Damit ein Zeiger nicht dem anderen in die Quere kommt, komme es auch auf den richtigen Platz auf der Platte an. «Die grösste Herausforderung war die Schaltung der Jahreszahl», erzählt der Uhrmacher. Sie ist das letzte Rad in der Uhr.

Jede Anzeige kostet das Uhrwerk Kraft. So hat er berechnet, dass sein Uhrwerk ein Gewicht von 21 Kilogramm benötigt, um zu laufen. Ein Stein mit eben diesem Gewicht, ein Sassalbo aus dem bündnerischen Poschiavo, setzt die ganze Uhr in Bewegung. Die Uhr ist in Zusammenarbeit mit Markus Letta Senior und dem Restaurator Cornelius Moosberger aus Azmoos entstanden. Derzeit baut Scarpatetti die gleiche Uhr noch einmal nach. Theoretisch funktioniert der Mechanismus des ewigen Kalenders bis zum 31. Dezember 9999 vollständig automatisch. Und ohne jede Korrektur.

Hinweis

Die Uhr ist in den Verkaufsräumen der Letta Uhren Schmuck Manufaktur ausgestellt und kann dort während der Geschäftszeiten besichtigt werden.

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