Wegen Corona-Virus: 495 Kilogramm weniger Lebensmittel für Armutsbetroffene in der Region Werdenberg

Die Lebensmittelabgabestelle in Wartau musste geschlossen. Rund 100 Personen aus den Gemeinden Wartau und Sevelen sind davon betroffen. Die Lebensmittelabgabestelle in Buchs ist für die Gemeinden Sennwald, Gams, Grabs und Buchs noch geöffnet. 

Alexandra Gächter
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Da bei Tischlein deck dich viele ältere Freiwillige arbeiten, welche einer Risikogruppe angehören, mussten die Lebensmittelabgabestellen von Tischlein deck dich schliessen.

Da bei Tischlein deck dich viele ältere Freiwillige arbeiten, welche einer Risikogruppe angehören, mussten die Lebensmittelabgabestellen von Tischlein deck dich schliessen.


Oliver Menge / D5

Die soziale Institution Tischlein deck dich hat Jahr für Jahr schweizweit 20000 Personen für einen symbolischen Franken an 132 Stellen mit Lebensmitteln versorgt. Dabei handelte es sich beispielsweise um Gemüse, Nudeln, Kartoffeln usw., welche die Lebensmittelindustrie, Detailhändler und die Landwirtschaft nicht verkaufen konnten. All diese 132 Stellen wurden diese Woche geschlossen.

«Auch wir sind in der Verantwortung, unsererseits einen Beitrag zu leisten, um dem Corona-Virus möglichst eine geringe Angriffsfläche zu bieten», sagt die Kommunikationsverantwortliche von Tischlein deck dich Mina Dello Buono.

100 Personen in der Region Werdenberg betroffen

Von der Massnahme betroffen ist auch die Abgabestelle in Azmoos. Rund 100 armutsbetroffene Personen aus den Gemeinden Wartau und Sevelen durften dort wöchentlich insgesamt 495 Kilogramm Lebensmittel abholen.

Am Montag, 23. März, wird das katholische Pfarramt in Azmoos erstmals für die Lebensmittelabgabe geschlossen sein. Tischlein deck dich bedauert dies sehr. «Aber zum jetzigen Zeitpunkt geht die Gesundheit vor», sagt Mina Dello Buono. Zwei Kriterien führten zu diesem Entscheid: Erstens fand die Abgabe in einem Raum statt, in dem mehrere Personen gleichzeitig auf die Verteilung warteten – die Gefahr der Ansteckung wäre hier gegeben –, und zweitens sind die 3000 Freiwilligen in der Schweiz Pensionierte über 65 Jahren. Mina Dello Buono sagt:

«Unsere freiwilligen Mitarbeiter gehören also einer Risikogruppe an.»

Weniger Lebensmittel für Arme durch Hamsterkäufe

Die Bekämpfungsmassnahmen gegen das Corona-Virus hat auch Auswirkungen auf eine zweite soziale Institution: die Tafel Schweiz. «Da nun viele Personen Hamstereinkäufe tätigen, haben die Detailhändler wie Migros, Coop, Aldi oder Lidl weniger überschüssige Lebensmittel für uns», sagt Stefan Möckli, Geschäftsführer von Tafel Schweiz.

16 Tonnen Lebensmittel transportierte die Institution pro Tag schweizweit von den Detailhändlern zu den Abgabestellen, Gassenküchen oder Flüchtlingsheimen. Insgesamt 3820 Tonnen Lebensmittel konnten im vergangenen Jahr verteilt oder verkocht werden.

Im Gegensatz zu Tischlein deck dich arbeiten für die Institution Tafel Schweiz etliche Zivildienstler und teilweise jüngere Freiwillige. 

«Die über 60-jährigen Freiwilligen helfen derzeit nicht mehr. Vereinzelt gibt es Freiwillige, die Mitte 50 sind, welche auf ausdrücklichen Wunsch sich weiterhin für die Armutsbetroffenen einsetzen wollen.»

Zudem habe die Institution das Glück, dass die Transportwagen von jungen Zivildienstlern weiterhin gefahren werden können. Dennoch fehlen durch den Verzicht der über 60-Jährigen nun Freiwillige, welche sich für die Armutsbetroffenen in den verschiedenen Regionen einsetzen. «Im Moment können wir unsere Arbeit noch gut bewerkstelligen», beschwichtigt Möckli. Da die Detailhändler nun ja weniger Lebensmittel abgeben können, gäbe es für die Tafel Schweiz auch weniger zu transportieren.

In Buchs werden weiterhin Lebensmittel abgegeben

Einer der Abnehmer von Tafel Schweiz ist die Lebensmittelabgabe (Leba) Werdenberg. Am vergangenen Donnerstag wurden in Buchs um die 400 bis 600 Kilogramm Lebensmittel abgeladen. Bis vor kurzem sammelten sich um die 30 Bezüger aus Sennwald, Gams, Grabs und Buchs in den Räumlichkeiten der Gracechurch und erhielten dort ihre Lebensmittel. Leba-Verantwortliche Elke Pereyra sagt, dass sie umstrukturieren mussten. 

«Die Lebensmittel werden nun durch uns in Säcke abgepackt und einzeln draussen vor der Türe abgegeben.»

Das Zusammensitzen und die Gespräche seien ausgesetzt worden. Diejenigen Freiwilligen, welche einer Risikogruppe angehören, wurden nach Hause geschickt. «Unter Berücksichtigung der Hygienemassnahmen können wir die Lebensmittelabgabe in Buchs derzeit am Donnerstag zwischen 16.30 und 17.30 Uhr weiterführen. Solange wir das dürfen, machen wir das auch», so Pereyra.