Wartau beurlaubt Leiter des Steueramts wegen Verdachts: 100'000 Franken Steuerrückzahlungen aufs private Konto überwiesen +++ Überprüfung aller Steuerrückzahlungen im Gang

Der Gemeinderat Wartau hat den Leiter Steueramt vorläufig beurlaubt. Grund dafür ist die Eröffnung einer Strafuntersuchung, weil er mutmasslich Steuerrückzahlungen auf sein eigenes Konto statt an Steuerpflichtige überwiesen hat.

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Der Wartauer Gemeinderat hat den verhafteten Leiter des Steueramts vorläufig beurlaubt, sein Arbeitsplatz in Azmoos wurde durchsucht.

Der Wartauer Gemeinderat hat den verhafteten Leiter des Steueramts vorläufig beurlaubt, sein Arbeitsplatz in Azmoos wurde durchsucht.

Bild: PD

(red/ts) Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen hat gegen den Leiter des Steueramtes der Gemeinde Wartau ein Verfahren eröffnet. In diesem Zusammenhang wurde die betroffene Person vorläufig festgenommen, wie die Gemeinde Wartau am Freitagnachmittag mitteilt.

Hausdurchsuchung am Wohn- und Arbeitsort

Im Communiqué heisst es weiter, dass es heute Freitag am Arbeitsplatz des festgenommenen Beamten zu einer Durchsuchung gekommen sei. 

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St.Gallen, dass auch am Wohnort des Verdächtigten eine Hausdurchsuchung stattgefunden hat.

Steuerrückzahlungen an sich selbst überwiesen

Krüsi teilt auch mit, dass der Verdacht der ungetreuen Amtsführung konkret auf den Tatbestand bezieht, dass sich der Leiter des Wartauer Steueramtes Steuerrückzahlungen auf sein privates Konto überweisen liess statt auf jenes von Steuerpflichtigen.

Wer den Verdachtsfall gemeldet hat, dazu erteilte der Polizeisprecher am Freitag keine Auskunft.

Verdächtigter vorläufig beurlaubt

Aufgrund des laufenden Verfahrens hat der Wartauer Gemeinderat den Leiter des Steueramtes bis auf Weiteres beurlaubt.

Für die betroffene Person gilt die Unschuldsvermutung. Gemäss Mitteilung wird der Gemeinderat die Untersuchungsbehörden vollends unterstützen, damit die Vorwürfe möglichst zeitnah und lückenlos geklärt werden können.

Gemeindepräsident hofft auf rasche Ergebnisse

Der Wartauer Gemeindepräsident Beat Tinner zeigt sich auf Anfrage überrascht und erstaunt. Er habe einen solchen Verdacht nicht erwartet, auch aufgrund der Arbeitsweise des Steueramtsleiters und der externen Prüfberichte. So habe eine umfassende Kontrolle durch das kantonale Steueramt im März 2018 keinen Hinweis auf irgendwelche Umregelmässigkeiten ergeben, wie der entsprechende Prüfbericht zeige.

Aufgrund des Verdachts, dass der Verdächtigte Steuerrückzahlungen statt an Steuerpflichtige auf sein eigenes Konto überwiesen hat, sei «intern bereits eine nochmalige Überprüfung aller Steuerrückzahlungen im Gang», hält der Gemeindepräsident fest.

Schaden wohl etwas über 100'000 Franken

Beat Tinner geht auf Grund der ersten Abklärungen davon aus, dass die mutmassliche Schadensumme eingrenzbar ist und wohl «plus-minus etwas über 100'000 Franken» liegen könnte. 

Einen allfälligen Schaden müssten nicht die Steuerzahler tragen. Er würde einerseits gedeckt über die Amtsbürgschaftsgenossenschaft und eine Vermögensschadenversicherung, die Regress auf den Verursacher nehmen würde.

Beat Tinner hofft auf rasch vorliegende Fakten

Der Wartauer Gemeinderat sichert den Untersuchungsbehörden die volle Unterstützung zu, «damit die  Vorwürfe möglichst zeitnah und lückenlos geklärt werden können». 

Beat Tinner zeigt sich zuversichtlich für eine rasche Klärung der Fakten. Er hofft:

«Dank der Verfahrenseröffnung und der Prüfung der Anschuldigungen durch die zuständigen Stellen werden wohl schon relativ schnell Fakten auf dem Tisch liegen.»