Wachstum der Wirtschaft in der Region wird leicht schwächer

Auch wenn die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz und in der Region Sarganserland-Werdenberg aktuell etwas gebremst wird: Grundsätzlich sind die Aussichten für 2019 nicht allzu trüb, wie das Konjunktur- und Trendforum Horizonte zeigte. Auf dem Podium wurde engagiert über den institutionellen Rahmenvertrag mit der EU diskutiert und die Folgen eines Scheiterns.

Thomas Schwizer
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Von links: Peter Grünenfelder, Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse, ist für den Rahmenvertrag. Regierungsrat Benedikt Würth sagt Ja, aber es müsse Anpassungen geben. Peter Eisenhut von der Ecopol AG referite und moderierte das Podium. (Bild: Thomas Schwizer)

Von links: Peter Grünenfelder, Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse, ist für den Rahmenvertrag. Regierungsrat Benedikt Würth sagt Ja, aber es müsse Anpassungen geben. Peter Eisenhut von der Ecopol AG referite und moderierte das Podium. (Bild: Thomas Schwizer)

Prognostiker korrigieren seit einiger Zeit die Wirtschaftsentwicklung nach unten. Mit einem Wachstum des Brutto-Inlandproduktes von 1,5 % in der Schweiz, 1,4 % in der EU und 2,5 % in den USA sei von einer Rezession keine Rede. Das sagte Peter Eisenhut am Donnerstag am Konjunktur- und Trendforum Horizonte der St.Galler Kantonalbank im Glashaus von Blumen Keusch in Buchs.

Aktuelle Umfragen bei Industrieunternehmen und eine Umfrage bei den Forumsteilnehmern bestätigen die grundsätzlich positive Stimmung: Gut 90 % rechnen für das laufende Jahr mit einem gleich bleibenden oder nur leicht schwächeren Wachstum als im Vorjahr.

Gewisser Optimismus auch in der Region Werdenberg

Dass die regionale Wirtschaft auf Stabilitätskurs ist, zeigte Peter Eisenhut mit Zahlen. So verzeichnete die Region St. Gallen-Appenzell 2018 einen neuen Exportrekord. In der Region Werdenberg wurde ein leichter Rückgang gegenüber 2017 verzeichnet, im Sarganserland eine deutliche Zunahme. Verglichen mit 2008 sei die Verbesserung gar frappant: + 48 % im Werdenberg, +33 % im Sarganserland.

Für den Tourismus im Kanton St. Gallen brachte 2018 eine Stabilisierung der Anzahl Logiernächte, allerdings auf tiefem Niveau. Peter Eisenhut zeigte mit Zahlen, dass gegenüber dem Spitzenjahr 1992 der Rückstand 20 % betrage, gegenüber 2008 noch immer 10 %. Deutlich grösser ist der Rückstand im Zehnjahresvergleich in den Regionen Werdenberg
(–30 %) und Sarganserland (–17 %).

«Detailhandel steckt noch lange im Strukturwandel»

Zwar erwarte der Detailhandel in der Schweiz für 2019 ein nominales Wachstum von 0,4 bis 0,8 %. Im Vergleich mit 2011 sei der Umsatz aber um 4,8 % gesunken – und das bei 8 % Bevölkerungswachstum!

Angesichts des rasanten Umsatzwachstums der Online-Handelsriesen von rund 30 % pro Jahr – 2018 waren es rund 2 Milliarden Franken – stellte er fest, der Detailhandel stecke noch lange in einem gewaltigen Strukturwandel und müsse sich immer mehr zu einer Technologiebranche entwickeln.

«Geldpolitik ist weiterhin auf Abwegen»

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Nationalbanken sei mit deren Tiefstzinspolitik weiterhin auf Abwegen, führte er aus. «Wir verlieren real jährlich circa 1,3 % auf unseren Spargeldern, und das in einer Hochkonjunktur.»

Die rechtzeitige Normalisierung der Geld- und Zinspolitik durch die EZB, die 20 bis 25 % der Schulden in Europa trage, und der «an ihrem Rockzipfel hängenden» Schweizer Nationalbank sei aktuell eine der grössten Herausforderungen.

Leerwohnungsbestand ist noch im grünen Bereich

Die Zinspolitik habe einen direkten Einfluss auf die Leerstandsquote, besonders bei Mietwohnungen. Mit 4,3 % im Werdenberg und 3,1 % im Sarganserland sei sie hier «noch nicht wirklich problematisch», auch wenn der Leerstand 2019 wohl leicht ansteige.

Wenn die Zinsen steigen würden, könne es aber rasch Probleme geben, betonte Eisenhut. Schon heute sei ein Angebotsüberschuss vorhanden, der sich auch in Lockvogelangeboten wie «Gratismonaten» auswirke.

Avenir Suisse: «Den Stillstand überwinden»

Mit ihrem Weissbuch hat Avenir Suisse vergangenes Jahr verschiedene Wege aufgezeigt, welche der Schweiz für die wirtschaftliche und politische Zukunft offen stehen. Peter Grünenfelder, Direktor dieser Denkfabrik, zeigte auf, welche Auswirkungen die sechs Szenarien auf die Wirtschaft und die Souveränität der Schweiz hätten.

Wesentlich sei es, den aktuellen Stillstand und verheerenden Reformstau zu überwinden und aussenpolitisch endlich aktiv zu werden. Das reale Bruttoinlandprodukt der Schweiz habe sich seit längerem schlechter entwickelt als in anderen Ländern.

Die Schweizer Wirtschaft braucht einen offenen Weg

Für die nahe Zukunft gebe es aus demografischen Gründen mehr Aus- als Eintritte im Arbeitsmarkt. Wegen des Arbeitskräftemangels brauche die Schweiz auch künftig Zuwanderung.

Angesichts der hohen Aussenhandelsabhängigkeit unseres Landes plädiert Grünenfelder für einen Weg der Öffnung – gegenüber der EU und weiteren Staaten. (ts)

Präsentation der Referate auf www.sgkb.ch/horizonte

Rahmenvertrag: Ja und Ja aber ...

Das institutionelle Rahmenabkommen der Schweiz mit der EU war Thema der Podiumsdiskussion mit Avenir-Suisse-Direktor Peter Grünenfelder und dem St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth. Grünenfelder sieht in einem Ja eine Wohlstandssicherung für unser Land durch den freien Marktzugang. Der Handel mit den EU-Ländern bleibe auf absehbare Zeit am wichtigsten. Nur 0,7 % der Arbeitsplätze in der Schweiz seien von den flankierenden Massnahmen betroffen, schränkte er die negativen Auswirkungen des Rahmenabkommens ein. Bei einem Nein würde die EU die Schweiz weiter «piesaken» und immer neue Hürden aufbauen wie bei «Horizon 2020» und der Begrenzung der Börsenäquivalenz. Das würde zu einer schleichenden Verschlechterung für den Wirtschaftsstandort Schweiz führen, betonte er. Benedikt Würth vertrat die übereinstimmende Sicht der Konferenz der Kantonsregierungen, der St. Galler Regierung und von sich selbst: Es brauche Nachverhandlungen. Das Unionsbürgerecht widerspreche dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative und sei innenpolitisch ein «No-Go». Auch beim Lohnschutz gebe es einen Konflikt, der aber wohl lösbar sei. Bei einem Scheitern des Abkommens würde der Druck der EU auf die Steuerpolitik der Schweiz «noch viel grösser», glaubt Würth.