Wegen Corona-Virus ist für Olympia-Kandidaten kein geregeltes Training mehr möglich

Der Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokyo ist nicht geplatzt – der Weg dorthin ist allerdings steiniger geworden.

Robert Kucera
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Ohne Wasser kein Synchronschwimmen: Ein Problem für Vivienne Koch und Joelle Peschl.

Ohne Wasser kein Synchronschwimmen: Ein Problem für Vivienne Koch und Joelle Peschl.

Bild: PD

«Wir wären extrem bereit gewesen», sagt die Synchronschwimmerin Vivienne Koch einen Tag nach dem Entscheid, dass nun sämtliche Hallenbäder in der Schweiz geschlossen bleiben müssen. Im letzten Wettkampf, an den World Series in Paris, erreichten sie und Joelle Peschl – sie ersetzt die verletzt ausgefallene Noemi Peschl – im Duett Rang sechs. Zuvor haben die beiden sehr hart gearbeitet und jeden Tag acht Stunden trainiert.

Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Koch und Peschl können ihren Trainingsalltag nun nicht mehr bestreiten.

«Das ist ein Problem. Denn wir trainieren im Wasser.»

Für eine Synchronschwimmerin ist das Element Wasser wichtig wie die Luft zum Atmen. Zudem ist fraglich, ob der Qualifikationswettkampf zu den Olympischen Spielen anfang Mai wirklich zur Austragung kommt.

Die Suche nach Wasser hat begonnen

«Für uns ist das eine schwierige Situation», sagt Koch. Sie hofft, dass sie und ihre Partnerin die Gelegenheit erhalten werden, sich vor Kampfrichtern präsentieren zu können und sich so für Tokyo zu empfehlen. «Denn es wäre megaschade, weil wir so viel trainiert und so viele Wettkämpfe bestritten haben», so die 20-jährige Grabserin.

Um sich gegen die starke internationale Konkurrenz behaupten zu können, ist es unerlässlich, auf den Punkt genau in Bestform zu sein. Dazu braucht es eine Trainingsmöglichkeit in einem Bad. «Deshalb suchen wir nach Alternativen und Lösungen. Ich hoffe, dass wir eine Spezialbewilligung erhalten», erklärt Koch.

Arbeit auf der Matte ist durch nichts zu ersetzen

Was für die beiden Synchronschwimmerinnen das Wasser ist, ist für die Ringer Marc Dietsche und Andreas Vetsch die Matte. «Kraft und Kondition trainiere ich alleine, das ist nicht das Problem. Aber es braucht den Partner auf der Matte», gibt Dietsche zu verstehen. Der 23-jährige Seveler nennt das Training im taktischen Bereich als wichtigen Bestandteil.

Der Seveler Marc Dietsche muss sich nun gedulden, ob und wann er um die Qualifikation für die Olympischen Spiele ringen darf.

Der Seveler Marc Dietsche muss sich nun gedulden, ob und wann er um die Qualifikation für die Olympischen Spiele ringen darf.

Bild: PD

Auch Vetsch musste sich umstellen: «Ich beschäftige mich nun mit Ausdauertraining und alternativen Training.» Der 24-jährige Grabser benutzt zum Beispiel ein Gummiseil als Hilfsmittel für Kraft und Ausdauer. «Doch das Training ist recht eingeschränkt.» Die Einheiten auf der Matte, für ihn existenziell, könne man so nicht ersetzen. Für Vetsch steht fest: Nur in der Symbiose mit einem Sparringpartner erhalte man das Gefühl für den Kampf.

Beide Ringer hätten diese Woche die Reise nach Budapest angetreten, um am Olympia-Qualifikationsturnier teilzunehmen. Dieses fiel nun dem Corona-Virus zum Opfer.

«Schade, gibt es die Quali nicht. Ich wäre jetzt in Hochform gewesen»,

untermauert Marc Dietsche seine Ambitionen. Im ersten Moment, so hält er fest, sei er wütend und enttäuscht gewesen. «Doch nach einer Weile realisierte ich, dass der Entscheid das einzige richtige ist.»

Andreas Vetsch hofft, dass das Qualifikationsprozedere nur aufgeschoben und nicht aufgehoben ist. «Ich rechne damit, dass es noch ein Qualifikationsturnier gibt», so der Ringer vom RC Oberriet-Grabs. «Olympia ist noch weit weg. Ich hoffe, dass sich die Lage bald beruhigt und alles wieder normal läuft.»

Das Hoffen auf eine Sonderbehandlung

Normal heisst für das Ringer-Duo: Trainieren auf der Matte. Dies muss im Hinblick auf ein Qualifikationsturnier zu einem späteren Zeitpunkt unbedingt stattfinden. Dietsche und Vetsch müssen, sobald die Zeit der Ungewissheit über das weitere Vorgehen vorüber geht, rasch in Form kommen.

Doch das Ende der Krise abzuwarten geht Dietsche zu langsam. «Ich hoffe auf eine Sonderbehandlung, dass eine kleine Gruppe, die Spitzensport betreibt und sich für die Olympia-Qualifikation vorbereitet, auf der Matte trainieren darf», sagt der Ringer der RS Kriessern. Vorerst gilt aus seiner Sicht: «Das beste daraus machen und optimistisch bleiben.»