«Ich begleitete Eltern zur Unfallstelle ihres Kindes»: Christian Hörler gibt die Careteam-Leitung nach zwölf Jahren weiter

Neu leitet Vera Good-Hobi die Einsatzgruppe Psychologische Erste Hilfe, die bei belastenden Ereignissen unterstützt. Sie ersetzt Christian Hörler. 

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Magnus Kühne, Vera Good und Christian Hörler (von links). (Bild: PD)

Magnus Kühne, Vera Good und Christian Hörler (von links). (Bild: PD)

(pd) Nach zwölf Jahren tritt Pfarrer Christian Hörler, Walenstadt, vom Careteam Rheintal-Werdenberg zurück und übergibt die Leitung an Vera Good-Hobi. Die Melserin ist seit Anfang der Einsatzgruppe Psychologische Erste Hilfe (PEH, siehe Kasten) dabei und war die letzten Jahre Co-Leiterin. Die ausgebildete Fachtherapeutin arbeitet bei der ambulanten Psychiatrie Trübbach und schloss kürzlich die Ausbildung zur Sexualtherapeutin erfolgreich ab. Unterstützt wird sie von Magnus Kühne, Rebstein, der in die Co-Leitung nachrückt. Kühne absolvierte die Ausbildung zum Careteam-Mitglied im Grenzwachtkorps (GWK). Dort leitete er in der Region St.Gallen/Graubünden bis zur Pensionierung das Careteam GWK (PEER).

Hörler war bei vielen Einsätzen in der Region vor Ort und hat seit 2013 als Kadermitglied Einsätze im ganzen Kanton koordiniert und Mitglieder im Hintergrund begleitet. Er befasste sich intensiv mit dem Thema Trauer und forschte im Rahmen einer Studienarbeit an der Uni Bern zur Burn-out-Prophylaxe für Einsatzkräfte. Ihn interessiert die Frage nach den Ressourcen, wenn Einsatzkräfte wiederholt mit tragischen Todesfällen zu tun haben.

Durchschnittlich zwei Einsätze pro Woche

Die PEH wird meist von der Rettung/Sanität oder der Polizei via Notrufzentrale 144 aufgerufen in Zusammenhang mit einem aussergewöhnlichen Todesfall, sei es ein Unfall, ein Gewaltverbrechen oder ein Suizid. Aufgabe des Careteams ist es, den Angehörigen in den ersten Stunden nach einem Ereignis beizustehen, die unterschiedlichsten Emotionen auszuhalten und die nächsten hilfreichen Schritte einzuleiten. Im Kanton sind es gegenwärtig durchschnittlich zwei Einsätze pro Woche.

Hörler berichtet: «Wenn du die Polizei zur Überbringung einer Todesnachricht begleitest, weisst du nie, was dich hinter der Türe erwartet. Zu erwarten sind alle möglichen Emotionen zwischen Apathie und Wutausbruch. Ich begleitete Eltern zur Unfallstelle ihres Kindes. Sehen und begreifen kann helfen zur Wahrnehmung und Verarbeitung des Unfassbaren.»

«Für mich war es in all den Jahren am intensivsten, Eltern zu begleiten, die ihr Kind verloren haben.»

Erfreulich nennt Hörler die Zusammenarbeit mit Polizei, Sanität und Feuerwehr in all den Jahren. Man wisse, wer was zu tun hat und könne aufeinander zählen. Die Hilfsbereitschaft, Konzentration und Organisation seien sehr gut.

Schwierige Suche nach neuen Teammitgliedern

Erschwerend sei in letzter Zeit geworden, neue Teammitglieder zu finden, da öfters Arbeitgeber nicht mehr bereit sind, Arbeitskräften für den Einsatz in Notfällen frei zu geben. Mühsam seien ihm, mit zunehmendem Alter, die Nachteinsätze geworden, sagt Christian Hörler. Er arbeitet hauptberuflich als reformierter Seelsorger an den Kliniken Valens und am Spital Walenstadt sowie nebenbei als Pfarrstellvertreter in Wartau. «Durch die Arbeit in der PEH habe ich viel gelernt zu Grenzerfahrungen des Menschen und wie hilfreich es ist, wenn einem im Notfall jemand zur Seite steht. Jemand, der hilft, wieder Boden unter die Füsse zu bekommen, um den Alltag bewältigen zu können.»