«Wandern ist in und sexy»: Auch das Toggenburg spürt den Wanderboom 

60 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer wandern. Wandern ist beliebt und das neu auch bei den 20- bis 30-Jährigen.

Katharina Rutz
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Auch die Jungen zieht es vermehrt in die Berge zum Wandern, wie hier auf die Gamsalp in Wildhaus. Bild: PD

Auch die Jungen zieht es vermehrt in die Berge zum Wandern, wie hier auf die Gamsalp in Wildhaus. Bild: PD

85 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer treiben regelmässig Sport. Ganz zuoberst in der Hierarchie der beliebtesten Sportarten in der Schweiz steht das Wandern. Der «Schweizer Volkssport Nummer 1» erzielte laut einer Umfrage bei beiden Geschlechtern und in allen Altersklassen die höchsten Werte. Im Durchschnitt wandern 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer – über 40 Prozent gar mehrmals pro Monat.

Diese Zahlen gehen aus einer Umfrage hervor, die im Auftrag des Verbands Schweizer Sportartikelfabrikanten, Importeure und Agenten (SPAF) und des Verbands Sportfachhandel Schweiz (ASMAS) durchgeführt wurde.

Wandern auch bei uns im Trend

Den Wanderboom spürt man auch in der W&O-Region sowohl bei den Touristikern als auch den Sportartikelverkäufern. «Wir beobachten tatsächlich, dass in den letzten drei Jahren im Toggenburg vermehrt gewandert wird», sagt Christian Gressbach, Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus. Vor allem der letzte Sommer sei ausgezeichnet gewesen und dies bis in den tiefen Herbst hinein. Diese Sommersaison verspreche ebenfalls gut zu werden. «Zwar war das Wetter nicht durchgehend schön, doch gab es immer wieder schöne Wochenenden. Wir hatten grandiose Tage im September», so Gressbach. Dem stimmt auch Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus AG zu:

Wir ziehen bereits ein positives Fazit und bewegen uns auf dem Niveau des sehr guten Vorjahres.»

«Am siebten Tag der Woche möchte man nicht auch noch vor dem Bildschirm oder am Handy verbringen», sagt Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus AG. «Natürlich sendet man dann trotzdem gerne die schönen Wanderfotos an die Bekannten», lacht er. Aber, so ist er überzeugt:

«In unserer heutigen digitalen Welt sind die Sehnsuchtsorte, wie wir sie am Berg finden, noch begehrter.»

Wandern ist im Trend und dies nicht nur wie früher bei den Personen mittleren Alters oder älter. «Uns fällt speziell auf, dass auch viele zwischen 20 und 30 Jahren am Berg unterwegs sind und dies häufig in kleineren Gruppen», so Urs Gantenbein. «Wandern ist in und sexy geworden.» Selbstverständlich gehöre da auch der stilvolle Auftritt dazu. «Die entsprechenden Funktionstextilien sind heute viel lässiger als früher. Man kann sich adrett in Szene setzen. Dies spricht ebenfalls von einer Wertschätzung gegenüber dem Wandern.»

Wanderschuhe müssen passen

Auch Beat Schlegel, Verwaltungsratspräsident der Beat-Sport AG mit Filialen unter anderem in Buchs und Wildhaus bestätigt, dass die Outdoor-Textilien heute viel hochwertiger und farbiger geworden seien. «Nicht so wie ganz früher in den Knickebockern», scherzt er. Seine Kundschaft gehöre jedoch immer noch der mittleren bis betagteren Generation an. «Die Jungen kaufen bei uns vor allem die Schuhe ein. Denn diese müssen einfach perfekt passen und die Beratung ist sehr wichtig», sagt er.

Beim Kauf von Wanderausrüstung, vor allem bei den Schuhen, schätzen Kunden die Beratung im Fachgeschäft. (Bild: PD)

Beim Kauf von Wanderausrüstung, vor allem bei den Schuhen, schätzen Kunden die Beratung im Fachgeschäft. (Bild: PD)

Christian Gressbach, Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus bestätigt den Wandertrend. «Es ist auffällig, wie viele Menschen mit Wanderschuhen bei uns unterwegs sind», sagt er. Der Trend lässt sich auch an den Ersteintritten in das Gebiet über die Bergbahnen feststellen. So verzeichneten die Bergbahnen in der Sommersaison 2018 rund 185000 Ersteintritte. In der Wintersaison waren es rund 300000. Dies zeige die steigende Bedeutung des Sommergeschäfts. «Und bei uns steht das Wandern im Zentrum», so Gressbach.

Instagram-Hotspots gibt es weniger im Toggenburg

Sehnsuchtsorte sind gerade auch auf den sozialen Medien viele zu sehen. Dies habe sicher auch Einfluss auf den Trend, bestätigen sowohl Urs Gantenbein als auch Christian Gressbach. «Dennoch haben wir hier im Toggenburg nicht die Instagram-Hotspots wie beispielsweise der Seealpsee oder der Äscher», sagt Gressbach. Das sei aber nicht schlimm. «Wir wünschen uns nachhaltige Gäste, die auch in der Region etwas verweilen und nicht nur für das schnelle Selfie zu uns kommen.»