Der Weg der Trauben vom Werdenberger Schlossberg nach Sax in die Presse

Die Ernte ist für Otto Rohner, Bewirtschafter eines Demeter-Weingutes, die spannendste Zeit des Jahres. In diesem Jahr begann sie früher als sonst. Auch am Schlossberg Werdenberg sind die Trauben reif.

Corinne Hanselmann
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Mit Aussicht auf die Stadt Buchs werden die Trauben geerntet.

Mit Aussicht auf die Stadt Buchs werden die Trauben geerntet. 

Flink hantieren die Helferinnen und Helfer im steilen Rebberg mit der Schere. Sie schneiden die Früchte von den Reben ab und entfernen die wenigen schlechten Weinbeeren. Die vollen Kisten sammelt Otto Rohner mit dem Hutter-Kipper «Huki» ein. Der Weinbauer bewirtschaftet einen grossen Teil des Rebbergs beim Schloss Werdenberg. Eine Tonne Trauben zu ernten ist an diesem Vormittag das Ziel. Am Nachmittag werden sie in Rohners Weinkeller in Sax weiterverarbeitet. Aus den roten Trauben soll Federweisser gekeltert werden.

50 Kilogramm Trauben pro Helfer und Stunde

Die Reben am Schlossberg sind schon 29-jährig. «Sie sind noch gut im Schuss», sagt Otto Rohner und zeigt auf die schön grünen Blätter. Die Reben haben den trockenen Sommer bestens überstanden. Nur sehr junge Reben haben etwas gelitten. Am Anfang der Trockenperiode hat Rohner diese mittels Wasserfass bewässert. «Irgendwann habe ich aufgegeben, denn es ist eine riesen Arbeit», sagt er.

Schon Ende August hat Rohner mit dem Lehrling und seinen treuen Helfern mit der Ernte begonnen, rund drei bis vier Wochen früher als in anderen Jahren. «Ich habe viele Pensionierte, die mir seit Jahren helfen. Sie sind zum Glück zeitlich flexibel», erklärt Otto Rohner. «Ausser wenn der Altersausflug ist, dieser Tag ist tabu», sagt er und lacht. Zwischen 5 und 15 Helfer kommen bei der Ernte je nach Grösse des jeweiligen Rebbergs zum Einsatz. Ein Helfer erntet rund 50 Kilogramm Trauben pro Stunde. «Wir ernten immer nur so viele Trauben, dass am Nachmittag genug Zeit bleibt für eine saubere Verarbeitung», so Rohner. Er hofft, dass das Wetter weiterhin gut bleibt, denn für die Ernte muss es trocken sein.

Fleissige Helfer ernten die Trauben. (Bilder: Corinne Hanselmann)
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Eine Augenweide: An den Reben hängen in diesem Jahr besonders viele Trauben.
Mit dem Hutter-Kipper sammelt Otto Rohner die Trauben ein.
Mit dem Refraktometer wird der Oechsle-Grad des Traubensafts bestimmt.
Mit dieser Maschine werden die Beeren von den Stielen getrennt.

Fleissige Helfer ernten die Trauben. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Keine Pestizide, kein Kunstdünger

Die Leidenschaft für den Rebbau hat Otto Rohner quasi in die Wiege gelegt bekommen. Sein Grossvater war ein grösserer Weinbauer in Maienfeld. Auf der Suche nach einem eigenen Betrieb hat es Otto Rohner vor fast 30 Jahren nach Sax verschlagen. Rohner bewirtschaftet seine Rebberge seit einigen Jahren biologisch-dynamisch nach den Demeter-Richtlinien. Das bedeutet, dass er beispielsweise keinen Kunstdünger und keine Pestizide verwendet, sondern sogenannte biodynamische Präparate, welche die Reben stärken.

Seit sechs Jahren bildet Otto Rohner Winzer aus. Er und sein Lehrling sind das ganze Jahr über in den Rebbergen und parallel dazu im Weinkeller beschäftigt. Am besten gefällt ihm an seinem Beruf das Draussensein sowie der Umgang mit den Kunden, welche die selbst hergestellten Produkte schätzen. Rohner verkauft einen Grossteil seiner Weine regional, rund die Hälfte davon an Private.

Während der Vegetationszeit verbringt er viel Zeit im Rebberg. Triebe müssen eingeschlauft, überzählige Trauben abgeschnitten und Laub entfernt werden. Nach der Ernte steht das Zurückschneiden der Reben und das erneute Herrichten der Anlagen für die nächste Saison an. «Die spannendste Zeit ist natürlich die Ernte. Wenn die Trauben gesund sind, ist dies der Lohn für die Arbeit des ganzen Jahres», so Rohner.

Flurina Rohner tritt in Vaters Fussstapfen

Otto Rohners Tochter Flurina Rohner ist Önologin. Sie freut sich, bei der Ernte mitzuhelfen.

Otto Rohners Tochter Flurina Rohner ist Önologin. Sie freut sich, bei der Ernte mitzuhelfen.

Eine der Helferinnen und Helfer, die zwischen den Rebenreihen am Schlossberg mit Schere und Trauben hantieren, ist Otto Rohners Tochter Flurina Rohner. Die 25-Jährige hat soeben ihren Bachelor-Abschluss in Weinbau und Önologie an der Fachhochschule in Nyon gemacht. Zuvor hat sie schon die Lehre als Winzerin und die Berufsmatura absolviert. «Ich freue mich sehr, dass ich jetzt endlich einmal zu Hause bei meinem Vater bei der Ernte dabei bin», sagt sie. Mehrere Jahre war Flurina Rohner nun für die Ausbildung fort und hat dabei verschiedene Weinbau-Regionen im In- und Ausland kennen gelernt. Das traditionelle Arbeiten von Hand, wie es in den Schweizer Weinbergen noch üblich ist, gefällt ihr sehr.

Die 65 Kisten à 15 Kilogramm Trauben sind voll geworden. Ihr Weg führt sie nun nach Sax. Mit der Abbeermaschine werden die Trauben von den Stielen getrennt. Je nach Sorte werden sie dann zuerst einige Stunden in der Presse gelagert, gepresst und in Stahltanks abgefüllt. Der Federweisse, der aus den am Fusse des Schlosses Werdenberg geernteten Pinot-Noir-Trauben entsteht, wird etwa im März kommenden Jahres soweit sein, dass man ihn in Flaschen abfüllen kann.