Altersgerechte Einblicke in die Lebensräume der Fauna: Schüler profitieren von neuem Lernarrangement in der Region Werdenberg–Sargans

Die Eröffnung des neuen Lernarrangements am Regionalen Didaktischen Zentrum Sargans wurde mit dem Referat «Warum jede Fliege zählt» bereichert.

Heidy Beyeler
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Vielfalt an Pflanzen und Insekten ermöglicht das Überleben.

Vielfalt an Pflanzen und Insekten ermöglicht das Überleben.

Bilder: PD

Zum Auftakt des neuen Lernarrangements «Was ist ein guter Apfel?» wurden interessierte Lehrkräfte der Volksschule aus den Regionen Werdenberg, Sarganserland, Chur, Linthgebiet und Glarus eingeladen. Das Interesse war gross. Ein Zeichen dafür, dass das Thema gut ankommt – sowohl bei der Lehrerschaft wie auch bei den Schülern. Einige von ihnen durften das Angebot im RDZ (Regionales Didaktisches Zentrum) Sargans schon kennen lernen und waren ebenso begeistert wie die Lehrenden, die ihre Freude an diesem Arrangement kaum zu unterdrücken vermochten. Ja, es ist ein Projekt, das aktueller und glaubwürdiger kaum sein mag.

Überraschendes Referat musste verdaut werden

Vor der Besichtigung des Lernangebotes bei der die Teilnehmenden neue Erkenntnisse schöpften, kam Hans-Dietrich Reckhaus, mit einem äusserst interessanten, ungewöhnlichen Referat, zu Wort. Ein Unternehmer, der das Geschäft seiner Eltern übernommen hatte. Eine Fabrik, die seit Jahrzehnten erfolgreich Insektenvernichtungsmittel produziert. Es dauerte einige Zeit, bis er verstanden hatte, dass es so nicht weiter gehen kann. Er wollte etwas ändern, wusste aber nicht wie. Und so wandte er sich an die Freigeister Frank und Patrik Riklin. Das Künstlerduo hatte bereits einige Male mit ihren Ideen das Denken vieler Menschen verändert. So auch jenes von Reckhaus.

Viele Gründe, warum jede Fliege zählt

Mit der Idee, den Insekten einen Lebensraum zu bieten anstatt sie zu vernichten, haben Frank und Patrik Riklin den Unternehmer Reckhaus überzeugt. Heute produziert er mit seinem Unternehmen nach wie vor Biozide, vertritt allerdings eine ganz andere Philosophie. Es ist ihm gelungen, Grossunternehmer zu überzeugen, dass es zur reinen Insektenvernichtung eine Alternative gibt, nämlich Ausgleichsflächen und damit Lebensräume für Insekten zu schaffen.

Sein Buch «Warum jede Fliege zählt» bringt es auf den Punkt. Dort finden Skeptiker wie auch Realisten aufschlussreiche Antworten die schliesslich glaubhaft machen, dass die Menschheit ohne Insekten nicht lange überleben wird. Das Referat im Oberstufenzentrum Sargans hat die Zuhörenden derart überrascht, dass sie das Gesagte erst verdauen mussten. Die Fragen kamen erst beim Rundgang im Werkraum des RDZ mit der Präsentation des Lernarrangements und natürlich beim Apéro, wo man sich locker unterhalten konnte.

Vom Kindergarten bis zur Sekundarstufen

Mit dem aufwendigen Lernarrangement erhalten Schüler – vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe, altersgerechte Einblicke in die Lebensräume der Fauna. Dabei wird offenbart, dass das Vernichten von Insekten mit Gift keine Lösung sein kann. Im Gegenteil: Es wird aufgezeigt, dass Menschen, die mit der Natur im Einklang leben, fürs Überleben von Menschen und Tier sorgen. Und so machen sich auch die Schüler Gedanken zu den Folgen, die durch ihr eigenes Konsumverhalten entstehen können. Soll ich nun einen Apfel nach Saison, Geschmack, Herkunft oder Preis kaufen? So die Überlegung.

Mit diesem Lernarrangement werden Zusammenhänge auf lockere, spielerische Art und Weise, verständlich aufgezeigt. Sie regen Schülerinnen und Schüler an, diese Zusammenhänge selber zu verknüpfen, und sie werden (vielleicht) bewusster Entscheide treffen. Der gute Apfel dient hier als guter Leitfaden, um weitergehende Zusammenhänge zu verstehen.

Frühstück mit oder ohne Bestäubung.

Frühstück mit oder ohne Bestäubung.

Bilder: PD

Ein Modell mit grosser Wirkung

Hans-Dietrich Reckhaus, Initiant von «Insect Respect», hat mit seinem Referat die Lehrerschaft und Lernberaterinnen mit seinen Ausführungen beeindruckt. Mit seinen Schilderungen hat er untermauert, wie wichtig dieses Lernarrangement ist, um den Menschen aufzuzeigen, wie wertvoll beispielsweise eine Fliege ist, und wie fatal, radikale Insektenvernichtungen sich auswirken können.

Während eines Jahres kann der Werkraum in Sargans von Schulklassen aus den verschiedenen Regionen besucht werden. Das Projekt wurde unter der Leitung von Ursula Wunder aus Sevelen, Dozentin im Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG), an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen, mit einem motivierten Team erarbeitet.

Vielleicht entsteht ja nach der Ausstellung daraus eine zukunftsgerichtete, permanente Ausstellung für Interessierte, in einem Naturmuseum.