Von der Schollbergstrasse zur A13

Mit der Eröffnung der neuen Rheintalstrasse 1822 begann die Verlagerung des Transitverkehrs vom rechten auf das linke Rheinufer. Von ihr zeugt heute noch die Schlichergrabenbrücke am Fuss der Hohwand.

Cornel Doswald
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Alte und neue Schollbergstrasse mit der ersten Schlichergrabenbrücke, zirka 1822. Gut sichtbar ist der neue Strassendamm durch die Saarebene. (Bild: Aquarell von Johannes Schiess, 1799–1844)
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Die Schlichergrabenbrücke nach Abschluss der Renovation, mit Gewichtsbeschränkung und Orientierungstafel. Aufgenommen wurde das Bild im Jahr 2017. (Bild: Franco Schlegel)
Der Bauplan der neuen Schollbergstrasse von 1821 mit den Profilen für Dämme und Felsausbruch. Dünne Linien zeigen den definitiven Verlauf durch die Ebene. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)
Die 1822 eröffnete neue Schollbergstrasse wurde aus der Felswand gebrochen und erhielt einen gewundenen Verlauf. (Bild: Aquarell von Johannes Schiess, 1799–1844))

Alte und neue Schollbergstrasse mit der ersten Schlichergrabenbrücke, zirka 1822. Gut sichtbar ist der neue Strassendamm durch die Saarebene. (Bild: Aquarell von Johannes Schiess, 1799–1844)

Die rechtsufrige Rheintalstrasse war seit der Römerzeit die dominante Fernstrasse durch das Alpenrheintal. Dies war der Tatsache zu verdanken, dass sie sich vom Bodensee bis Chur immer auf derselben Seite des Flusses halten konnte und ihr mit der St. Luzisteig nur ein einziger, leicht zu überwindender Pass entgegenstand. Es ist dagegen unwahrscheinlich, dass in römischer Zeit mehr als nur lokale Verbindungswege durch das teilweise dünn besiedelte Gebiet links des Rheins führten. Eine römische Vorgängerin der alten Schollbergstrasse liess sich nicht nachweisen. Die Felsbarriere des Schollbergs dürfte ein wirksames Verkehrshindernis geblieben sein, bis die Passage in den Jahren 1490-92 mit einem weitgehend aus dem anstehenden Fels gebrochenen und mit zahlreichen Stützmauern ausgebauten Fahrweg geöffnet wurde. Indem diese die steile Umgehung des Maziferchopfs über Matug ersetzte und die zu überwindende Höhendifferenz um rund 200 Höhenmeter verringerte, entstand erstmals eine verkehrstaugliche fahrbare Verbindung zwischen Sargans und dem linksufrigen Alpenrheintal unterhalb des Schollbergs.

Die Schollbergstrasse als Alternative

Nach dem Bau der Schollbergstrasse entwickelte sich die linksufrige Strasse zu einer brauchbaren Alternative zur rechtsufrigen, ohne dieser den Rang abzulaufen – trotz Bemühungen der eidgenössischen Seite, den Verkehr durch ihr Herrschaftsgebiet zu leiten. Da sich die rechtsufrige Strasse auch nicht immer im besten Zustand befand, ist es zumindest möglich, dass bei schlechten Strassenverhältnissen, aber auch in politisch unsicheren Zeiten von der rechts- auf die linksufrige Strasse ausgewichen wurde. Umgekehrt drohten die Rheinecker Fuhrleute gelegentlich bei schlechtem Zustand der Schollbergstrasse, ihre Fuhren über die rechtsufrige Strasse zu führen. Ein einigermassen zeitgemässer Ausbau der rechtsufrigen Landstrasse erfolgte aber in Vorarlberg erst 1768-71, in Liechtenstein 1770-82. Graubünden folgte mit dem Ausbau der «Deutschen Strasse» 1782-88.

Der Fernverkehr hat mehr Einfluss als die lokalen Bedürfnisse

Der Bau der Schollbergstrasse eröffnete auch einen leistungsfähigeren neuen Einfuhrweg für das Tiroler Salz, das bis ins frühe 19. Jahrhundert über den Arlberg nach Zürich und in die Innerschweiz gebracht wurde. Die «Deutsche Strasse» und die Zubringerstrasse zum Fahr Trübbach waren deshalb die einzigen Strassen in Liechtenstein, die bereits vor dem 19. Jahrhundert zu Fahrstrassen ausgebaut wurden.

Wie die Einrichtung einer Sust in Trübbach, der Tarif der Fähre von 1654 und die mehrfach erwähnte, fahrbare Winterbrücke zeigen, hatte wahrscheinlich der Fernverkehr bis ins frühe 19. Jahrhundert einen grösseren Einfluss als die lokalen Bedürfnisse. So erwähnt der Fährtarif von Trübbach neben Heu- und Streuefudern und Vieh, die eher dem lokalen Bedarf entsprachen, unter anderem ausdrücklich vierspännige Wagen, zweiachsige Fuhrwerke, Mühlsteine, Salzfässer und Ladungen mit Kaufmannsware, die übergesetzt wurden oder über die Rheinbrücke oder durch die Rheinfurten geführt wurden.

Erst im 19. Jahrhundert begann aber die vollständige Verlagerung des Durchgangsverkehrs vom rechten auf das linke Rheinufer. 1822 wurde die sankt-gallische Rheintalstrasse, eine voll ausgebaute Chaussée, mit der neuen, dem Rheinufer folgenden Schollbergstrasse eröffnet. 1858 folgte die Eröffnung der Eisenbahnlinie Chur-Rheineck mit dem Bahnhof Trübbach. Schliesslich entstand auf der Schweizer Seite in den 1960er-Jahren die Autobahn A13 als derzeit leistungsfähigste Verkehrsträgerin im Alpenrheintal.

Die Schlichergrabenbrücke als Zeugin der Verkehrsverlagerung

Als eine der ersten Staatsstrassen baute der 1803 geschaffene Kanton St. Gallen die Rheintalstrasse als Hauptverbindung zwischen den nördlichen und südlichen Kantonsteilen. Sie führte ab 1822 steigungsfrei am Fuss der Felswand entlang, wofür der Fels ausgebrochen und mächtige Stützmauern ausgeführt werden mussten. Mit dem Bau des heute noch sichtbaren Strassendamms Vild-Hohwand wurde der Lauf der Saar vom Hangfuss weg auf die Südostseite der Strasse verlegt.

Ein neuer Wasserlauf, der Schlichergraben, nahm die Zuflüsse aus dem Gonzenabhang auf; sie wurden unter der Hohwand in die Saar eingeleitet. An dieser Stelle erbaute man als Durchlass die erste Schlichergrabenbrücke.

Diese Brücke war eine kleine Rundbogenbrücke. Sie wurde wohl noch vor 1850 durch eine Brücke mit grösserem Durchlassprofil ersetzt, von der die heutigen Widerlager und Flügelmauern stammen. 1893 erhielt die Brücke einen Fahrbahnaufbau mit Stahlträgern und einem Brückenbelag aus Zoreseisen, auf denen direkt der Strassenkoffer aus Schollbergschotter eingebaut wurde. Diese Konstruktion war einst sehr verbreitet, ist aber wegen Durchrostung meistens ersetzt worden. Zusammen mit dem Fahrbahnaufbau entstanden auch neue Geländer, die auf der Nordwestseite später modifiziert wurden. Bei der Restaurierung 2017 wurde eine abgedichtete Betonplatte eingebaut, um den Fahrbahnaufbau zu verstärken und vor Sickerwasser zu schützen.

Nur noch eine Zufahrt zur Festung Schollberg 3

1952-55 wurde die Kantonsstrasse verlegt und begradigt. Die alte Strasse diente danach nur noch als Zufahrt zur Festung Schollberg 3. Im Zug der Melioration der Saarebene wurde 1971 auch der Schlichergraben nach Süden verlegt. Diesen Umständen ist es zu verdanken, dass die sehr selten gewordene Brückenkonstruktion erhalten geblieben ist und für die Zukunft konserviert werden konnte.

Fährverbindungen, Holz- und Betonbrücken

Am 23. November 2018 jährt sich die Eröffnung der Strassenbrücke über den Rhein zwischen Balzers und Trübbach zum fünfzigsten Mal. Aber wann und weshalb entstand hier überhaupt ein Rheinübergang, und weshalb hatte er bis heute Bestand?
Cornel Doswald