Weil die Aussagen der Opfer glaubwürdiger waren, verurteilte das Kreisgericht Mels einen Mann, der gegen einen Altersheimleiter tätlich wurde

Das Kreisgericht in Mels verurteilt einen 50-Jährigen, weil er den Leiter eines Altersheims bedroht und beschimpft hat. Einmal wurde er dabei gar tätlich. Jetzt muss er 90 Tagessätze zahlen und hat sich aus der Schweiz verabschiedet.

Reinhold Meier
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Für Rüpeleien gilt noch die alte Weltordnung.

Für Rüpeleien gilt noch die alte Weltordnung.

Bild: Fotalia

An der Verhandlung wurde rasch deutlich, dass es wohl ein tiefes Zerwürfnis zwischen dem Täter und dem Heimleiter aus der Region gibt. Der Beschuldigte konnte das Heim offenbar schon mal «einen huara Saftlade» nennen, die Mitarbeitenden «einen inkompetenten Haufen» und seinen Leiter «einen Tubl und Schofseckel», so die Anklage. Mehrfach sei es während zweier Jahre zu Konflikten gekommen, meist bei der Rückführung der Mutter nach einem Ausflug mit ihrem Sohn, dem nun Angeklagten.

Nach dem ersten Vorfall erliess das Heim ein Hausverbot. Ein halbes Jahr später betrat der Mann, laut Anklage ein Künstler, jedoch erneut das Heim. Wieder gab es Mais. Wenige Tage darauf telefonierte er mehrmals dem Heimleiter, legte dann jeweils auf und fluchte bei späteren Anrufen, er werde alle fertig machen, sie seien Schwänze und er werde die Familie des Heimleiters in die «neue Weltordnung» befördern.

«Erstunken und erlogen», behauptet der Angeklagte

Als er später einmal seine Mutter zurückbrachte, wurde er auf die Einhaltung der Besuchszeiten hingewiesen. «Halt die Fresse, sonst schlag i dir in diine Fresse», lautet die Antwort, so die Anklage weiter. Dabei hielt er seine Faust vor das Gesicht einer Mitarbeiterin und stiess sie mit den Ellenbogen. Dem Heimleiter stiess er mit beiden Armen in den Oberkörper und kündigte an, er werde ihn so zusammenschlagen, dass er nur noch am Boden winseln könne. Was folgte, war ein Strafantrag.

An Schranken machte der Mann nun geltend, die Vorwürfe seinen erstunken und erlogen. Der Heimleiter verbreite infame Lügen und habe seiner Mutter das Taschengeld weggenommen. Das sei übrigens kein Einzelfall, die Mutter werde auch sonst in ihrer Bewegungsfreiheit gehindert. Und der Leiter sei sogar tätlich geworden, das sei aktenkundig. «Ich arbeite gegen seine Machenschaften», gab er sich kämpferisch. «Solange der Strafanzeigen gegen mich stellt, hört das nicht auf.»

Der Mann sieht sich als Behördenopfer

Andererseits halte er das Ganze langsam nicht mehr aus, gab er sich phasenweise eher verzagt. Nach 50 Jahren habe er darum nun die Schweiz verlassen. «Es ist einfach zu viel vorgefallen.» Schon 2012 hatte er in anderem Zusammenhang eine Vorstrafe erhalten wegen Tätlichkeiten, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. «Die Bewährungshilfe ist aber Terror», befand er, das laufe nicht sauber. Er selbst befinde sich daher nun offiziell auf Reisen in Frankreich, lebe aber auf dem Hof eines Freundes dort und helfe ihm gegen Kost und Logis.

In Wahrheit sei er ein Behördenopfer und hoffe, man lasse ihn endlich in Ruhe. «Diese Sachen haben den Nährboden für das Ungemach geschaffen.» Daher suche er Hilfe beim Europäischen Strafgerichtshof in Strassburg. Die Existenz einer bei ihm–während einer Hausdurchsuchung – entdeckten Hanfplantage, räumt er offen ein. Darauf aber habe er sich entschieden, dass er das alles nicht mehr mitmache und von nun an auf Reisen gehe.

Schuldsprüche in der Hauptsache

Das Gericht sprach ihn vom Vorwurf des ersten Hausfriedensbruchs frei. Es sei nicht erstellt, dass er von dem Verbot damals schon Kenntnis gehabt habe. Auch vom Vorwurf einer ersten Tätlichkeit bei einer Rangelei mit einer Mitarbeiterin wurde er freigesprochen, weil sie derweil verjährt war. In der Hauptsache gelangte das Gericht jedoch zu Schuldsprüchen, namentlich, weil die Aussagen der Opfer glaubwürdiger waren.

Wegen mehrfacher Beschimpfung, mehrfacher Drohung, jeweils einfacher Tätlichkeit und Hausfriedensbruchs sowie wegen Missbrauchs des Telefons und wegen der illegalen Hanfanlage setzte es 90 Tagessätze à 20 Franken unbedingt. Hinzu kommt eine Busse über 800 Franken. Das Gericht blieb damit leicht unter dem beantragten Strafmass. Über eine mögliche Einsprache hat der Mann noch nicht entschieden.