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Wartau erhält eine eingeschränkte Ausnahme für den Wasserbezug aus Bächen

Die Müller Azmoos AG koordiniert und kontrolliert im Auftrag und unter Aufsicht des Kantons die stark eingeschränkte Bewässerung der Gemüsefelder im Wartau. Dafür misst sie regelmässig die Bodenfeuchte.
Thomas Schwizer
Felder bewässern bleibt im Wartau möglich, aber nur koordiniert und abwechselnd gemäss dringendstem Bedarf. Das wird den Wasserverbrauch deutlich senken. (Bild: Thomas Schwizer)

Felder bewässern bleibt im Wartau möglich, aber nur koordiniert und abwechselnd gemäss dringendstem Bedarf. Das wird den Wasserverbrauch deutlich senken. (Bild: Thomas Schwizer)

Was anderswo gänzlich untersagt ist, bleibt im Wartau weiterhin möglich: Die Bewässerung von Feldern mit Wasser aus Bächen, insbesondere aus den drei Giessen. Doch auch hier müssen die Gemüsebauern «mit deutlich weniger Wasser auskommen», erläutert Urs Arnold vom Amt für Wasser und Energie des Kantons St. Gallen (AWE). Die Reduktion beträgt ein zigfaches des Normalverbrauchs bei Trockenheit.

Erreicht werden kann dies dank einer streng alternierenden Bewässerung, welche René Gabathuler von der Müller Azmoos AG koordiniert und kontrolliert. Dieser Gemüseverarbeitungsbetrieb wird laufend an das AWE rapportieren.

Klare Vorgabe, wer wann, wo und wieviel bewässern darf

Die Gemüsefelder dürfen nur noch gemäss genauen Vorgaben von Gabathuler bewässert werden. Er legt fest, wer in welcher Nacht wann, wo und wieviel Wasser nutzen darf. Als Koordinator misst er die Bodenfeuchte, um die Bewässerung für jedes Feld und jede Kultur festzulegen.

Diese Koordinationsstelle konnte im Wartau gefunden werden, weil alle Betriebe mit Konzession für einen Wasserbezug die Müller Azmoos AG beliefern. Sie sind froh darüber, dass sie überhaupt noch bewässern dürfen – wenn auch massiv eingeschränkt.

«Wartau ist ein absoluter Ausnahmefall»

Wesentlich ist auch, dass eine Bewässerung ausdrücklich nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang erlaubt wird. Ansonsten würde das Wasser grösstenteils gleich in der Luft verdunsten. «Wartau ist ein absoluter Ausnahmefall», betont Urs Arnold vom AWE. Das war nur möglich, weil der Kanton hier einen einzigen Ansprechpartner mit einer hohen Eigenkontrolle hat.

Noch kann Wasser vom Saarkanal in den Schwettigiessen und zwei weitere Giessen geleitet werden. Doch der Wasserspiegel ist in der Saar ebenfalls gesunken. Wenn die minimale Restwassermenge erreicht wird, muss die Überleitung zum Schwettigiessen begrenzt werden. Denn es sind bereits Seeforellen zum Laichen in den Alpenrhein mit Ziel Saarkanal aufgestiegen. Die Seeforelle ist auf genügend Abfluss im Saarkanal angewiesen, erklärt Urs Arnold.

Möglich wäre auch das Aufstellen eines gemeinsamen Speicherbeckens durch die Gemüsebauern, das für den Nachtbezug langsam gefüllt werden könnte.

Notfalls Grundwasser oder Wasser aus dem Rhein

Sollte sich die Situation weiter verschärfen, könnte ein eventuelles Wasserdefizit in den zwei kleinen Giessen durch einen Bezug via Hydrant von der Dornau gedeckt werden. Dieser wird mit Grundwasser gespiesen. Zwar liegt auch dieses nach der langen Trockenheit tiefer, aber die Situation sei noch relativ gut, sagt Urs Arnold.

Zum Glück befinde sich im Sarganserbecken und im Wartau ein sehr grosser Grundwasserstrom. Als allerletzte Möglichkeit wäre ein Wasserbezug aus dem Alpenrhein möglich, der aber wegen des Sandes schwierig zu pumpen wäre.

Was braucht es, um die akute Situation zu entschärfen? Urs
Arnold spricht von 150 Millimeter fehlendem Regen, also 150 Liter pro Quadratmeter. Die Niederschläge vom vergangenen Wochenende seien regelrecht verpufft, es sei kein Wasser bis in die Bäche gelangt. Ideal wäre eine Woche lang ein sanfter Landregen, lautet sein Wunsch an Petrus. Doch dieser scheint ihn im Moment nicht zu erhören, Regen ist nicht in Sicht.

Für die Zukunft wappnen

2003, 2015 und nun 2018: Die langen Trockenphasen mit notwendigen Einschränkungen der Wasserentnahme zur Bewässerung folgen sich in immer kürzeren Abständen. Deshalb müsse man sich unbedingt damit befassen, wie man dem aktuellen Wasserengpass in Zukunft vorbeugen kann, sagt Urs Arnold vom kantonalen Amt für Wasser und Energie.Er sieht einen Lösungsansatz in einer Bewässerungsgenossenschaft. Im Wartau sei die Basis dafür bereits gut vorhanden. Denn die Gemüsebauern hätten mit der Müller Azmoos AG fast durchwegs den selben Abnehmer, was eine Koordination vereinfache.
Eine solche Genossenschaft könnte beispielsweise gemeinsam Speicherbecken realisieren. Diese würden bei starker Trockenheit in den Sommermonaten ein wertvolles Reservoir bieten, das alle Genossenschafter nutzen dürften. Wichtig sei für den Kanton eine Professionalisierung. Er brauche eine Ansprechstelle, welche eine alternierende Bewässerung durch die Bezüger koordiniere und kontrolliere. Diese Aufgabe übernimmt bereits in der jetzigen Notfallsituation die Müller Azmoos AG.
Ein solcher Ansatz sei wegen der Wahrscheinlichkeit weiterer Trockenphasen rasch zu prüfen, so Arnold. Denn 2019 steht die Erneuerung zahlreicher kantonaler Bewilligungen und Wasserrechtskonzessionen an. Angesichts der aktuellen Erfahrungen dürfte dabei eine Einschränkung der Entnahme aus Bächen und ein Ausweichen auf Grundwasser zumindest zur Diskussion stehen.

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