Wein und Zeitung als Anti-Aging-Mittel

Das Altern aufhalten, geht das? Um diese Frage zu beantworten, lud das Seniorenforum Werdenberg den Kardiologen und Altersforscher David Kurz ein. In seinem Referat erläuterte er, wieso die Natur den Menschen altern lässt und was man dagegen tun kann.

Alexandra Gächter
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Das Seniorenforum Werdenberg zeigte durch das zahlreiche Erscheinen grosses Interesse am Referat über den Alterungsprozess. (Bild: Bilder: Alexandra Gächter)

Das Seniorenforum Werdenberg zeigte durch das zahlreiche Erscheinen grosses Interesse am Referat über den Alterungsprozess. (Bild: Bilder: Alexandra Gächter)

Die gute Nachricht zuerst: Das Ziel der Altersforschung ist, mit 90 Jahren so gesund wie mit 50 zu sein. Die schlechte Nachricht: Das Ziel ist noch nicht erreicht. Gewisse Menschen altern und sterben früher als andere. Wieso das so ist und wieso die Natur altersbedingte Krankheiten nicht ausgemerzt hat, darüber sprach PD Dr. David Kurz vergangenen Dienstag. Das Seniorenforum Werdenberg lud den für seine Altersforschung preisgekrönten Kardiologen des Stadtspitals Triemli in die Hochschule NTB ein.

Mit der Fortpflanzung ist der Dienst getan

Eine von David Kurz’ Aussagen liess gleich zu Beginn aufhorchen: Es gibt Körperzellen, die theoretisch unsterblich sind. Nur haben diese Körperzellen die Unsterblichkeit nicht aktiviert, da dies für den Körper zu aufwendig wäre. Die Energie steckt er lieber in das Wachstum in jungen Jahren. Die Natur habe kein Interesse daran, den Menschen als Individuum lebenslang zu erhalten, sondern nur die Menschheit im Allgemeinen, so David Kurz. Und dafür reicht es, das einzelne Individuum bis zum Abschluss der Fortpflanzung gesund zu erhalten. Danach kann aus Sicht der Natur der Erzeuger gefressen werden oder krankheitsbedingt sterben.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass der Körper bei der Zeugung das bessere der beiden Gene aussucht. Das ist zwar nicht falsch, nur erachte die Natur nicht das gleiche als gut wie der Mensch. Die Natur bevorzugt Gene, die dem Menschen in jungen Jahren möglichst viele Vorteile bringen. Dafür nimmt sie gerne in Kauf, wenn genau diese Gene im Alter grosse Nachteile mit sich ziehen. In der prähistorischen Zeit sind die meisten Menschen ohnehin vor ihrem 30. Geburtstag im Kampf gegen ein Raubtier oder an einer daraus resultierenden Infektion gestorben. Gene, welche im Alter eher eine Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung unterdrückten, konnten sich gegenüber denen, die zu einer schnelleren Wundheilung oder mehr Energie in jungen Jahren führten, nicht durchsetzen.

Kardiologe und Altersforscher David Kurz sprach über verschiedene Alterungstheorien. (Bild: Alexandra Gächter)

Kardiologe und Altersforscher David Kurz sprach über verschiedene Alterungstheorien. (Bild: Alexandra Gächter)

Diese Zusammenhänge konnten mit Tierversuchen bestätigt werden, so Kurz. Die Gene einer Gruppe Mäuse wurden dahingehend mutiert, dass ihr Krebsschutz überaktiv wurde. Die krebslosen Mäuse verloren ihr Fell, hatten eine schlechte Wundheilung, verkümmerte Organe und starben schliesslich früher als die Mäuse mit Krebs.

Fasten und Weintrauben verlängern das Leben

Kann der Mensch nun überhaupt etwas gegen das Altern tun? «Ja, er kann», sagte Kurz. Auch darüber wurde geforscht. Würmer und Mäuse lebten bei Experimenten 30 bis 50 Prozent länger, wenn man sie zum Fasten zwang. Zudem wiesen die Tiere weniger Krebs, Diabetes und Kreislauf-Erkrankungen auf. Eine vergleichbare Wirkung habe Resveratrol gezeigt. Da dieser Wirkstoff in roten Weintrauben enthalten ist, empfahl David Kurz den anwesenden Senioren schmunzelnd, sich hin und wieder ein Glas Rotwein zu gönnen. Für die Erhaltung der geistigen Fitness empfahl er, täglich die Zeitung zu lesen und Kreuzworträtsel zu lösen.

Das Alter ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Bei einer Umfrage habe sich ein Teil der unter 50-Jährigen bereits alt gefühlt, währenddessen fast ein Viertel der über 80-Jährigen fand, sie seien noch nicht alt, so Kurz. «Die meisten fühlen sich dann alt, wenn sie ihre Selbständigkeit, wie zu Hause wohnen oder Auto fahren, aufgeben müssen. Etwas weniger als die Hälfte assoziiert das Alter mit Vergesslichkeit und nur neun Prozent mit grauen Haaren», so Kurz. Und wann ist der Mensch betagt? Eine Meinungsumfrage ergab hierbei: Männer sind es mit 67 Jahren und Frauen mit 70 Jahren.

Aber auch für die Betagten ist noch nicht aller Tage Abend. Die verbleibende Lebenserwartung der heutigen 100-Jährigen beträgt noch gut zwei Jahre. Das derzeit biologisch mögliche Alter schätzt David Kurz auf 120 Jahre.