Wege für die zahlreichen Pendler kürzer und attraktiver machen

Ein attraktives Angebot soll Pendler zum freiwilligen Umsteigen auf nachhaltige Verkehrsmittel bringen. Bausteine dafür sind etwa die neue Langsamverkehrsbrücke und die geplante S-Bahn FL-A-CH.

Corinne Hanselmann
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Der St. Galler Regierungsrat Marc Mächler, der Liechtensteiner Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch und der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch (von rechts) informierten über das Projekt. (Bild: IKR/Sven Beham)

Der St. Galler Regierungsrat Marc Mächler, der Liechtensteiner Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch und der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch (von rechts) informierten über das Projekt. (Bild: IKR/Sven Beham)

Mehr als 50000 Pendelnde bewegen sich täglich im Gebiet Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein über die Staatsgrenzen hinweg. Allein 21000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pendeln nach Liechtenstein. Eine stattliche Zahl im Vergleich mit dessen Einwohnerzahl von 38000. Der Grossteil bewältigt den Arbeitsweg mit dem eigenen Auto. Folgen sind hohe CO2-Emissionen, Feinstaub- und Lärmbelastung, verstopfte Strassen und Parkplatzprobleme.

Seit Anfang 2016 befassten sich die Partner des Projekts Nachhaltige Pendler-Mobilität (Pemo) damit, was es braucht, damit der Umstieg hin zu nachhaltiger Mobilität gelingen kann. Beteiligt waren der Kanton St. Gallen, das Land Liechtenstein, Vorarlberg und der Landkreis Lindau. Als Ziel hat man sich die Reduktion des individuellen PKW-Verkehrs und die Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen wie Bahn, Bus, Fahrgemeinschaften und Velo vorgenommen. Der St. Galler Regierungsrat Marc Mächler, der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch und der Liechtensteiner Regierungsrat-Stellvertreter Daniel Risch informierten gestern in Vaduz über die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg und den Projektabschluss.

Betriebe wurden direkt miteinbezogen

Gemeinsam mit Cipra International und dem Energieinstitut Vorarlberg wurde ein «Werkzeugkoffer» für betriebliches Mobilitätsmanagement entwickelt und Motivations- und Sensibilisierungsarbeit geleistet sowie Dienstleistungsangebote für Firmen bereitgestellt. Aus dem Werdenberg beteiligten sich unter anderem die Betriebe Merck/Sigma-Aldrich, Autoneum und Schoeller Textil.

Schritte in Richtung freiwillige Verkehrsverlagerung

«Für Liechtenstein ist das ein sehr wertvolles Projekt», sagte Regierungsrat-Stellvertreter Daniel Risch bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Projekts Nachhaltige Pendler-Mobilität (Pemo). Angesichts der grossen Zahl Arbeitnehmer, die täglich nach Liechtenstein pendeln, sei es wichtig, sich diese Gedanken grenzüberschreitend zu machen, so Risch. «Das Projekt hilft uns dabei, wichtige Schritte in Richtung freiwillige Verkehrsverlagerung umzusetzen.» Der Bedarf sei von Seiten der Betriebe und Gemeinden da, wie die hohe Teilnehmerzahl im Projekt mit den Pilotgemeinden Ruggell, Gamprin, Schaan und den 15 teilnehmenden Betrieben in Liechtenstein zeige. Man müsse die Pendler mit guten Angeboten beim Langsamverkehr sowie beim ÖV zum freiwilligen Umsteigen bewegen.

«Ein entsprechendes Projekt, das kürzere Wege schafft, können wir mit der neuen Langsamverkehrsbrücke Räfis/Burgerau–Vaduz 2019 eröffnen.»

Ein Ziel des Pemo-Projekts war es, die Massnahmen in bestehende nationale und regionale Aktivitäten zu integrieren. Im Kanton St. Gallen sind sie deshalb in die Agglomerationsprogramme Werdenberg-Liechtenstein und Rheintal eingebunden worden. «In beiden Programmen spielen Berufs- und Veloverkehr bereits eine wichtige Rolle und man versucht, die Infrastruktur zu verbessern und Wege aufeinander abzustimmen. Pemo half uns, neue Ideen und Konzepte insbesondere im betrieblichen Mobilitätsmanagement zu bekommen», so Regierungsrat Marc Mächler.

«Ich messe den Erfolg des Projekts an konkreten Auswirkungen». Als Beispiel nannte Mächler die SFS Group mit Sitz in Heerbrugg. Den Mitarbeitern wurde der Kauf eines E-Bikes zu einem Spezialpreis ermöglicht. Das führte dazu, dass mehr Mitarbeiter mit dem Velo zur Arbeit kommen.

S-Bahn-Projekt weiter im Gespräch

«Wir sind noch nicht am Ziel und möchten das Angebot weiter verbessern», sagte Landesrat Johannes Rauch. Er nannte die geplante S-Bahn FL-A-CH als Schlüsselprojekt, um den Verkehr grenzüberschreitend weiter zu verbessern. Rauch stellte in Aussicht, dass im Januar 2019 neue Finanzierungsgrundlagen für das S-Bahn-Projekt aus Wien eintreffen sollten.

Die drei Regierungsvertreter betonten, dass es schön sei, dass man grenzüberschreitend an diesem Thema habe arbeiten können und dass man dies auch in Zukunft beibehalten möchte. Statt innerhalb politischer Grenzen zu denken, müsse man miteinander reden, über die Pläne der Nachbarn Bescheid wissen und gemeinsam gute Initiativen umsetzen.

Die Kosten für das Projekt Pemo beliefen sich auf rund 568000 Euro.