Vaduz
«War das Auto etwa aus Gold?» – nach mehrfacher Brandstiftung zu 27 Monaten Haft verurteilt

Ein 38-jähriger Mann aus Litauen steckte in Vaduz zwei Fahrzeuge in Brand. Damit es ihm besser gehe, wie er vor Gericht sagte.

Bettina Stahl-Frick
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Der Litaue zündete in Vaduz zwei Autos an.

Der Litaue zündete in Vaduz zwei Autos an.

Symbolbild/Archiv

«Ich habe nichts zu verlieren», sagte der Angeklagte, nachdem der vorsitzende Richter des Kriminalgerichts das Urteil verkündet hatte: 27 Monate Haft. Im Gegenteil – mit dem Gefängnisaufenthalt ist dem 38-jährigen Mann aus Litauen das Dach über dem Kopf sicher. Seit Jahren reist er einsam quer durch Europa und schlägt sich auf der Strasse durch. Nachdem er in Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Deutschland und Schweden wegen Diebstahl, falschem Bombenalarm und Verstössen gegen Einreisebestimmungen verurteilt wurde, sass er zuletzt eine einjährige Haftstrafe in Holland ab, wegen mehrfacher Brandstiftung an Fahrzeugen.

Mit 2,9 Promille Alkohol im Blut erwischt

Eine Woche nach Entlassung reiste er im November vergangenen Jahres nach Liechtenstein und setzte in Vaduz ein Auto in Brand. Dabei legte er Zeitungspapier auf das Vorderrad eines Fahrzeuges. Mit einem Feuerzeug zündete er es an und sah auf einer Parkbank zu, wie das Auto lichterloh brannte. Es brannte komplett aus und es entstand ein Sachschaden von 6000 Franken. Zwölf Tage später schlug er erneut zu. Auch das zweite Auto brannte komplett aus, jener Sachschaden belief sich auf 18 000 Franken. Der Mann aus Litauen konnte gefasst werden – mit 2,9 Promille Alkohol im Blut.

In Litauen sei es gang und gäbe, Fahrzeuge in Brand zu setzen, sagte der Angeklagte einst gegenüber der Landespolizei. Bei der Einvernahme zeigte er sich geständig und erklärte detailliert, wie er jeweils vorgegangen ist. Einen Tag später wollte der 38-Jährige von nichts mehr wissen – er behauptete:

«Ich habe das alles nur aus Spass erzählt.»

Tage später erzählte der Mann dem Untersuchungsrichter, dass er sich schon immer für Autos interessiert habe. Aufgrund seines Alkoholproblems habe es mit dem Führerschein aber nie geklappt.

Eifersüchtig auf Menschen, die glücklich sind

Seit er 15 Jahre alt ist, konsumiert der Angeklagte täglich Alkohol – «bis zu zwei, drei Flaschen Wodka», wie er angab. Er sei eifersüchtig auf Menschen, die glücklich sind und ein Auto haben. Ausserdem wünsche er sich einen Rückzugsort – er habe sogar schon daran gedacht, eine Tat zu begehen, für die er eine lebenslange Gefängnisstrafe bekommt.

Während der Angeklagte in der Vergangenheit zugab, beide Fahrzeuge in Brand gesetzt zu haben, behauptete er gestern vor dem Kriminalgericht, nur eines angezündet zu haben. Den Schaden in der Höhe von 18000 Franken wolle er aber nicht begleichen. Zum einen sei er überzeugt, dass man das Auto für zwei-, dreihundert Euro noch reparieren könnte. «Oder war das Auto etwa aus Gold?», fragte er im Gerichtssaal.

«Oder ist es der Fürst höchst persönlich, der es repariert?»

Dass das Fahrzeug komplett ausgebrannt ist, wollte er nicht glauben. Mit den liechtensteinischen Behörden habe er sowieso Mühe – «hier läuft alles etwas merkwürdig ab.» In anderen Ländern habe er die Vorwürfe besser nachvollziehen können. Nicht nachvollziehbar war für den Angeklagten auch, dass er für die Einreise nach Liechtenstein einen gültigen Reisepass braucht. «Für mich gelten keine Grenzen», sagte er. Er sei Europäer und fühle sich nicht verpflichtet, einen Ausweis mit sich zu tragen.

Auffällige Persönlichkeit, kein Pyromane

Die Staatsanwaltschaft beantragte die Unterbringung in einer Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher, die Gutachterin empfahl dem Gericht ebenso eine entsprechen-de Unterbringung. «Nein, das möchte ich nicht», äusserte sich der Angeklagte. Von solchen Anstalten habe er nur Negatives gehört. Ausserdem könne man ihm nur helfen, wenn er es auch wolle. Die Gutachterin stellte bei dem Angeklagten ausserdem einen Multi-Substanzmissbrauch fest, ebenso wie eine auffällige Persönlichkeit. Ein Pyromane sei der Mann aber nicht – er weise keine zwanghafte Feuergier auf. Diese Feststellung hielt der Angeklagte für weniger erfreulich:

«Was muss ich machen, dass man mich für einen Pyromanen hält?»

Von einer Einweisung in eine Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher sah das Kriminalgericht allerdings ab. «Zum einen ist der Angeklagte nicht gewillt und zum anderen kann keine günstige Prognose sichergestellt werden», begründete der Vorsitzende Richter. Die Steuergelder sollten dafür nur dann in die Hand genommen werden, wenn auch Aussicht auf Erfolg bestehe. Das Kriminalgericht verhängte schliesslich eine 27-monatige unbedingte Haftstrafe. Hinzu kommt eine Busse in der Höhe von 1000 Franken, weil der Mann aus Litauen zusätzlich gegen die Einreisebestimmungen verstossen hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.