Viele übten Kritik, niemand befürwortete den Abbau: Die St.Galler Regierung «trägt den Bedenken Rechnung» und streicht den Gesteinsabbau im Campiun

Weil Planungs- und Rechtssicherheit fehlen: Der Gesteinsabbau- und der Deponiestandort im Campiun fallen aus dem Richtplan. Auch der Bund sieht derzeit kein überwiegendes nationales Versorgungs-Interesse und bewertet den Status als nationales Landschafts-Schutzgebiet als sehr hoch.

Thomas Schwizer
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Das Areal Campiun wird in absehbarer Zeit kein Standort mit Gesteinsabbau und für Deponiegut.

Das Areal Campiun wird in absehbarer Zeit kein Standort mit Gesteinsabbau und für Deponiegut.

Bild: Corinne Hanselmann

«Es liegt keine einzige befürwortende Meinungsäusserung vor.» Dies hält das Baudepartement des Kantons St. Gallen in seinem Vernehmlassungsbericht zum Richtplan 2020 zum Hartgesteinsabbau Campiun in Sevelen fest.

Dagegen hätten Stellungnahmen aus der Bevölkerung, den betroffenen Gemeinden sowie von Umweltverbänden sich unisono gegen den Gesteinsabbau im ehemaligen Steinbruch ausgesprochen.

Interessenskonflikte versus «gewisse Eignung»

Die starke Kritik im Rahmen der Vernehmlassung zum Richtplanentwurf hat dazu geführt, dass die St.Galler Regierung auf die Aufnahme des Abbau- und Deponiestandortes Campiun verzichtet.

In einer am Mittwoch verschickten Medienmitteilung des Kantons heisst es:

«Die Regierung trägt den Bedenken Rechnung. Sie sieht von einem Hartgesteinsabbau und der damit verbundenen Deponie im Gebiet Campiun ab.»

Bereits im letzten Richtplan war der Abbaustandort Campiun als Zwischenergebnis enthalten. Das bedeutet, dass damals die Regierung «dem Standort eine gewisse Eignung zusprach, aber dass noch einige absehbare Interessenskonflikte bereinigt werden mussten», erklärt Ralph Etter, Leiter Amt für Raumentwicklung und Geoinformation.

Bis auf Weiteres nicht mehr auf dem Tapet

Nun habe die Regierung festgelegt, dass sie in absehbarer Zeit keine Lösung sieht und darum den Abbau- und Deponiestandort Campiun aus dem Richtplan streicht. Das dürfte nun einige Jahre so blieben und dieses Thema nicht mehr aufs Tapet kommen, wie Etter auf Anfrage des W&O bestätigt.

Schollberg wird festgesetzt

Der Deponiestandort Schollberg (Gemeinde Wartau) wird im Richtplan 20 festgesetzt. In den unterirdischen Kavernen soll neu auch Typ-B-Material (Inertstoffe) abgelagert werden. Die Gemeinde Sargans hatte vor der Aufnahme in den Richtplan verlangt, dass zuvor die von ihr befürchtete Erhöhung der Verkehrs-, Lärm- und Staubbelastung geregelt werden müsse. Der Kanton verweist dies in die Projektierungs- und Deponieverfahren. Der Bund betonte, vor der Standort-Festsetzung im Richtplan 20 müssten Auswirkungen der Deponie auf das oberirdische Objekt im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler der Schweiz (BLN) berücksichtigt werden. Die kantonale Fachstelle sieht bezüglich BLN-Projekt keine Konflikte, die «aufgeschlossenen jurassischen Kalke des Schollbergs» seien bei einer unterirdischen Deponie nicht betroffen seien. (ts)

Für eine Wiedererwägung müsste sich gemäss seinen Ausführungen die Situation in den nächsten Jahren massiv verändern, indem eine Versorgung der Schweiz mit Hartgestein, das die SBB für den Schotter braucht, akut gefährdet wäre. Doch auch dann müsste ein Abbauvorhaben mit den Anliegen der Anwohner und dem Natursjuwel abgestimmt werden, stellt der Amtsleiter fest.

Bund fordert umfassende Interessensabwägung

Neben zahlreichen Einwänden gegen das Richtplanvorhaben Campiun, unter anderem von der Gemeinde Sevelen und der Stadt Buchs, der Region Sarganserland-Werdenberg, der Ortsgemeinde Buchs und der Einwohnerverein Rans-Oberräfis, machte auch der Bund Druck auf die St.Galler Regierung.

Freiherr wird nicht eingetragen

Im Teilgebiet «schützenswerte archäologische Fundstellen» des kantonalen Richtplans 20 war vorgesehen, verschiedene Fundstellen in der Gemeinde Sennwald zusammenzulegen. In einer Stellungnahme lehnte dies der Gemeinderat ab. Durch die geplante Zusammenlegung befürchtete die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Sennwald eine Ausdehnung des neuen Fundstellenschutzes für «Sennwald, ev. Kirche, Freiherr Johann Philipp von Hohensax», auf das Pfrundgut und insbesondere die Aufbahrungshalle. Bei der Mumie des Freiherrn handle es sich um eine «grundsätzlich standortunabhängige Grenzsache», die nicht mit dem Grund verbunden werden soll. Der Kanton folgt der Begründung und streicht die vorgesehene Eintragung der Fundstelle. Damit bleibt es beim bestehenden Richtplaneintrag. (ts)

Die Regierung gewichtete das nationale Interesse am Hartgesteinsabbau an diesem Standort höher als das nationale Interesse von Natur und Landschaft. Die Landschaftskammer Eschalär, zu der das Areal Campiun gehört, ist Teil des Gebietes Speer-Churfirsten-Alvier, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung liegt.

Der Bund betont seinerseits das hohe Schutzinteresse bezüglich der Landschaft von nationaler Bedeutung (Campiun ist Teil eines BLN-Schutzgebietes). Ohne überwiegendes nationales Interesse und einen überarbeiteten Sachplan Verkehr könne eine Richtplanaufnahme nicht genehmigt werden.