Während zehn Jahren wurde die Ivoclar Vivadent AG um mindestens 500000 Franken betrogen

Zwei komplett unterschiedliche Aussagen und eine Schadenssumme, die aufgrund der Langjährigkeit des Betrugs und der unzähligen Bargeldbeträge nicht exakt beziffert werden kann. Dies die Ausgangslage für die gestrige Verhandlung vor dem Kriminalgericht, die bereits am 12. September hätte abgeschlossen werden sollen, damals aber wegen der vielen Fragezeichen vertagt wurde.

Julia Kaufmann
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Am Ende wurden beide Angeklagte der Ivoclar schuldig gesprochen. (Bild: PD)

Am Ende wurden beide Angeklagte der Ivoclar schuldig gesprochen. (Bild: PD)

Vier Zeugen sollten nun Licht ins Dunkel bringen. Allerdings konnte die Vorladung an einen von ihnen wegen unbekannten Aufenthalts gar nicht erst zugestellt werden. Ansonsten hatte sich seit September nicht sehr viel getan. Beide Angeklagte mit österreichischer Staatsbürgerschaft blieben bei ihren Aussagen: Der 54-jährige Erstangeklagte zeigte sich weiterhin vollumfänglich geständig und blieb dabei, dass er auf Bitte des 64-jährigen Zweitangeklagten, seinem ehemals «besten Freund», fingierte Rechnungen für nicht erbrachte Reinigungsarbeiten in der Ivoclar Vivadent AG unterzeichnet habe. Er hatte im Tatzeitraum von 2004 bis 2014 seine Position und die Zeichnungsberechtigung als Facility Manager missbraucht. Auch das gab er zu. «Aber nur, um meinem besten Freund, der mit seinem Bau- und Reinigungsunternehmen in finanziellen Schwierigkeiten steckte, zu helfen.»

Andere Version des Zweitangeklagten

Ganz anders die Version des Zweitangeklagten. Er beharrte darauf, nichts von diesem Betrug gewusst und schon gar nicht Geld aus dieser kriminellen Machenschaft erhalten zu haben. Das alles sei eine Lüge, sagte er gestern. «Und so gut waren wir auch nicht befreundet.»

Schwerer Betrug in mindestens 130 Fällen

Auch die drei erschienenen Zeugen, der Bruder des Zweitangeklagten und dessen Ehefrau wie auch die Tochter des 64-Jährigen, konnten die offenen Fragen nur bedingt bis gar nicht klären. So blieb es bis zur Urteilsverkündung ausgesprochen spannend, die Beratungen seitens des Gremiums zogen sich dementsprechend in die Länge.

Am Ende wurden beide Angeklagte schuldig gesprochen. Der Erstangeklagte erhielt eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten auf eine Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen. Er hatte in mindestens 130 Fällen schweren Betrug begangen, Geldwäscherei betrieben sowie ein Beweismittel gefälscht und falsche Beweisaussagen getätigt. Zudem muss er die Gerichtskosten in Höhe von 5000 Franken übernehmen und der Ivoclar Vivadent AG die nach seinen Aussagen in die eigene Tasche gesteckten rund 224000 Franken zurückzahlen. Letzteres wurde bereits im September mit dem Privatkläger der Ivoclar Vivadent so vereinbart. Auf Nachfrage des Richters nach dem Stand der Dinge erklärte der Verteidiger des Erstangeklagten, dass der Kredit von der Bank genehmigt wurde und der Betrag in Bälde überwiesen werden könne.

Der Zweitangeklagte erhielt eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, ebenfalls mit einer Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen. Er hat dem Urteil zufolge gewerbsmässigen Betrug in mindestens 19 Fällen und das Verbrechen der Geldwäscherei begangen. Die Gerichtskosten in Höhe von 5000 Franken braucht er nicht zu begleichen, da er kaum Vermögen hat. Allerdings muss auch der 64-Jährige eine Wiedergutmachung an die Ivoclar Vivadent zahlen. Diese liegt jedoch, nicht wie vom Privatkläger gefordert, bei rund 1,25 Millionen Franken, sondern bei etwas über 285000 Franken.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.