Vor 100 Jahren wurde in Grabs erfolgreich ein Volksstück aufgeführt

Anfang des Jahres 1920 zog die Theateraufführung «s’Nullerl» an mehreren Spieltagen die Leute in Grabs in ihren Bann.

Hansruedi Rohrer
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Gesamtbild der Theatergruppe «s’Nullerl: Die Männer trugen allesamt Schnauz oder Bart.

Gesamtbild der Theatergruppe «s’Nullerl: Die Männer trugen allesamt Schnauz oder Bart.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Der Männerchor und der damalige Töchterchor machten im Januar und Februar 1920 mit dem Theaterstück samt Gesang in fünf Aufzügen von Karl Morre auf sich aufmerksam und konnten damit einen grossen Publikumserfolg verbuchen. Die Leute strömten in den grossen Saal des Restaurants Mühle und sahen sich dort das Volksdrama auf der Bühne an. «S’Nullerl» dauerte ganze drei Stunden und wurde jeweils sonntags, um 15Uhr, aufgeführt. Anreisende von auswärts verwies man sogar auf Ankunfts- und Abgangszeiten der Züge im Bahnhof Buchs.

So wurde das Stück beworben.

So wurde das Stück beworben.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Der Zeitungshinweis in den «Werdenberger Nachrichten» vom 20.Januar 1920 empfahl den Besuch mit folgenden Worten: «Einen genussreichen Nachmittag bereiteten uns die Grabser mit ihrer Aufführung ‹s’Nullerl›! Die Auswahl dieses gesunden Volksstückes kann man nur ausgezeichnet nennen. Selten ein Stück eignet sich so gut für Dilettanten-Aufführung wie dieses.

Die Hauptrollen liegen in bewährten Händen, was besonders von den Männerrollen gesagt werden kann. Sie werden sogar teilweise meisterhaft wiedergegeben, zum Beispiel der Vater, Quarzhirn, der alte Anerl, Stoffel und Schnurre etc. dürfen besonders hervorgehoben werden. Der Besuch der nächsten Aufführungen darf also bestens empfohlen werden. Befriedigt wird der Besucher heimkehren können.»

«Nullerl»-Schauspielerinnen-Studien mit Grabserinnen des damaligen Fotografen.

«Nullerl»-Schauspielerinnen-Studien mit Grabserinnen des damaligen Fotografen.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

«Ich bin der Niemand auf der Welt, ich hab kein Feld und auch kein Geld», so stellt sich der «Null-Anerl» zu Beginn des Stücks vor. Er, der sein Leben lang als Bauernknecht gearbeitet hatte, besitzt keine Alterspension. Und so zieht er auf den Hof des Bauern Quarzhirn und dessen Willkür. Trotzdem bewahrt Anerl seinen Mut und seine Würde. Er verteidigt auch Gabi, die Tochter des Bauern, gegen dessen autoritäre Vorschriften. Das Mädchen: Krank und geschwächt durch die unerfüllbaren Ansprüche des Vaters, der ihr die Liebe ihres Lebens verbietet. Der Anerl: Er trägt seine frühe Liebe als Geheimnis mit sich. Am Schluss siegen Liebe und Menschlichkeit, und dem Publikum bleibt das Zitherspiel des Null-Anerl noch lange im Ohr. Das ist der Kurzinhalt des im Jahre 1885 uraufgeführten Stücks von Karl Morre.

Eine Wiederaufführung vor 25 Jahren

Anfang 1995, also vor 25 Jahren, hat sich die Theatergesellschaft Wangs dieses Stücks noch einmal angenommen. Unter dem Titel «Ds Nullä Hannis» wurde das Theater in fünf Aufzügen von Hans Angehrn in Mundart umgeschrieben und im «Sternensaal» mehrmals mit Erfolg aufgeführt.

Das alte Theaterstück war inhaltlich nach wie vor aktuell. Es beschrieb nämlich in seinem Sinn die Ausbeutung schwer arbeitender Menschen und deren ungelöstes Unrecht. In diesem Fall waren es obdachlose, ausgediente Knechte ohne festen Wohnsitz, die von Bauernhof zu Bauernhof zogen. Die Unterbringung war dabei kärglich und unmenschlich. Je nach Grösse des Hofes blieben sie einige Tage bis mehrere Wochen, dann wurden sie weitergeschickt. Die Bauern waren von der Gemeinde verpflichtet, diese Knechte und Mägde zu versorgen. Eine staatliche Pensionsvorsorge gab es noch nicht.