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Viel mehr als nur Dreck

Der Waldboden speichert Wasser, nährt Pflanzen und ist Lebensraum für Billionen von kleinen Tierchen. Geht es dem Waldboden schlecht, reagiert die Natur. Das schadet im Endeffekt dem Menschen.
Alexandra Gächter
Nimmt man den Waldboden unter die Lupe, sieht man, dass ganz viel Leben in ihm steckt. (Bild: Illustration: Florian Raatz)

Nimmt man den Waldboden unter die Lupe, sieht man, dass ganz viel Leben in ihm steckt. (Bild: Illustration: Florian Raatz)

Wer auf dem Waldboden steht, hat mehr Lebewesen unter sich, als es Menschen gibt. Ein Kubikmeter Boden ist Lebensraum für Billionen von Mikroorganismen. Bakterien, Pilze, Algen, Milben, Käfer, Larven, Würmer, Schnecken, Spinnen, Asseln und mehr tummeln sich in der Erde. Die meisten davon kann man von blossem Auge gar nicht sehen. Je kleiner das Lebewesen, desto höher ist dessen Anzahl in der Erde.

Das ist aber nicht alles. Der Waldboden besteht auch aus Pflanzenresten und Ausscheidungen von Kleinstlebewesen. «Der Wald produziert keinen Abfall. Alles, was von Bäumen, Sträuchern, Tieren oder Insekten auf dem Boden zu liegen kommt, wird verwertet und dient in Form von Humus den bestehenden und nachfolgenden Pflanzen oder Tieren als Nährstoffe», sagt Ernst Vetsch, Revierförster der Gemeinde Wartau. «Es ist also keinesfalls Dreck, das auf dem Boden liegt, sondern nahrhafte Erde, welche die Pflanzen, Tiere und Menschen für ihr Überleben benötigen.»

Waldboden gibt Wasser langsam ab

Eine weitere wichtige Funktion des Waldbodens ist seine Fähigkeit, Wasser zu speichern.«Der Waldboden ist vergleichbar mit einem Schwamm, der Wasser aufsaugt», sagt Vetsch. Je nach Beschaffenheit kann sich unter einem Quadratmeter Waldboden bis zu 200 Liter Wasser ansammeln. «Das Gute daran ist, dass der Waldboden das Wasser langsam wieder abgibt. Während Flurböden in einer Schönwetterperiode schnell austrocknen, kann der Waldboden Pflanzen und Tiere noch lange mit Wasser versorgen.» Die Wasserspeicherfunktion kommt natürlich auch dem Menschen zugute. «Weil das Wasser nur langsam wieder abgegeben wird, verringert sich jedoch die Chance einer Überschwemmung.» Wenn der Waldboden zu trocken ist, vermindert sich seine Wasserspeicherfähigkeit. «Auch das ist wieder mit einem Schwamm vergleichbar. Ein feuchter Schwamm kann schneller Wasser aufsaugen, als ein trockener», so Vetsch.

Der Waldboden speichert Wasser nicht nur, er filtert und reinigt das Wasser auch, während es durch die Bodenschichten sickert. «42 Prozent unseres Trinkwassers in der Schweiz stammt aus Waldgebiet. Das ist gut so, denn dank dem Wald hat es weniger Schadstoffe im Wasser.» Laubwälder filtern das Wasser generell stärker als Nadelwälder. Das liegt am Waldboden, der bei Laubwäldern besonders humusreich ist. Durch die Bewegungen der Kleinstlebewesen im Boden, wird dieser aufgelockert und es entstehen unterirdische Gänge, die sich mit Wasser füllen. «Verrotten die Wurzeln eines toten Baumes, entstehen im Boden weitere Gänge, welche Wasser aufnehmen können.»

Das gespeicherte Wasser wird nicht nur in Form von Trinkwasser abgegeben, ein Teil des Wassers verdunstet im Wald. «Ähnlich wie beim Schwitzen kühlt dies. Deshalb und natürlich wegen des Schattens sind die Temperaturen im Wald während des Sommer oft nur halb so hoch wie in der Stadt.»

So nützlich der Waldboden für die Umwelt ist, so empfindlich ist er auch. «Fährt man mit schweren Maschinen auf gewissen Waldböden, zerstört man ihn.» Durch das Gewicht wird das Wasser verdrängt. Der Boden verdichtet sich. «Dadurch können Wurzeln schlechter in den Boden wachsen. Ausserdem wird durch das Verdichten Sauerstoff verdrängt, welcher von den Mikroorganismen zum Leben benötigt wird. Sterben die Mikroorganismen im Waldboden, hat das eine Verkettung von negativen Auswirkungen zur Folge», so Vetsch. Bis vor zehn Jahren haben die Forstwirtschaften dem noch kaum Beachtung geschenkt. «Mittlerweile achten wir mehr auf den Waldboden. Eine einzige Durchfahrt auf einem sehr nassen Boden kann jahrzehntelang andauernde Schäden anrichten.»

Die Menge macht den Schaden

Auch Wanderer, Biker und sogar Waldkindergärten können dem Waldboden schaden. Es ist aber die Menge, die den Schaden ausmacht und nicht ein Einzelner. «Dem Wald ist es letztlich egal, was der Mensch mit ihm macht. Er passt sich einfach an. Schaden tut dies im Endeffekt der Menschheit selbst, denn diese ist auf den Wald angewiesen», sagt Ernst Vetsch.

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