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Von fremden Sprachen fasziniert

Brigitt Meier liebt vor allem eine Fremdsprache: Hebräisch. Als Gründerin des Sprachencafés in Buchs ermöglicht sie auch anderen, ihre Lieblingssprachen im Gespräch anzuwenden.
Hanspeter Thurnherr
Gute Laune am Englisch-Stammtisch im Sprachencafé: Brigitt Meier (stehend) zeigt ihre Liebe zur hebräischen Sprache mit ihrem T-Shirt. (Bild: Urs Bucher)

Gute Laune am Englisch-Stammtisch im Sprachencafé: Brigitt Meier (stehend) zeigt ihre Liebe zur hebräischen Sprache mit ihrem T-Shirt. (Bild: Urs Bucher)

Seit fast zehn Jahren kann jedermann im Seecafé Buchs am Dienstagabend seine Fremdsprachen in gemütlicher Gesprächsrunde anwenden und verbessern. Was mittlerweile zu einer weitherum bekannten Institution geworden ist, wäre ohne Brigitt Meier in dieser Form wohl nie entstanden. «Sprachen hatte ich schon immer gerne, vor allem Französisch habe ich geliebt. Leider habe ich sie viel zu wenig genutzt», sagt die 55-jährige Buchserin, die im Baselbiet aufgewachsen ist und seit bald 20 Jahren in Buchs lebt.

Die mittlerweile dreifache Grossmutter hat früh geheiratet und sich nebst ihren eigenen Kindern, dem grossen Haus und Garten auch jahrelang um Tages- und Pflegekinder gekümmert. Sie war Mitglied des Tageselternvereins Werdenberg und hat sich mit dem Diakonieverein Werdenberg der evangelischen Kirche für die Flüchtlingsfrauen und Kinder auf dem Buchserberg engagiert.

Mit dem Flüggewerden ihrer Kinder sind auch der Mama Flügel gewachsen. Auf einer Studienreise nach Israel hat sie sich in Land und Leute verliebt und sich entschlossen, die hebräische Sprache zu lernen. Am Anfang half ihr dabei vor allem eine Israelin aus Buchs. Im Jahr 2007 hielt sie aber nichts mehr zurück. Sie wollte sich eine Auszeit nehmen und ein Jahr nach Israel gehen, um die Sprache zu studieren. Die Familie gab ihr grünes Licht. «Mama, mach, was dir Freude macht!», ermutigten sie ihre drei Töchter. Auch ihr Mann unterstützte sie von Anfang an und versprach, sie in den Sommerferien zu besuchen. «Es war dann doch nicht so einfach, das erste Mal im Leben weder Ehefrau, Mama, Tochter, Freundin oder Nachbarin zu sein, sondern einfach nur eine Fremde», erzählt Brigitt Meier.

«Israeli sind sehr gastfreundlich»

Am Anfang sei es besonders schwer gewesen. Ganz alleine auf sich gestellt, musste sie ihren Alltag mit Schule und Freizeit organisieren. Dabei habe sie das Heimweh zeitweise enorm gepackt. «Aber schon bald stellte sich heraus, wie gastfreundlich und offen die Israeli sind. Man hat mich oft ganz spontan zum Essen oder für Ausflüge eingeladen. Selbst im Bus wurde ich von Einheimischen angesprochen und eingeladen», erzählt sie.

Das Jahr in Israel sei etwas vom Besten gewesen, was ihr passieren konnte: «Ich habe nicht nur Hebräisch und Englisch gelernt. Es war eine Reise hinaus in die Welt – eine Reise zu mir selbst. Ich bin gewachsen, selbstbewusster und offener geworden.» Das Fremdsein in einem fremden Land und die Gastfreundschaft, die Brigitt Meier erfahren hat, haben in ihr den Wunsch gestärkt, ein Zuhause zu kreieren, wo sich Menschen aus aller Welt ebenfalls für eine Zeit zu Hause fühlen können.

Nach der Rückkehr war es ihr wichtig, die erworbenen Sprachkenntnisse nicht zu verlieren. Sie suchte Gesprächspartner in Sprachenchats im Internet und lernte die Sprache via Skype intensiv. «Aber ich fand es schade, nur online sprechen zu können.» Inzwischen hörte sie vom Sprachencafé im vorarlbergischen Götzis. Doch weil dort kein Hebräisch angeboten wurde, kam Brigitt Meier 2009 auf die Idee, selber ein Sprachencafé zu initiieren. Die Tatsache, dass in Buchs und in der Region Werdenberg-Liechtenstein viele Leute aus aller Welt leben, ermutigte sie dazu. So fand sie interessierte Personen verschiedener Muttersprachen, die ihr halfen, das Projekt zu starten. Ein Glücksfall war, dass ihre ehemalige Wohnnachbarin Karen Jüstrich ihr Seecafé ausserhalb der normalen Öffnungszeiten zur Verfügung stellte. «Eine glückliche Situation für beide Seiten», sagt Brigitt Meier.

Brigitt Meier entdeckte vor vier Jahren das Schreiben wieder. (Bild: Urs Bucher)

Brigitt Meier entdeckte vor vier Jahren das Schreiben wieder. (Bild: Urs Bucher)

Heute werden im Sprachencafé zehn verschiedene Sprachen abwechselnd angeboten, inklusive Deutsch. Brigitt Meier selber moderiert den hebräischen und den Gebärdentisch. Richtig, neuerdings kann man sich im Sprachencafé auch nur mit den Händen verständigen. «Unglaublich, was aus der Idee geworden ist», freut sich Brigitt Meier und fährt fort: «Menschen sitzen beim Kaffee zusammen, lernen die Sprache des andern und noch vieles mehr, Freundschaften und Beziehungen entstehen. Unvergessliche Begegnungen und Momente gehören immer wieder dazu.»

Jeden Sommer eine «Weltreise»

Wenn sie nicht im Sprachencafé ist, kümmert sie sich um ihre zahlreichen Gäste. Dass sie fliessend Englisch spricht, kommt ihr dabei zugute. Fragt man sie, ob das nicht anstrengend ist, ständig fremde Leute im Haus zu haben, lacht sie nur. «Komisch ist, wenn niemand da ist. Ich liebe es, Gastgeberin zu sein. Ich bin nicht sicher, wer am Schluss mehr beschenkt ist, meine Gäste oder ich. Jedenfalls kommt es mir vor, als wäre ich jeden Sommer auf einer Weltreise und kann dabei erst noch im eigenen Bett schlafen.» Besondere Erlebnisse gäbe es immer wieder, davon könne sie ein Buch schreiben.

Zu ihrer Gastfreundschaft gehört auch der wöchentliche Mittagstisch, zu welchem sie Freunde und Nachbarn einlädt. Ist sie einmal nicht zu Hause, besucht sie sicher ihre Kinder und Grosskinder oder ihre Eltern im Baselbiet. Ausserdem wandert sie leidenschaftlich gerne, und selbstverständlich reist sie regelmässig nach Israel – oft auch als private Reiseführerin.

Brigitt Meier liest gerne, davon zeugt ihre Hausbibliothek.

Brigitt Meier liest gerne, davon zeugt ihre Hausbibliothek.

Brigitt Meier hat aber nicht nur an Fremdsprachen Freude. «Ich habe wieder zur deutschen Sprache zurückgefunden», sagt sie und erklärt: «Schon als Kind habe ich gerne geschrieben. Vor vier Jahren entdeckte ich das Schreiben wieder. Was mich berührt, darüber schreibe ich. Es sind Gedichte und Geschichten über Gott und die Welt und insbesondere über Menschen.» Ihre Texte veröffentlicht sie auf einer eigenen Internetseite (www.brigwords.com). Bei all ihren Tätigkeiten lässt sie sich gerne von einem Zitat des französischen Erzählers Guy de Maupassant leiten: «Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.»

Hinweis
Infos zum Sprachencafé: www.sprachencafebuchs.ch

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