Region Werdenberg
Vögel spüren den Frühling und kommen aus dem Süden zurück

Vielfältige Naturbeobachtungen in der Region im Wintermonat Februar.

Edith Altenburger
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Das schottische Hochlandrind bietet dem Star eine vorteilhafte Sitzwarte.

Das schottische Hochlandrind bietet dem Star eine vorteilhafte Sitzwarte.

Bild: Fredy Buchmann

Obwohl es gemäss Kalender bis vor kurzem noch Winter war, spüren die Vögel bereits den Frühling. Die Rückkehr der Zugvögel ist momentan kaum sichtbar, denn sie erfolgt nachts: Dank einem auf dem Besuchszentrum der Vogelwarte installierten Radar werden alle Bewegungen von ziehenden Vögeln über der Vogelwarte registriert. Dabei hat die Anzahl durchfliegender Vögel seit rund einer Woche stark zugenommen.

Der Radar gibt auch Auskunft über die Flugrichtung. Sie zeigt nach Nordosten, was ein klares Anzeichen dafür ist, dass der Vogelzug begonnen hat. So früh im Jahr sind vor allem Vögel auf dem Rückweg, die im Mittelmeerraum überwintert haben. Zugvögel, die im tropischen Afrika überwintern, treten ihre gefährliche Rückreise in die Schweiz erst in rund einem Monat an.

Vögel auf wichtiger Nahrungssuche im Riet

In der Dämmerung ist ein vertrauter Klang zu hören. Die Amsel pfeift frühmorgens zaghaft ihr Lied. Es scheint, als ob sie noch üben müsste. Bei schönem, kaltem Wetter zeigen sich die ersten Stare am Futterhaus von Erich Kühnis. Lachmöwen zeihen am Rhein und im Segelflug zieht ein Steinadler vom Buchser- über den Studnerberg zum Alpstein.

Die im Eschner Riet (Tentscha) auf kurzer Wiese geschäftig nach Nahrung suchenden 100 Stare erkennt man schon von weitem an ihrem wackelnden Gang. Auch Wacholder- und Misteldrosseln finden hier ihre Nahrung. Im Gegensatz zur Amsel bewegt sich der Star auf dem Boden schreitend und nicht hüpfend. Immer wieder bleibt ein Vogel stehen und steckt seinen Schnabel in das weiche Substrat, öffnet ihn leicht und blickt in den entstandenen Spalt. Diese Methode wird auch als «Zirkeln» bezeichnet.

Im Frühjahr werden bodenlebende Wirbellose genutzt, vor allem Insekten, aber auch Regenwürmer und kleine Schnecken. Im übrigen Jahr frisst der Star überwiegend Obst und Beeren aller Art. Häufig erfolgt die Nahrungssuche in engem Kontakt zu weidenden Säugern, die auch gerne als Sitzwarten genutzt werden.

Stare ahmen neuerdings Klingeltöne nach

Der Star ist mit einer Körperlänge von 19 bis 22 Zentimetern etwas kleiner als die Amsel. Der Schwanz ist im Vergleich zur Amsel deutlich kürzer. Die Flügel wirken im Flug dreieckig und spitz. Die Geschlechter unterscheiden sich nur geringfügig, Weibchen sind etwas weniger intensiv metallisch glänzend gefärbt als Männchen, und die Punktzeichnung auf dem Körper bleibt bei Weibchen im Prachtkleid meist deutlicher erhalten. Die Basis des Unterschnabels ist bei Männchen im Prachtkleid blaugrau, bei Weibchen weisslich. Bei frisch ausgeflogenen Staren ist der Körper erdbraun, die Kehle ist weisslich aufgehellt. Die Schwingen und Steuerfedern sind dunkelbraun ohne Metallglanz. Der Schnabel ist mattbraun, die Beine dunkelgraubraun.

Im Grabser Riet zeigt ein Star bereits seinen eroberten Nistplatz an. Es ist ein geräumiger Wiedehopf-Kasten. Er singt intensiv, sträubt das Gefieder und flattert mit gespreizten Flügeln. Der Star ist für sein «Spotten» berühmt, also für seine Fähigkeit, Tierstimmen und Laute zu imitieren. Der anhaltende, schwätzende Gesang besteht aus einer Vielzahl von ansteigenden oder abfallenden Pfeiftönen, Schnalz-, Zisch- und Rätschlauten sowie Imitationen von Vogel- und anderen Tierstimmen oder technischen Geräuschen. Häufig werden zum Beispiel Rufe von Pirol, Mäusebussard oder Kiebitz nachgeahmt, daneben auch Hundegebell, das Geräusch von Rasenmähern oder neuerdings auch Klingeltöne von Handys.

In Europa ist der Star flächendeckend verbreitet, er fehlt nur im Inneren grosser geschlossener Waldgebiete, in völlig ausgeräumten Agrarlandschaften sowie in Höhenlagen ab etwa 1500 Meter. Auch Städte werden bis in die Zentren besiedelt. Höchste Dichten werden in Bereichen mit höhlenreichen Baumgruppen und benachbartem Grünland zur Nahrungssuche erreicht.

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