Weihnachten ist das Fest einer ausserordentlichen Liebe

Bald ist es soweit. Noch treffen wir die letzten Vorbereitungen und dann ist es da das Fest von Weihnachten, das Fest der Familie, das Fest einer aussergewöhnlichen Geburt.

Peter Maier, Kaplan
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Josef – hier bei der Krippe – glaubte, hellwach für das Ausserordentliche, das seinen Verstand übersteigt.

Josef – hier bei der Krippe – glaubte, hellwach für das Ausserordentliche, das seinen Verstand übersteigt.

Bild: PD

Jesus, der geboren worden ist, bewegt uns Menschen in jedem Advent und an jeder Weihnacht. Er löst in uns eine Erwartung aus, eine Erwartung von Gemeinschaft, von Familie. Wer eine Familie hat, hofft, dass am Fest alle froh sind und keine Reibereien auftreten. Wer keine Familie hat, spürt in sich die Sehnsucht und ist eher traurig, von der Feier mit anderen ausgeschlossen zu sein. Doch vielleicht kann er sich mit andern zusammen tun, die in derselben Lage sind wie er.

Was wir an Weihnachten feiern, übersteigt unseren Verstand.

Dieser sagt uns eher, dass es nicht möglich ist, dass ein Kind geboren wird, das vom Heiligen Geist empfangen worden ist. Aber wir würden es uns zu leicht machen, wenn wir denken: Das war halt eine andere Zeit vor 2000 Jahren. Da haben die Menschen noch leicht solche wunderbaren Dinge geglaubt.

Der Verlobte der Mutter Maria, Josef, kam mit seinem Verstand nämlich auch zum Ergebnis, dass er seine Verlobung auflöst. Eine Frau, die schon in der Verlobung ein Kind von einem anderen Mann hat, wollte er nicht heiraten. Er musste von Gott selbst aufgeklärt werden. Im Traum sagte ihm ein Engel, dass das Kind von Maria, seiner Verlobten, vom Heiligen Geist ist und dass er sie deshalb zu sich nehmen soll. Und Josef tat es. Er glaubte und nahm sich Maria zur Frau.

Wie hätten wir wohl reagiert an der Stelle des Josef? Ich denke, wir hätten unsere Zweifel nicht so schnell begraben. Unser Ich hätte auf den gesunden Menschenverstand gepocht und gesagt: Das ist doch unmöglich. Aber was ist dann mit der Intervention Gottes? Ein blosser Traum, ein Phantasma? Josef nahm den Traum ernst. Er verstand, dass er nicht einen der vielen Träume hatte, sondern dass Gott durch ihn zu ihm gesprochen hatte.

Josef war offen für die Dimension Gottes, für seine Realität, für seinen Willen. Das braucht Selbstverleugnung und die Zulassung, dass bei Gott Dinge möglich sind, die für uns unmöglich sind.

Josef glaubte, aber nicht mit geschlossenen Augen, sondern hellwach für das Ausserordentliche, das seinen Verstand übersteigt.

Was mit Maria geschehen ist und woran Josef Teil bekommen hat, ist nicht einfach irgend ein Kunstgriff Gottes, ein Wunder. Es ist vor allem ein Ereignis der Liebe Gottes zu uns Menschen und zur ganzen Schöpfung. Er wollte eins werden mit uns Menschen und ganz in unsere Haut schlüpfen. Er wollte das Leben mit uns teilen. Jesus teilt mit uns alles – nicht nur die Freude, sondern auch das Leid. In allen Abgründen, in die wir geraten, ist Jesus mit uns. Und er ist nicht nur der Mit- leidende, sondern auch der Auferstandene, der aus unseren Abgründen herausführt.

Jesus hat gesagt, dass er dort sei, wo zwei oder drei in seinem Namen beisammen sind. In seinem Namen können wir verstehen als: in seiner Liebe. Wenn wir uns an Weihnachten zusammentun, um das Fest zu feiern, und an diesem Fest die Liebe haben zu den Anderen, dann ist Jesus unter uns. Er ist das Geheimnis, das uns im Advent angezogen hat, und das sich uns an Weihnachten besonders schenken will. Doch zusammensein in der Liebe können wir das ganze Jahr hindurch, wo immer wir uns mit andern treffen.

Ein frohes, erfülltes und gesegnetes Weihnachtsfest!

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